Nacht-OL

Schweizer Meisterschaft in Aarau: Der Einsamkeit der Dunkelheit entkommen

Der Möhlemer Matthias Kyburz und die Zürcherin Julia Gross gewannen an der Schweizer Nacht-OL-Meisterschaft in Aarau die Elitetitel. Simone Niggli vergab den Sieg mit Unkonzentriertheit.

Jörg Greb
Drucken
Teilen
Nacht OL, OL, Orientierungslauf, Aarau, Niggli

Nacht OL, OL, Orientierungslauf, Aarau, Niggli

Zur Verfügung gestellt
Viele rennende Lampen sah man im Aarauer Wald.

Viele rennende Lampen sah man im Aarauer Wald.

Zur Verfügung gestellt

Der Hunger nach Erfolg ist bei der 23-fachen Weltmeisterin Simone Niggli nicht gestillt, auch wenn sie sich vor anderthalb Jahren aus dem Nationalkader und somit vom Leistungssport auf höchster Stufe verabschiedet hatte. Den 40. Schweizer Meistertitel steuerte die 37-jährige Bernerin aus Münsingen an der Schweizer Nacht-OL-Meisterschaft im Buechwald ob Aarau an. Und Simone Niggli war auf dem 8,2 km langen, mit 260 Höhenmetern und 24 Kontrollposten versehenen Parcours vorzüglich unterwegs. Noch beim drittletzten Posten lag sie in diesem Massenstartrennen in Führung. Eine kleine Unkonzentriertheit kostete sie die Position.

Profitieren von Simone Nigglis Suchaktion konnten Titelverteidigerin Ines Brodmann (2.) vor allem aber Julia Gross (1.). Die 23-jährige Zürcherin sprach von einem „Durchmogeln und im richtigen Augenblick zuschlagen“. Gross gewann ihren ersten Elite-Einzeltitel. „Es war anspruchsvoll in diesem Wald zu laufen, aber es war Kämpferwald“, sagte sie. Gross vereitelte damit die erfolgreiche Titelverteidigung der Aarauerin Ines Brodmann: „Schade, dass es nicht gereicht hat“, sagte diese. Sie strich „das besondere Nacht-OL-Feeling“ heraus, beklagte aber „schwere Beine“. Diese rührten von einem Skilager in den Tagen zuvor her, erklärten aber auch ein „besonders cleveres und praktisch fehlerloses Laufen“. Brodmanns konditionelles Defizit erklärt sich dadurch, dass sie sich im letzten Herbst aus dem Nationalkader verabschiedet hat.

Kyburz vor Hubmann

Auf einen Zweikampf spitze sich das Männerrennen zu. Dabei setzte sich der Möhlemer Matthias Kyburz gegenüber dem erfolgreichsten Nacht-OL-Läufer der letzten Jahre, dem aktuellen Gesamtweltcup-Sieger und fünffachen NOM-Meister Daniel Hubmann, durch. „Während eines Grossteils vom Rennen lief ich sehr sauber, aber in der Schlussphase konnte ich einige Bogen nicht vermeiden“, analysierte Kyburz. Dass es zum Titel reichen würde, ahnte er vorerst nicht und beschrieb er mit „dieser gewissen Spielerei, welche diese Sparte begleitet“. Für Kyburz stellt dieser Titelgewinn die Bestätigung dar, dass „ich die Frühform mit den glänzenden Resultaten beim Weltcup im Januar habe umsetzen können und ich bereit bin für die nächsten Herausforderungen dieser Saison“

Eine ähnliche Überzeugung begleitet auch Daniel Hubmann trotz seines zweiten Ranges und des Rückstandes von 25 Sekunden. „Ich war angetreten zum Gewinnen, aber Matthias war heute stärker, und schliesslich gibt es Wichtigeres als diesen Nachttitel.“ Platz 3, bereits 3:18 Minuten zurück, ging an Martin Hubmann, den Vorjahres-NOM-Meister.