Spektakuläre Wende
Siegtor 2,2 Sekunden vor Schluss: Die ZSC Lions gewinnen das erste Finalspiel dramatisch

Die ZSC Lions besiegen Zug im ersten Finalspiel 3:2. Für den EVZ ist es die erste Playoff-Niederlage. Und die Schicksalsfrage ist geklärt: ZSC-Goalie Jakub Kovar ist so gut wie Leonardo Genoni.

Klaus Zaugg
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Die Tore des Spiels

Video: TV24 / Mysports

Für den EV Zug haben die Playoffs erst am Ostermontag begonnen. Mit der ersten Niederlage in diesen Playoffs. 2,2 Sekunden vor Schluss trifft Justin Azevedo zum 3:2. Die ZSC Lions sind der erste in jeder Beziehung ebenbürtige Gegner für den Meister. Lugano und Davos waren es nicht.

Und einer der wichtigsten Gründe, warum es so knapp, so dramatisch war (und warum es wohl weiterhin so knapp und dramatisch bleiben wird): Mit Jakub Kovar haben die ZSC Lions einen Torhüter, der Zugs Leonardo Genoni ebenbürtig ist.

Beginnen wir also mit dem Torhüter. Schliesslich endet jeder Spielzug früher oder später beim letzten Mann. Im letzten Frühjahr wäre die Behauptung eine polemische gewesen, der EV Zug hätte den Titel gegen Servette auch ohne Leonardo Genoni (aber mit Luca Hollenstein) geholt. Aber nun dürfen wir schon nach dem ersten Finalspiel behaupten: Ohne Leonardo Genoni geht es beim EV Zug gegen die ZSC Lions nicht.

Die beiden Mannschaften sind so ausgeglichen, in jeder Beziehung so ebenbürtig, dass am Ende der bessere Torhüter entscheiden wird. Womit wir bei der Frage sind: War Leonardo Genoni besser als Jakub Kovar?

Nein, das war er nicht. Deshalb haben die ZSC Lions gewonnen. Wer mag, kann sagen: Jakub Kovar war beim 1:0 der Zuger ein guter, aber kein grosser Goalie. Aber er wird im Laufe dieser Partie ein grosser Goalie und verhindert 62 Sekunden vor Schluss gegen Dario Simion bei eigenem Powerplay den Siegestreffer (3:2) der Zuger.

Die Zürcher sind Zug ebenbürtig: Tempo, Härte, Präzision, Geduld, Konzentration, Selbstvertrauen und Stilsicherheit – da passt kein Löschblatt zwischen die zwei Teams.

Dann müssen es die offensiven Titanen richten

Nach dem 1:0 von Grégory Hofmann stehen die Zuger lange Zeit auf festem Grund. In der Regel gelten seine Treffer als unhaltbar. Doch in diesem Fall nicht. Jakub Kovar, bis zu diesem Zeitpunkt ohne Fehl und Tadel, hätte diesen Puck stoppen oder ablenken können (33:55 Min.). Beim zweiten Treffer zum 2:0 (36:44 Min.) ist er jedoch von ­aller Schuld freizusprechen: Der Tscheche wird von seinen Vorderleuten im Stich gelassen.

Fabrice Herzog hat sich gegen Marcus Krüger, den schwedischen Defensivstürmer der Zürcher, eigentlich einer der besten seines Faches, durchgesetzt. Wenn der Goalie beim ersten und der wichtigste Defensivstürmer beim zweiten Gegentreffer in der Verantwortung stehen, dann müssen es die offensiven Titanen richten.

Womit wir wieder bei Leonardo Genoni sind: Die Frage in diesem Spiel wird nach dem 2:0: Vermögen die offensiven ZSC-Titanen – Sven Andrighetto, ­Denis Malgin, Justin Azevedo, Denis Hollenstein oder Offensiv-Verteidiger Maxim Noreau sind ja wahrlich Titanen des Angriffsspiels – Leonardo Genoni zu überwinden und die Wende noch herbeizuführen?

Das Siegtor 2,2 Sekunden vor Ende: Justin Azevedo schaut zu, wie sein Schuss von EVZ-Goalie Leonardo Genoni nicht gehalten wird.

Das Siegtor 2,2 Sekunden vor Ende: Justin Azevedo schaut zu, wie sein Schuss von EVZ-Goalie Leonardo Genoni nicht gehalten wird.

Claudio Thoma / freshfocus

Alles beginnt und endet beim Torhüter

Die Antwort nach dem ersten Spiel lautet: Ja, sie sind dazu in der Lage. Sie versenken im Schlussdrittel den Puck dreimal im Netz von Genoni. Und sie tun es in dramatischer Art und Weise: Der Ausgleich fällt 1:29 Minuten vor Schluss und trägt den Keim der Zuger Niederlage in sich: Coach Dan Tangnes lässt nachprüfen, ob der Treffer regulär sei. Das 2:2 ist regulär, also kassiert Zug eine Zweiminuten-Strafe.

Diesen Ausschluss nützen die Zürcher 2,2 Sekunden vor Schluss zum Siegestreffer. Eben auch, weil Jakub Kovar mit einer mirakulösen Parade zuvor das Siegestor der Zuger verhindert hat. Womit wir wieder beim Anfang unserer Analyse sind: Alles beginnt und endet beim Tor­hüter.