Ruedas Nachfolger

Wohlens neuer Trainer Francesco Gabriele: «Ich verstehe die Zweifel an meiner Person»

Der FC Wohlen hat den Nachfolger für Martin Rueda gefunden: Es ist der 39-jährige Italiener Francesco Gabriele. Francesco Gabriele war 2015 beim FC Wil tätig, zuvor in Lausanne, Thun, Bellinzona und beim FC Baden. 2009 begann er seine Trainerkarriere beim Team Aargau U18.

Calvin Stettler
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Francesco Gabriele war zuletzt beim FC Wil unter Vertrag.

Francesco Gabriele war zuletzt beim FC Wil unter Vertrag.

Keystone

Es ist kurz nach halb zehn, als die Mannschaft des FC Wohlen die Stadion-Lounge verlässt. Die Letzten, die noch im Raum stehen, sind FCW-Ehrenpräsident René Meier und der Neue. Es ist der Mittwochmorgen, an dem Meier dem Team den Nachfolger von Martin Rueda präsentiert.

Francesco Gabriele heisst er, 39-jährig, braun gebrannt, gebürtiger Italiener, ausgestattet mit einem Vertrag bis Ende Jahr. Einer, der an diesem Morgen vor allem eines ausstrahlt: Gelassenheit. Gelassenheit, die dem FC Wohlen nach den jüngsten vier Niederlagen in der Meisterschaft guttun wird.

«Es ist schön, hier zu sein», sagt Gabriele. Der 39-Jährige wählt diese Worte nicht, weil das im Business zu den Gepflogenheiten gehört. Er meint es ernst. Denn Gabriele kennt den FC Wohlen. Gut sogar. 2006 wagt der Italiener den Einstieg in den Profifussball, gehört zu den Initianten des erfolgreichen Aargauer Nachwuchsprojekts «Team Aargau». Dabei steht er im stetigen Kontakt mit den Fussballklubs aus Aarau, Wohlen und Baden, sucht deren Talente und fördert sie. Diese Fähigkeit, junge Rohdiamanten schleifen zu können, macht Gabriele interessant.

Vor seiner Zusage am späten Dienstagabend war der Italiener schon zweimal im Freiamt im Gespräch. Beide Male scheiterte eine Zusammenarbeit an Kleinigkeiten, diesmal aber passt es. Dass er nicht erste Wahl war, stört Gabriele nicht. «Es ist doch legitim, dass der Verein mehrere Kandidaten prüft.» Es mache ihn aber in erster Linie stolz, sich gegen die Konkurrenten um die Rueda-Nachfolge durchgesetzt zu haben. Ein Jahr war Gabriele nun ohne eine Stelle als Cheftrainer. Im Sommer 2015 wurde er nach 20 Spielen beim FC Wil entlassen. Gabriele war eine Übergangslösung, bis die türkischen Investoren ihren Wunschtrainer in der Ostschweiz installieren konnten.

Die zwölf Monate zwischen Wil und Wohlen nutzte Gabriele für diverse Stages, zudem arbeitete er für den Schweizerischen Fussballverband. Der FC Wohlen sieht die Zusammenarbeit zwischen ihm und Gabriele als beidseitige Chance. Ein junger Trainer für ein junges Team. Drei Engagements hatte Gabriele bisher in der Challenge League. Neben dem in Wil auch solche in Bellinzona und Lausanne.

Lange blieb er nie. Dass Leute deshalb Zweifel an seiner Person anbringen, versteht er, will diese aber so schnell wie möglich aus der Welt schaffen. Seine kurzen Engagements haben ihre Gründe. «Der Zeitpunkt seiner Ankunft war stets ein falscher», erklärt Gabriele. In Bellinzona fehlte Geld, in Lausanne regierten die Unruhen und in Wil übernahmen die Türken.

Jetzt, so Gabriele, sei der Zeitpunkt aber passend. Die Klubführung unaufgeregt und die Mannschaft intakt. Der erste grosse Test für den Neo-Freiämter ist in drei Tagen, wenn der FC Wohlen in Genf bei Servette gastiert. Drei Punkte müssen her, das weiss auch Gabriele. Viel verändern wird er zu Beginn nicht. Lediglich Korrekturen anbringen, wie er sagt. «Die Mannschaft hat in diesen ersten Spielen bereits vieles gut gemacht, darauf gilt es aufzubauen.» Unterstützung erhielt Gabriele am Mittwoch vom scheidenden Assistenztrainer Daniel Bamert, der Rueda nach Wil folgen wird. Im Moment wird der Markt nach einem passenden Gabriele-Assistenten sondiert, bis Mitte nächste Woche soll dieser präsentiert werden.