FC Aarau

Warum keine Baubewilligung? Werden die Tickets teurer? Das müssen Sie zum Corona-Umbau im Brügglifeld wissen

In diesen Tagen wird das Brügglifeld coronafit gemacht. Sofern das Damoklesschwert nicht fällt, sprich der Kanton Aargau wegen der steigenden Fallzahlen Grossanlässe nicht verbietet, dürfen bald mehr als 1000 Personen ins Stadion: Fragen und Antworten zum künftigen Besuch der Heimspiele des FC Aarau.

Sebastian Wendel
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Auf der Stehrampe wird künftig Platz genommen: Auf Sitzschalen, die auf sechs Meter langen Holzbalken fixiert werden

Auf der Stehrampe wird künftig Platz genommen: Auf Sitzschalen, die auf sechs Meter langen Holzbalken fixiert werden

zvg/fcaarau

Am Mittwoch sind die Zahlen der neuen Corona-Infektionen regelrecht explodiert: National von 1445 auf 2823, im Kanton Aargau von 44 auf 128. Kaum vorstellbar, dass in der aktuellen Situation Fussballspiele mit mehr als 1000 Zuschauern erlaubt werden würden.

Doch genau dies steht im Stadion Brügglifeld in Aarau bevor. Basierend auf der Entscheidung des Bundesrats von Anfang September, ab 1. Oktober 2020 die 1000er-Grenze aufzuheben. In diesen Tagen wird das Brügglifeld coronafit gemacht – die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen für den künftigen Stadionbesuch:

Warum müssen im Stadion Brügglifeld zusätzliche Sitzplätze errichtet werden?

Eine der zahlreichen Auflagen für Grossanlässe mit mehr als 1000 Personen ist die Sitzplatzpflicht – ausgenommen sind Veranstaltungen im freien Gelände (z.B. Velorennen). Im Stadion Brügglifeld gibt es standard­mässig rund 1200 Sitzplätze auf der Haupttribüne (wovon jedoch nur rund 800 benutzt werden dürfen); der FC Aarau hat jedoch mehr als 2000 Saisonabo-Besitzer. Um diesen den Besuch aller Heimspiele zu ermöglichen und um auch in Corona-Zeiten den üblichen Zuschauerschnitt von rund 3400 Zuschauern erreichen zu können, hat sich der FCA für den Umbau des Brügglifelds in ein Sitzplatzstadion ent­schieden.

Warum brauchte es für den Umbau kein Baugesuch?

Zuerst war die Frage: Was akzeptiert der Kanton als Sitzplatz? Antwort: Es muss keine Stahltribüne mit Dach sein, eine Sitzschale indes schon. Mit der Idee, Holzbalken in die Beton-Stehrampen zu verschrauben und darauf Sitzschalen zu montieren, ist der FC Aarau an die Bauverwaltung der Gemeinde Suhr (auf ihrem Gebiet liegt das Brügglifeld) herangetreten. Weil es sich dabei um eine «gering­fügige Veränderung» handelt, sprich das simple Gebilde wird auf einer bewilligten Rampe
errichtet und die Zuschauer­kapazität wird sogar verringert, braucht es keine Baubewilligung. Theoretisch könnte der FCA die Sitzplätze über die Corona-Zeit hinaus stehen lassen.

Was kostet der Umbau?

Die Kosten für die 2600 neuen Sitzplätze belaufen sich gemäss FCA-Präsident Philipp Bonorand auf rund 150000 Franken.

Die Behörden schreiben vor, dass nur zwei Drittel der vorhandenen Sitzplätze belegt werden dürfen. Muss der FCA Sitzplätze bauen, die er nicht verkaufen darf?

Nein, nach Absprache mit Kantonsärztin Yvonne Hummel dürfen alle neuen Sitzplätze belegt
werden, da theoretisch Platz für viel mehr Sitzplätze vorhanden wäre. In der Praxis sieht es so aus: Auf einen sechs Meter langen Holzbalken werden zwölf Sitze montiert, der seitliche Abstand zwischen zwei Sitzgruppen beträgt 120 cm. Nach oben wird eine Stufe freige­lassen bis zur nächsten Sitzreihe (siehe Bild oben).

Ab wann können wieder mehr als 1000 Personen an die FCA-Heimspiele?

Im Verlauf dieser Woche werden die ersten 1600 von insgesamt 2600 neuen Sitzplätzen er­richtet. Zusammen mit den 800 benutzbaren Plätzen auf der Haupttribüne dürfen am Samstag 24. Oktober 2400 Zu­schauer ins Brügglifeld. Ende Monat liefert der Hersteller die restlichen 1000 Sitzschalen: Bestenfalls am 3. November gegen Kriens, sicher jedoch am 6. November gegen GC sind 3400 Zuschauer zugelassen.

Die Holzbalken werden vorbereitet für die Verschraubung auf der Stehrampe

Die Holzbalken werden vorbereitet für die Verschraubung auf der Stehrampe

zvg/fc aarau

Herrscht freie Sitzplatzwahl für Inhaber von Saisonabos?

