16. Aargauer Derby

Wohlen-Trainer Gabriele: «Ich frage meine Frau, ob ich mir ein Tattoo vom Derbysieg stechen lassen soll»

Zum ersten Mal seit 7 Jahren gewinnt der FC Wohlen das Derby gegen den FC Aarau. Wohlen-Trainer Francesco Gabriele hält sich trotz des überragenden 3:0-Sieges im Hintergrund und überlässt den Spielern die Bühne. Die sind überglücklich: «Jetzt wird gefeiert», sagt Wohlen-Captain Alain Schultz.

Ruedi Kuhn
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Wohlens Trainer Francesco Gabriele (rechts) herzt seinen zweifachen Torschützen Janko Pacar. Beide bleiben nach dem Derbysieg aber auf dem Boden.

Wohlens Trainer Francesco Gabriele (rechts) herzt seinen zweifachen Torschützen Janko Pacar. Beide bleiben nach dem Derbysieg aber auf dem Boden.

Marc Schumacher/freshfocus

Francesco Gabriele vergewissert sich, ob die Gäste-Garderobe nach der rauschenden Siegesfeier sauber ist. Dann geht der Blick vom Trainer des FC Wohlen ein letztes Mal rund ums Stadion Brügglifeld. Schliesslich läuft er in Richtung Ausgang, lächelt schelmisch und sagt: «Jetzt gehe ich nach Hause. Ich frage meine Frau bei Kerzenlicht, ob ich mir ein Tattoo mit dem Datum des ersten Wohler Derbysieges machen lassen soll.»

Die besten Bilder des Wohler Sieges:

FC Aarau - FC Wohlen, 22.04.2017
11 Bilder
Janko Pacar (Nr. 20, Wohlen) traf zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung.
Der FC Wohlen nutzte die Fehler des FCA gnadenlos aus.
Der Torschütze Pacar jubelt.
Die Freiämter jubeln über den 2:0-Führungstreffer durch Janko Pacar (dritter v. l.).
Wohlen-Trainer Francesco Gabriele konnte mit seiner Mannschaft zufrieden sein.
Wohlen-Goalie Kiassumbua krönte seine Leistung mit einer weissen Weste.
Der FC Wohlen gewinnt das Aargauer Derby zum ersten Mal.
Die Fans des FCA verliessen frühzeitig das Stadion.
Das letzte Aargauer Derby im Brügglifeld fand am 04. Dezember 2016 statt.
Damals konnte sich der FC Aarau knapp mit 1:0 durchsetzen.

FC Aarau - FC Wohlen, 22.04.2017

Marc Schumacher/freshfocus

Ein guter Spruch! Nicht mehr, nicht weniger: Wer Gabriele kennt, der weiss, dass er diesen Spruch nicht ernst gemeint hat. Kein Tattoo also mit dem Datum vom 22. April 2017: Schade eigentlich! Der erste Sieg des FC Wohlen im 16. Meisterschaftsspiel gegen Aarau wäre eine bleibende Erinnerung wert.

Sieben Jahre und 16 Spiele hat es gedauert, bis der FC Wohlen den Erzrivalen in die Knie zwingen konnte. Und wie reagiert der Trainer, der Vereinsgeschichte geschrieben hat? Er bleibt cool. «Es geht nicht um mich, sondern um den FC Wohlen, der sich einen Herzenswunsch erfüllen konnte und im Abstiegskampf drei wertvolle Punkte geholt hat», sagt Gabriele. «Ich bin stolz auf die Mannschaft. Heute gehört die grosse Bühne den Spielern. Sie sind es, die eine tolle Leistung gezeigt haben.»

So analysieren unsere Sportredaktoren Sebastian Wendel und Ruedi Kuhn das Spiel:

Bescheidenheit ist also angesagt. Nicht nur beim Trainer, auch beim zweifachen Torschützen Janko Pacar. Der 26-jährige Mittelstürmer wurde mit seinen Saisontreffern elf und zwölf zum Matchwinner. «Ich freue mich für den FC Wohlen, der in einer schwierigen Situation ist», sagt Pacar. «Der erste Sieg gegen Aarau ist eine schöne Geschichte. Er ist eine Moralspritze für die restlichen sieben Spiele. Wir brauchen Punkte. Noch sind wir nicht gerettet.»

Gabriele und Pacar als stille Geniesser! Ein Spieler des FC Wohlen war einfach nur glücklich. «Nun habe ich den ersten Derbysieg mit Wohlen doch noch erleben dürfen», sagte Alain Schultz. «Ich spürte den Siegeswillen unserer Mannschaft während der ganzen Woche. Jetzt aber wird gefeiert.» Und genauso wie Captain Schultz machten viele Fans des FC Wohlen nach getaner Arbeit die Nacht von Samstag auf Sonntag zum Tag.

Hier durften sie noch herzhaft miteinander umgehen. Auf dem Platz dann nicht mehr. FC-Aarau-Captain Sandro Burki (l.) und FC-Wohlen-Captain Alain Schultz treffen sich zum Mittagessen. (Bild September 2016)

Hier durften sie noch herzhaft miteinander umgehen. Auf dem Platz dann nicht mehr. FC-Aarau-Captain Sandro Burki (l.) und FC-Wohlen-Captain Alain Schultz treffen sich zum Mittagessen. (Bild September 2016)

Mario Heller

Doppelte Siegprämie für Kiassumbua

Gefeiert hat auch Joël Kiassumbua. Der Torhüter des FC Wohlen verdiente sich dank spektakulären Paraden die Höchstnote 6. Logisch also, dass der 25-Jährige seine Freude nach dem Schlusspfiff in den Nachthimmel hinaus schrie. «Doppelte Siegesprämie», brachte Kiassumbua die Sache kurz und bündig auf den Punkt. Und gefreut hat sich natürlich auch Lucien Tschachtli. Der Präsident des FC Wohlen liess vor dem Spiel mit dem Zitat «Jetzt hauen wir Aarau weg» aufhorchen. Im Nachhinein kann man sagen: Gut gebrüllt, Löwe!

Das sagen die Spieler des FC Aarau nach der Niederlage: