Corona-Pause

Abbruch oder Aufschub? Was die Massnahmen von Bundesrat und Uefa für den FC Basel bedeuten

So könnte es für den FC Basel nach der Absage der Rückspiels gegen Frankfurt und den verschärften Massnahmen des Bundesrats weitergehen. Viel Spekulation, aber auch ein wenig Hoffnung.

Jakob Weber, Céline Feller
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Die Europa League kann einpacken. Wegen des Corona-Virus sind vorerst alle Partien abgesagt. Ob und wie es weitergeht, soll am Dienstag entschieden werden.

Die Europa League kann einpacken. Wegen des Corona-Virus sind vorerst alle Partien abgesagt. Ob und wie es weitergeht, soll am Dienstag entschieden werden.

Freshfocus

Natürlich, sagt Marcel Koller, möchte er weiter spielen. Natürlich, vor allem weil der FC Basel am Donnerstag Abend im Hinspiel des Europa-League-Achtelfinals auswärts 3:0 gegen Eintracht Frankfurt gewonnen hat. Da ist der Gedanke an einen Abbruch dieser Kampagne einer, den keiner bei Rotblau hegen will. Zu schön läuft es doch gerade für den FCB. Und in Zeiten, in denen man täglich, ja gar stündlich mit Änderungen der aktuellen Lage rechnen muss, kann man ja insgeheim auch auf alles hoffen. Auch wenn der FCB-Trainer richtigerweise sagt, dass man ohnehin nicht mehr als zwei oder drei Tage vorausplanen könne.

Die Hoffnung bei Koller und Co hat sich am Freitagmorgen zerschlagen. Die Uefa stellte klar, dass sowohl die Champions League als auch die Europa League aufgrund der immer gravierender werdenden Situation rund um das Corona-Virus auf Eis gelegt wird. Damit hat Koller zwar überraschend langfristige Planungssicherheit. Doch damit kann der FCB nach diesem grandiosen Sieg gegen die Eintracht den absolut machbaren Viertelfinal-Einzug nächste Woche nicht realisieren.

Die Bilder vom Spiel:

Marcel Koller und Taulant Xhaka freuen sich über die Überraschung.
18 Bilder
Die Basler klatschen sich nach dem Spiel ab.
Der FCB kommt aus dem Jubeln nicht heraus.
Filip Kostic tritt einen Eckball im leeren Stadion.
Fabian Frei sorgt mit dem dritten Tor für die Entscheidung.
Der Torschütze bedankt sich bei Vorlagengeber Kevin Bua.
Kevin Bua freut sich über seinen Treffer.
Der Flügelspieler lupft den Ball über Torhüter Kevin Trapp.
Cabral setzt sich gekonnt in Szene.
Mit breiter Brust präsentiert sich der FCB nach dem 1:0.
Samuele Campo jubelt nach seinem Traumtor.
Der Torschütze wird von Fabian Frei gefeiert.
Eintracht - FCB
Samuele Campo zaubert den Ball ins Tor.
Valentin Stocker hat den Ball im Blick.
Silvan Widmer setzt sich im Luftkampf durch.
Der FC Basel steht vor einem schwierigen Aufgabe.
Die Spieler positionieren sich vor leeren Rängen.

Marcel Koller und Taulant Xhaka freuen sich über die Überraschung.

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Die Ernüchterung dürfte gross, das Verständnis aber noch viel grösser sein. Captain Valentin Stocker sagte im Anschluss des Spiels: «Wir sind gut beraten, wenn wir ein bisschen Gelassenheit an den Tag legen. Es gibt andere Berufe, die deutlich mehr betroffen sind als wir Fussballer.» Auch Fabian Frei schaut dem Uefa-Entscheid gelassen entgegen: «Wir können es ja eh nicht beeinflussen.» Gewissheit gibt es am Dienstag. Dann wird die Uefa bei ihrer einberufenen Krisensitzung entscheiden, wie es mit den grossen Turnieren – Europa League, Champions League und der paneuropäischen Europameisterschaft – weitergehen soll. Der europäische Dachverband hat für den 17. März Vertreter der 55 Mitgliederverbände zu einer ausserordentlichen Sitzung eingeladen. Gut möglich, dass diese nach den neusten Entwicklungen auch telefonisch durchgeführt wird. «Wir wissen auch nur, dass sich dort alle Länder besprechen werden. Sonst haben wir nichts gehört, was dort beschlossen werden könnte», sagte Marcel Koller am Donnerstagabend.

