Handball
Zofingens Frauen steigen freiwillig in die 1. Liga ab

«Der Entscheid ist uns extrem schwergefallen», erklärt Chris Blattmann, Präsident des TV Zofingen Frauen, «wir haben alle Varianten durchgedacht.»

Michael Wyss
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Die Enttäuschung über den notwendig gewordenen freiwilligen Abstieg ist bei den TVZ-Frauen gross.

Die Enttäuschung über den notwendig gewordenen freiwilligen Abstieg ist bei den TVZ-Frauen gross.

foto-net / Alexander Wagner

«Wir hatten von sehr kreativen bis pragmatische Ideen. Über Monate haben wir versucht, etwas Langfristiges auf die Beine zu stellen, haben es aber nicht geschafft, die Basis zu erstellen, weiter mit gutem Gewissen in der obersten Liga Spitzensport zu betreiben», sagt Blattmann.

Obwohl sich die Zofinger Handballerinnen in den letzten Wochen in der Spar Premium League immer besser positionieren konnten und der sportliche Ligaerhalt mittlerweile durchaus realistisch wäre, kommt es also zum Betätigen der Notbremse. Bereits im letzten Frühling war man sich beim TVZ bewusst, dass es bezüglich Kaderbreite nicht einfach werden würde, die drohenden Abgänge auf die nächste Spielzeit haben jetzt aber das Fass zum Überlaufen gebracht.

«Eigentlich sind wir momentan besser unterwegs, als wir befürchten müssen», sagt Sportchef Christoph Wyder, «obwohl wir zwei, drei Punkte mehr auf dem Konto haben könnten, sind wir sogar nahe am fünften Tabellenplatz. Wir müssen aber einsehen, dass wir es in den letzten Jahren nicht geschafft haben, wirklich nachhaltig zu arbeiten. Es ist kein finanzielles Problem, aber es fehlen die Perspektiven.»

«Wir haben ein Dach aber kein Haus drunter»

Der TVZ könnte vielleicht noch ein, zwei Jahre dranhängen, «aber es wäre ein elender Kampf, denn ohne Mannschaft auf der höchsten Juniorinnenstufe fehlt der Unterbau. Wir haben ein Dach, aber kein Haus drunter. Jene, welche das Dach halten, können nicht gleichzeitig noch ein Haus bauen. Ausserdem haben wir es nicht geschafft, auswärtige Akteurinnen nach Zofingen zu holen.»

Warum dem so ist, ist nicht einfach zu beantworten.

Auch Chris Blattmann kann nur Vermutungen anstellen: «Vielleicht liegt es daran, dass es unser Budget nicht zulässt, Spesenentschädigungen zu zahlen. Weil wir in der Tabelle nicht ganz vorne stehen, sind wir für gewisse Spielerinnen auch sportlich nicht der attraktivste Verein.»

Ex-Zofingerinnen wollen nicht zurück

Ein grosses Thema beim Rettungsversuch war auch die Kontaktierung der ehemaligen Zofingerinnen, die in der ganzen Handballschweiz, sogar bei absoluten Spitzenteams, engagiert sind. Doch auch von dieser Seite gab es nur Absagen. Wer weiss, vielleicht hätte es eine Sogwirkung gegeben, hätten sich ein, zwei Ex-Zofingerinnen zur Rückkehr entschieden. Doch der Erfolg der Verantwortlichen am Telefon blieb aus.

So sahen die Entscheidungsträger beim TVZ nur eine Lösung und die heisst für die Spielzeit 2015/16 – sofern der Verband das eingereichte Gesuch bewilligt – 1. Liga. «Wir hoffen und sind zuversichtlich, dass sich möglichst viele vom jetzigen Kader dazu entschliessen, in der 1. Liga weiterzumachen», erklärt Wyder, «einige haben bereits signalisiert, dass sie nicht unbedingt in der SPL spielen müssen. Das Ganze wird aber nicht zuletzt mit dem zukünftigen Trainer zusammenhängen. Klar ist erst, dass sich Samir Sarac nach unserem frühzeitigen Entscheid nun nach einem neuen Arbeitgeber umsehen kann.»

Die Enttäuschung, dass man sich zum Rückzug aus der SPL entschliessen musste, ist beim TVZ zweifellos gross – nicht zuletzt, wenn man an die längerfristigen Konsequenzen denkt. «In den kommenden Spielzeiten werden wir sicher nicht aufsteigen dürfen», sagt Christoph Wyder, «aber das ist momentan auch überhaupt kein Thema, denn bereits die SPL2 wäre wieder mit enorm grossen Aufwand verbunden. Wir sehen es eher als Chance, die Breite – zum Beispiel mit einem eigenen Juniorinnenteam – stärken zu können.» Vielleicht werde man irgendwann wieder den Angriff Richtung Leistungshandball wagen, «aber sicher nicht in den nächsten zwei, drei Jahren.»

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