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Roman Abramowitsch im Abseits

Dem russischen Milliardär und Besitzer des Londoner Premier-League-Clubs Chelsea droht das Aus als britischer Fussballzar.
Chelseas Geldhahn: Roman Abramowitsch. (Bild: Matt Dunham/Keystone (London))

Chelseas Geldhahn: Roman Abramowitsch. (Bild: Matt Dunham/Keystone (London))

Pressekonferenzen meidet er, sein letztes Interview soll er vor über zwölf Jahren gegeben haben. Aber es gibt Momente, da öffnet Roman Abramowitsch (51) seine Seele: etwa im Mai 2017, als sich der langjährige Chelsea-Captain John Terry vor dem jubelnden Stadion an der Londoner Stamford Bridge verabschiedete und per Mikrofon dem «besten Eigentümer im Weltfussball» dankte. Abramowitsch stand strahlend in seiner VIP-Loge, winkte Terry zuerst und faltete dann die Hände zu einer demutsvollen Dankesgeste.

Eineinhalb Jahre nach dem Spieler Terry könnte sich nun auch der Besitzer Abramowitsch von seinem Lieblingsklub trennen. Seit Monaten spekulieren die Medien über einen möglichen Verkauf Chelseas, angeblich verlangt der Russe für den Klub die Rekordsumme von 3 Milliarden Pfund. Damit reagiert der Kreml-nahe «Geldmann» offenbar auf Probleme, die die britischen Behörden ihm neuerdings machen.

Abramowitsch kaufte den vom Bankrott bedrohten Chelsea FC im Juni 2003 für 140 Millionen Pfund. Und er schob gleich 120 Millionen Pfund für Spielerkäufe nach. Prompt schaffte es Chelsea 2004 bis in die Cham­pions-League-Halbfinals.

Es folgten Jahre des Geldes und der Siege. Abramowitschs Mannschaft holte fünf nationale Meister- und einen Champions-League-Pokal, insgesamt 17 Titel. Dafür gab er bis dahin unerhörte Summen für Spitzenspieler aus; für Joe Cole, Didier Drogba, Petr Cech oder Arjen Robben. Und der Russe verschliss elf Trainer, zahlte laut dem Boulevardblatt «The Sun» allein 89,3 Millionen Pfund Abfindungen an gefeuerte Coaches. Ausserdem, so die «Daily Mail», 2,5 Milliarden Pfund für Gehälter, weitere 1,5 Milliarden für neue Spieler.

Reihenweise «Chelsea»-Pubs in Sibirien

Abramowitsch wurde der Mann, der die Mode im englischen Profi­fussball diktierte. Sein Geld produzierte sportliche Titel, auf die halb London stolz war. Und halb Russland. Die Londoner Fans skandierten «Kalinka, Kalinka», in sibirischen Provinzstädten eröffneten reihenweise Pubs mit dem Namen «Chelsea». Jetzt aber tobt zwischen Briten und Russen ein neuer Kalter Krieg. Nach dem Giftanschlag auf Sergei Skripal im März, für den Grossbritannien russische Geheimdienstler verantwortlich macht, bekam auch Abramowitsch Probleme. Die britischen Behörden verlängerten sein Ende April auslaufendes Visum nicht. Das Parlament erliess neue Gesetze gegen illegale Investitionen und neue Sanktionslisten, auf denen auch Abramowitsch stehen soll. «Wenn unseren Gesetzgebern der Mut reicht«, schrieb die Zeitung «The Times» im März, «gerät ausser seinen ­Immobilien auch Chelsea in ­Gefahr.»

Im Mai beschaffte sich der Milliardär einen israelischen Pass, mit dem er jährlich sechs Monate ohne Visum in England leben kann. Aber laut der Agentur Bloomberg hat er sich dort seit Monaten nicht mehr blicken lassen. Und Chelsea stoppte den geplanten Ausbau des Stadions an der Stamford Bridge. Obwohl Experten den Wert des Vereins auf 1,26 Milliarden Pfund taxieren, lehnte Abramowitsch im Juni ein Angebot des britischen Grossindustriellen Bill Ratcliffe von über 2 Milliarden Pfund glatt ab, so die Zeitung «Moskowski Komsomoljez». Der Fussballzar mag London noch nicht verlassen.

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