Abkürzungen entscheiden

Pedro Lenz
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Als der legendäre Eishockeyspieler Köbi Kölliker im hohen Alter noch immer in der damaligen Nationalliga A spielte, fragte ihn ein Journalist, wie er es trotz seines Alters schaffe, meistens als Erster am Puck zu sein. Die anderen Spieler seien alle schneller, gab Kölliker zu, aber er kenne die Abkürzungen. Köllikers Weisheit sollte in diesen Tagen im fernen St.Gallen die Runde machen.

Der FC St.Gallen, ältester Club der Schweiz, mischte mit einer Truppe von jungen Wilden die Meisterschaft auf. Doch gerade als es aussah, wie wenn die jugendlichen Dauerläufer aus dem Osten den etablierten Young Boys aus Bern den Meistertitel entreissen könnten, begann der grünweisse Motor zu stottern. Die Rasselbande von Trainer Zeindler, die während etwa 30 Runden einen wunderschönen, schnörkellosen Angriffsfussball zelebriert hatte, begann sich vor dem eigenen Erfolg zu fürchten.

Nun gibt es Leute die sagen, St.Gallens Kader sei zu schmal oder der Trainer habe zu wenig rotiert. Dabei hat der Einbruch auf der Zielgeraden nichts mit fehlender Rotation und nichts mit der Kadergrösse zu tun.

In einer Fussballmeisterschaft für Furore zu sorgen und eine Meisterschaft über weite Strecken zu dominieren, ist eine Sache. Diese Meisterschaft dann letztlich zu gewinnen, eine ganz andere.

Niemand kennt das Problem so gut wie der designierte Meister aus Bern. Die Young Boys waren jahrelang fast Meister oder Meister der Herzen, bis es ihnen tatsächlich gelang, den Kübel zu stemmen. Schön und attraktiv zu spielen, ist zweifellos rühmenswert. Aber eine Meisterschaft für sich zu entscheiden, ist ein anderes Paar Schuhe.

Im Eishockey heisst es zuweilen, mit einem starken Sturm könne man Spiele gewinnen, aber Meisterschaften gewinne man nur mit einer überragenden Abwehr. Im Fussball müsste es heissen: Mit jugendlichem Übermut gewinnt man die Herzen, aber den Meistertitel gewinnt man mit Altersweisheit. Leute, die über 200 Bundesligaspiele in den Knochen haben (Lustenberger), die sich in diversen grossen Ligen durchgesetzt haben (Sulejmani) oder die neben Ibrahimovic gestürmt haben (Hoarau) machen am Ende die Differenz. Es sind Spieler, die auf dem Platz jede Abkürzung kennen.