Alle Beteiligten hoffen, dass die Uefa am Dienstag eine definitive Entscheidung fällt, damit dann Lösungen im Detail erarbeitet werden können. Die Grundsatzfrage lautet: Abbruch oder Aufschub? Klar ist: Aufgeschoben kann nur werden, wenn die EM um ein Jahr verschoben würde. Dann soll zwar eigentlich die erste grosse Fifa-Klub-WM mit 24 Teams stattfinden, doch auf diesen Wettbewerb kann aus einer traditionellen Sichtweise am ehesten verzichtet werden.

Für den FCB wäre dieses Szenario – wie für alle anderen Klubs, die in ihrer Liga nicht gerade auf einem Abstiegsplatz liegen – das Wunschszenario. Es gäbe keine finanziellen Einbussen durch allfällige weitere Geisterspiele. Der FCB könnte in den verbleibenden 13 Ligaspielen weiter um den Meistertitel kompetitieren. Und vor allem: Der FCB könnte das Achtelfinal-Duell gegen Frankfurt zu Ende bringen. Allenfalls gar vor Zuschauern, im eigenen Stadion. Es wäre einer der wenigen positiven Nebeneffekte, dass das Rückspiel dann doch zu Hause und nicht im Frankfurter Exil stattfinden müsste. Darauf darf der FCB immerhin hoffen.

Mögliches Finalturnier, mögliche Saison-Annullierung

Die Uefa diskutiert in diesen Tagen, den Modus der Europa und die Champions League zu verkürzen. Nur ein Viertelfinal- und Halbfinalspiel auf neutralem Terrain gelten ebenso als Option wie ein Finalturnier. Dies am Endspielort, welcher bei der Europa League das polnische Danzig wäre. Unklar ist, ob solche Finalspiele erst ab dem Halbfinal ausgetragen werden würden. Wie bei so vielen Dingen in der jetzigen Lage ist es zu früh, um dahingehend eine Prognose abzugeben.

Ein Saisonabbruch wäre für den FC Basel besonders bitter

Die zweite Option ist wohl jene, welche Fans, Spieler und alle Klub-Vertreter am meisten befürchten: ein Abbruch aller Wettbewerbe. Damit würde der FCB um ein weiteres Europa-Märchen gebracht, die vielen gesammelten Punkte würden wohl aus der Fünfjahres-Wertung gestrichen, da die Kampagne annulliert werden könnte. Im Europacup wäre das für den FCB, für den in dieser Kampagne so vieles möglich erscheint, richtig bitter. In der Meisterschaft wäre ein Abbruch aus Basler Sicht ein kleines bisschen ertragbarer. Würde die Saison auch dort annulliert und alles auf Stand Ende Saison 2018/2019 zurückgesetzt, hätte der FCB wieder seinen zweiten Platz und damit ein Ticket für die Qualifikation zu den europäischen Wettbewerben, sofern diese denn nächsten Sommer wieder gestartet werden können.

Maximale Flexibilität und Dankbarkeit

Stand Freitagnachmittag kann also nur spekuliert und gehofft werden. Während aber im Laufe des Tages sowohl die Premier League, Ligue 1 als auch Bundesliga ihren Betrieb vorerst einstellen, scheint es immer unwahrscheinlicher, dass die EM diesen Sommer stattfinden kann. Damit wäre das Szenario Aufschub durchaus realistisch. Würde dieses in Kraft treten, kämen aber bereits die nächsten Fragen auf. Wird erst im Juli gespielt, steht der FCB vor weiteren Problemen. Diverse Verträge, so beispielsweise jener von Marcel Koller, enden per 30. Juni. Genauso wie jener von Kevin Bua oder die Leihpapiere von Arthur Cabral und Edon Zhegrova.

Es sind Fragen, die beim FCB noch in weiter Ferne sein dürften, aber sie stellen sich. «Wir müssen einfach ziemlich flexibel sein», sagte Koller nach dem Spiel. Es ist eine Aussage, die nicht nur auf das mittlerweile abgesagte Rückspiel zutrifft. In der aktuellen Zeit, da bekommen aber auch sonstige Phrasen plötzlich einen grösseren Wert. So wie ein Satz Stockers vom Donnerstagabend: «Wir sind einfach dankbar, dass wir diesen Match spielen konnten.» Das muss man auch sein. Denn es dürfte der letzte für Wochen sein. Oder sogar für Monate.