Nein. Ein zentraler Aspekt des Schutzkonzeptes fordert, dass der FCA als Veranstalter von jedem Matchbesucher weiss, wo dieser sitzt. Aboinhaber können sich in Kürze via Klubhomepage für die ganze Saison einen Sitzplatz reservieren. Saisonabos können weiterhin verliehen werden, der «Ausleiher» muss sich im Voraus registrieren und seine Personaldaten hinterlegen. Das ausgefülltes Formular oder eine Bestätigungs-SMS muss er ans Spiel mitbringen.

Wie gelangen Zuschauer ohne Abo an Einzelbillette?

Wie in normalen Zeiten online via «Ticketcorner». Spontankäufe kurz vor Anpfiff an der
Tageskasse sind möglich. Bei beiden Varianten müssen Personalangaben zur Rückverfolgung gemacht werden.

Steh- statt Sitzplätze: Werden die Tickets nun teurer?

Denkbar ist, dass auf Einzeltickets ein «Corona-Aufschlag» verlangt wird. Saisonkartenbesitzern verspricht der FCA: Sie haben preislich nichts zu befürchten.

Ist die Bewilligung des Kantons für Spiele mit mehr als 1000 Zuschauern dauerhaft oder muss sie vor jedem Spiel neu erteilt werden?

Die Bewilligung gilt grundsätzlich solange, wie die Corona-Pandemie Schutzmassnahmen erfordert. Aber: Über allem hängt ein Damoklesschwert. Je nach Verlauf der Pandemie kann der Kanton Anlässe mit mehr als 1000 Personen generell wieder verbieten. Und: Der Kanton kann auch nur dem FC Aarau die Bewilligung für Grossveranstaltungen jederzeit entziehen. Dies könnte eintreten, wenn trotz aller Bemühungen des FCA die Matchbesucher die Schutzmassnahmen nicht ordnungsgemäss umsetzen.

Maskenpflicht, Alkoholverbot, etc.: Wird der Kanton die Einhaltung des Schutzkonzeptes im Brügglifeld aktiv kontrollieren oder nur auf Beanstandungen reagieren?

Antwort des Kantons: «Der Kanton Aargau verfügt bezüglich der Schutzkonzepte über verschiedene kontrollierende Stellen. Kantonspolizei, Arbeitsinspektorat und Amt für Verbraucherschutz führen [...] Kontrollen durch.»

Ein zentraler Punkt des Schutzkonzeptes besagt, dass nur gesunde Personen ins Brügglifeld dürfen. Wie wird dies kontrolliert?

Jede Person wird beim Betreten des Stadions gefragt, ob sie sich gesund fühle und ob sie in den vergangenen Tagen Covid-19-
Symptome gespürt habe. Wer bei der Verneinung nicht überzeugt, muss sich an einem «Medical Checkpoint» die Körpertemperatur messen lassen und weitere Fragen beantworten. Personen, die zum Beispiel offensichtliche Symptome einer Erkältung aufweisen, erhalten keinen Zutritt ins Stadion.

Der Kanton verbietet Alkohol an Anlässen mit mehr als 1000 Personen. Wie wird verhindert, dass Betrunkene ins Stadion gelangen?

Schon vor Corona durften «offensichtlich alkoholisierte Personen» nicht ins Stadion. «Unser Sicherheitspersonal hat Erfahrung und das nötige Fingerspitzengefühl», sagt FCA-Geschäftsführer Roland Baumgartner. Wer vor dem Match ausserhalb des Stadions ein Bier trinkt, muss also nichts befürchten. Für jene, die es mögen: Im Brügglifeld wird künftig alkoholfreies Bier verkauft.

Ist das Alkoholverbot unumstösslich?

Antwort des Kantons: «Der Verzicht auf den Ausschank von Alkohol ist aktuell ein zwingendes Kriterium bei der Bewilligung von Grossveranstaltungen im Kanton Aargau. Wenn sich die Durchführung von Grossveranstaltungen unter Einhaltung der Schutzkonzepte bewährt, keine im Zusammenhang stehenden Ausbrüche auftreten und die epidemiologische Lage es zulässt, ist eine Lockerung möglich.»

FCA-Präsident Bonorand äusserte gegenüber «TeleM1» Bedenken, dass sich aufgrund des Alkoholverbots und der auch aus Gesundheitsaspekten strengeren Eintrittskontrollen kurz vor Anpfiff grössere Menschenansammlungen vor den Eingängen bilden könnten. Wie wird diesem Problem entgegengetreten?

Schon immer war es verhältnismässig eine kleine Anzahl Matchbesucher, die wegen des gemeinsamen Bieres mit Kollegen frühzeitig ins Stadion kamen. Beim FCA geht man aktuell davon aus, dass sich an der zeitlichen Verteilung des Eintrittes wenig ändern wird. Hier wird wohl auch die bevorstehende, kalte Winterzeit mithelfen. Um den Personenfluss ins Stadion zu beschleunigen, wird der FCA alle verfügbaren Eingänge 90 Minuten vor Anpfiff öffnen – das sind doppelt so viele und 30 Minuten früher offene Eingänge wie zu Normalzeiten in der Challenge League.