Abascal soll vor der FCL-Zusage stehen

Wird doch nicht René van Eck oder Bruno Berner neuer FCL-Trainer? Der Spanier Guillermo Abascal will zurück in die Super League.

Daniel Wyrsch
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Der Spanier Guillermo Abascal am 30. September 2018 als Trainer des FC Lugano im Stadion Cornaredo.

Der Spanier Guillermo Abascal am 30. September 2018 als Trainer des FC Lugano im Stadion Cornaredo.

Bild: Gabriele Putzu/Keystone

Wie das italienische Staatsfernsehen RAI gestern auf seinem Teletext geschrieben hat, würde der FC Luzern die Führung seiner ersten Mannschaft Guillermo Abascal anvertrauen. Der derzeitige Nachwuchsleiter des Serie-B-Vereins Ascoli habe ein Angebot für die Nachfolge des am Montag freigestellten Trainers Thomas Häberli. Die kurze Meldung über den Schweizer Super-League-Verein Lucerna und Abascal endet mit der konkreten Aussage: «Jetzt muss der spanische Trainer entscheiden, ob er akzeptiert oder nicht.»

In der Innerschweiz reibt man sich die Augen. Ein 30-jähriger Ex-Lugano-Coach als neuer Übungsleiter in der Swiss­por-Arena? Denn am Mittwoch war der frühere Luzerner Captain und Aufstiegstrainer René van Eck vor aller Öffentlichkeit mit FCL-Sportchef Remo Meyer in dessen Auto auf dem Beifahrersitz von Tele 1 gefilmt worden. Es gibt keinen Zweifel, dass der 53-jährige van Eck seine Ideen Meyer und anderen Offiziellen vorgestellt hat. Tags darauf, am Donnerstag, war der Krienser Erfolgstrainer Bruno Berner an der Reihe. Der 42-jährige Coach hatte die Freigabe des SCK für Gespräche mit dem grossen Nachbarn aus Luzern.

Abascal hat Deutsch und Französisch gepaukt

Nachdem Guillermo Abascal am 1. Oktober 2018 beim FC Lugano trotz beachtlicher Resultate freigestellt worden war, stellte er umgehend klar, dass er nochmals in der Super League aktiv werden möchte: «Ich glaube, ich kann dem Schweizer Fussball schon noch etwas geben.»

Journalisten, die Abascal während seiner Zeit in Lugano begleitet hatten, wollen nun von einem inoffiziellen ersten Angebot des FC Luzern kurz nach der Entlassung bei den Tessinern wissen. Via einem Berater soll Abascal von den Innerschweizern angefragt worden sein.

Abascal hatte gegenüber Journalisten nicht nur ausdrücklich betont, dass er in der Schweiz bleiben möchte. Er besorgte sich in Lugano eine neue Wohnung, nachdem er jene des Klubs geräumt hatte. Von dieser Basis aus machte er Beobachtungstouren durch Schweizer Stadien. Die NZZ zitierte ihn vor etwas mehr als einem Jahr: «Ich will auf ein Angebot aus der Super League oder Challenge League warten.» Deshalb büffelte er in seiner Heimatstadt Sevilla Konversation in Deutsch und Französisch. Notabene mit zwei muttersprachlichen Lehrerinnen. Schwerpunktmässig ist es beim Privatunterricht mit Freunden, die ihn an seinen Trainerstationen in Chiasso und Lugano als Assistenztrainer begleitet hatten, um Fussballjargon gegangen.

Zwar spricht Guillermo Abascal neben Spanisch und Italienisch auch Portugiesisch und Englisch. Aber er hat für sich eine klare Regel aufgestellt: «Ich nehme keinen Job ohne Sprachkenntnisse der Region an.» Seit Sommer ist er Leiter der Nachwuchsabteilung von Ascoli. Ob er dort weiter Deutsch gepaukt hat, ist nicht bekannt.

Von Abascals Bekannten wird die Frage nach der ungleich grössere Jobsicherheit im Juniorenbereich in Ascoli (Vertrag bis 2022) im Vergleich zum FCL kategorisch beantwortet: «Er will immer Cheftrainer sein.»

Ein junger, mutiger Mann muss dieser Guillermo Abascal sein. So ist auch dessen Fussball-Philosophie. Er gilt in der Szene als detailbesessener Fachmann, lässt couragiert und dynamisch spielen. Teamgeist, Leidenschaft, Feuer und Arbeitseifer sollen ihn auszeichnen.

Geprägt von Barcelonas La Masia und Sevillas Emery

Mit seinen 30 Jahren ist Abascal zwei Jahre jünger als der bekannteste und erfolgreichste Jungtrainer in Europas Fussball: Julian Nagelsmann (32) von RB Leipzig. Wie dieser war Abascal früh verletzt und hat keine nennenswerte Spielerkarriere gemacht. Abascal steht aufgrund seiner Herkunft für den spanischen Stil. Er wurde einst in Barcelonas Kaderschmiede La Masia ausgebildet, später arbeitete er lange im Staff von Unai Emery beim FC Sevilla. «Fünf Jahre, sieben Tage die Woche, zwölf Stunden am Tag», sagte Abascal zur NZZ. Der Sevillano ist beharrlich, lebt für den Fussball.

Unter Abascal gilt: Ein guter Fussballer ist, wer jederzeit Lösungen findet. Deshalb stellt er seine Schützlinge in jedem Training vor schwierige Aufgaben. Das führe zur besseren Lösungsfindung während der Partien, stellte er fest. Der damalige Chiasso-Spieler Antoine Rey war begeistert von Abascal: «Ich ging jeden Tag mit Freude ins Training, um seine Ideen mitzubekommen.» Die Vorgabe im Spiel lautete: Möglichst schnell und mit Kurzpässen vors gegnerische Tor kommen. Der FCL verlor unter Markus Babbel ein Testspiel gegen Abascals bewegliches Chiasso mit 0:3.

Wenn RAI recht hat, dann fehlt Abascal für den Luzern-Job nur noch seine eigene Zusage.

Der FC Luzern wollte sich zu Guillermo Abascal und der Trainersuche generell nicht äussern.