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Wo sind die Nachfolger der Hauris und Gabathulers?

An der Spitze der Schweizer Springreiterszene geben Steve Guerdat, Janika Sprunger und Pius Schwizer den Ton. Aargauer sucht man im Elitekader vergebens, dafür wirbeln sie an anderen Fronten.

Andreas Fretz
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Erfolgreiche Vergangenheit: Die Aargauerin Heidi Robbiani springt am 12. August 1984 an den Olympischen Spielen in Los Angeles mit ihrem Pferd Jessica zur Bronzemedaille und erhält vom englischen Prinzen Philipp Blumen überreicht.

Erfolgreiche Vergangenheit: Die Aargauerin Heidi Robbiani springt am 12. August 1984 an den Olympischen Spielen in Los Angeles mit ihrem Pferd Jessica zur Bronzemedaille und erhält vom englischen Prinzen Philipp Blumen überreicht.

KEYSTONE

27 Reiterinnen und Reiter zählt das Schweizer Elite-Kader. Obwohl es vor kurzem aufgestockt wurde, figuriert darin kein einziger Aargauer. Der Rüeblikanton, ein weisser Fleck auf der Landkarte der Springreiter? Das war auch schon anders. Der Hauri-Clan aus Seon ist noch heute ein klingender Name in der Szene. Max Hauri, inzwischen 72-jährig, vertrat die Schweiz zweimal an Olympischen Spielen. 1984 in Los Angeles gewann seine Schwester Heidi Hauri, damals noch Robbiani, sogar Olympia-Bronze. Ein weiterer Aargauer Erfolgsgarant war während vieler Jahre Walter Gabathuler. Der 59-Jährige aus Wallbach wurde fünfmal in Folge Schweizer Meister und stand rund zwei Jahrzehnte im Nationalkader.

«Nur eine Momentaufnahme»

Dass momentan keine Aargauer im Elite-Kader sind, hält Urs Grünig für «einen Zufall, eine Momentaufnahme». Der Equipenchef der Schweizer Springreiter ist überzeugt: «In allen Regionen der Schweiz wird gute Arbeit verrichtet, auch im Aargau.» Für Erfolg brauche es Talent, Durchhaltewille und mehrere gute Pferde. «Rösser sind halt teuer», sagt Grünig, «entweder man kommt aus einer betuchten Familie oder findet spendable Sponsoren.»

Gut handeln fast interessanter

Die guten Pferde scheinen sich momentan auf die Nachbarskantone zu verteilen. Olympiasieger Steve Guerdat ist im zürcherischen Herrliberg beheimatet. Im Baselbiet sorgt Janika Sprunger für Erfolgsmeldungen, in Solothurn Pius Schwizer und in Luzern Paul Estermann. Rund um den Aargau werden die höchsten Hürden mit Erfolg gemeistert. Doch der Aargau schaut nicht tatenlos zu. Statt im sportlichen Rampenlicht zu stehen, werden im Hintergrund die Fäden gezogen. Die Familie Hauri hat sich längst als Turnier- und Handelsstall einen Namen gemacht. Die beiden Söhne Markus und Thomas führen inzwischen das Geschäft von ihrem Vater und bilden auch Pferde aus. Heidi Hauri arbeitet erfolgreich als Trainerin. Spitzenpferde wie etwa Picsou du Chêne oder L.B. Callas Sitte Z wurden verkauft. Ersteres wird nun von Pius Schwizer, Letzteres von Christina Liebherr geritten. «Gut handeln ist fast interessanter, als selbst vorne mitzuspringen», sagt Markus Hauri. Er und sein Bruder standen früher selbst im Springreiter-Kader. Markus war 1997 Schweizer Meister bei der Elite, Thomas ein Jahr später Europameister in der Nationenwertung der Jungen Reiter. Heute tragen sie die Verantwortung für den Hof, der Reitsport ist mehr ein Hobby.

Ein Sport ohne Altersgrenze

Eine Rückkehr in den Spitzensport will der bald 38-jährige Markus Hauri allerdings nicht kategorisch ausschliessen. «Im Gegensatz zu fast allen anderen Sportarten gibt es im Reiten kaum eine Altersgrenze», sagt er. Doch im Moment gilt die volle Konzentration dem familieneigenen Betrieb.

Ähnlich wie bei den Hauris verhält es sich bei Walter Gabathuler. Seit 30 Jahren ist er Inhaber des «GHorses» Ausbildungs-, Reit- und Pensionsbetriebes in Wallbach. Noch immer bestreitet er Turniere, selten allerdings auf der ganz grossen Bühne. In seinem Beritt sind vor allem junge Pferde. Mit einem guten Ross stünde er schnell wieder im Kader, ist er überzeugt. Doch auf EM-, WM- oder Olympia-Teilnahmen kann er gut verzichten. «Das brauche ich nicht mehr», sagt er.

Müller und Eggenberger die Hoffnungsträger

Und ganz ohne Aussicht auf Erfolg braucht man im Aargau nicht zu sein. Zwar ist man im Elite-Kader nicht vertreten, doch in den Nachwuchs-Kadern finden sich einige Namen. «Chantal Müller aus Veltheim oder Fabienne Eggenberger aus Rohr werden ihren Weg machen», ist Equipenchef Urs Grünig überzeugt. Den Übertritt ins Elite-Kader traut er ihnen allemal zu. 30 Jahre nach Heidi Robbianis Bronzemedaille wäre die Zeit reif für den nächsten grossen Sprung.