CHALLENGE-LEAGUE-FUSSBALL
Abstiegsduell – wer muss Koffer packen?

Der SC Kriens tritt heute (19.00) zum brisanten, wegweisenden Abstiegskampf in Chiasso an. SCK-Trainer Bruno Berner erklärt im Interview die Gründe für den Misserfolg, die Fortschritte und die Tücken des Erfolgs.

Interview: Turi Bucher
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Kriens-Trainer Bruno Berner: Konzentriert und fokussiert.

Kriens-Trainer Bruno Berner: Konzentriert und fokussiert.

Bild: Sven Thomann/Freshfocus (Kriens, 24. März 2021)

Zwei Punkte Vorsprung auf den Tabellenletzten FC Chiasso, und nun muss Kriens ins Tessin. Gestatten Sie uns einen Blick unter das Krienser Nervenkostüm?

Bruno Berner: Ich betrachte die Situation total nüchtern und realistisch. Genauso erlebe ich auch meine Mannschaft. Der Glaube an den Ligaerhalt, an den Erfolg ist immer vorhanden. Es ist null Nervosität da.

Wer’s glaubt…

Selbstverständlich sind wir angespannt. Aber das sind die anderen auch. Wenn ich den Vergleich machen darf: Jeder Künstler darf und soll doch mit Lampenfieber, mit Schweiss an den Händen auf die Bühne. Aber, und damit zurück auf den Fussballplatz, wenn der Pfiff des Schiedsrichters ertönt, müssen wir das abrufen, was es braucht, was wir können. Konzentriert und fokussiert. Ich habe das nicht in einem Buch gelesen, ich lebe das und verlange das auch von meiner Mannschaft.

Der SC Kriens ist also in der Lage, das abzurufen, was den Absturz verhindert?

Jetzt beginnt das letzte Viertel der Saison, nun muss der Durchbruch kommen, müssen wir uns mit Spielfreude ein- für allemal den Ligaerhalt verdienen. Die letzten Spiele haben gezeigt: Wir können das. Zuletzt haben wir Stade Lausanne-Ouchy, immerhin ein Aufstiegsanwärter, 80Minuten lang beschäftigt und kurz vor Schluss verdient ausgeglichen. Aber ich sehe auch die Realität. Und die besagt: Wir haben erst sechsmal gewonnen.

Wer das Spiel Chiasso – Kriens verliert, steigt ab – kann man das so sagen?

Interpretieren Sie nicht zu viel in diesen Match hinein. Es folgen noch acht weitere Partien, in denen entscheidende Punkte zu holen sind. Aber: Dieses Spiel ist eine Chance, um ein Zeichen zu setzen. Wir haben zuletzt gut Fussball gespielt, in zwei Spielen vier Punkte geholt. Das Duell mit Chiasso kommt zum richtigen Zeitpunkt.

Ciriaco Sforza wurde in Basel entlassen. Sind Sie bald der neue FCB-Trainer?

Dazu gibt es nichts zu sagen. Ich habe keinen Kontakt mit dem FC Basel.

Sie würden den SC Kriens im Abstiegskampf sowieso nicht im Stich lassen, oder?

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Ich bin auf den SC Kriens konzentriert und fokussiert.

Wieso ist Kriens eigentlich in dieser misslichen sportlichen Lage? Waren die Transfers des Sportchefs zu wenig gut? Haben die Spieler nicht geliefert? Müssen Sie selber sich kritisch hinterfragen?

Ich hinterfrage mich nach jedem Spieltag kritisch. Und das unabhängig vom Resultat. Letzte Saison waren wir die Überraschungsmannschaft. Die Erwartungen sind gestiegen. Wissen Sie, warum?

Weil Kriens letzte Saison unerwartet Fünfter wurde…

Ja, auch. Aber die Erwartungen steigen überall. Weil Erwartungen nichts kosten. Die grössten Fehler macht man im Erfolg. Man wird unaufmerksamer, genügsam und teilweise auch selbstgefällig. Und es ist eine Tatsache, dass wir im Sommer einen Substanzverlust erlitten haben. Es ist hervorragend, dass der SC Kriens Spieler in die Super League und in die Zweite Bundesliga gebracht hat. Aber: Elvedi, Abubakar, Siegrist, Dzonlagic, Osigwe – das sind fünf entscheidende Säulen, die uns innerhalb von sechs Monaten verlassen haben. Zudem ist die Challenge League in dieser Saison vielleicht die Stärkste aller Zeiten. Siehe Schweizer Cup: Vier Challenge-League-Teams sind unter den letzten acht Mannschaften.

Trotzdem klingen Sie vor dem Auswärtsmatch in Chiasso zuversichtlich. Aber die Tessiner haben im soeben zu Ende gegangenen dritten Viertel der Saison zwei Punkte mehr geholt als der SC Kriens.

Die fackeln nicht lange. Der FC Chiasso spielt gradlinig, schnörkellos. Der Ball geht schnell nach vorne, um die drei Stürmer ins Spiel zu bringen. Auch wenn man nach solchen Direktbegegnungen letztlich mit einem Unentschieden leben kann: Wir glauben an uns, wir fahren mit der Mentalität durch den Gotthard, in Chiasso siegen zu wollen.

Erwarten Sie vor oder in diesem Abstiegskampf Provokationen von Seiten der Tessiner?

Ich habe schon Episoden von anderen Teams gehört, aber selber wurden wir in Chiasso noch nie schikaniert. Ach ja, einmal wurde von Chiasso-Anhängern ein Koffer von der Tribüne aufs Spielfeld runter geschmissen. Der galt aber, im Sinne von «Koffer packen», dem Chiasso-Trainer. Wir bleiben ruhig, bleiben im eigenen Fokus. Ich hoffe, unser Sportchef nimmt keinen Koffer mit nach Chiasso.

Hinweis

Nachdem Servette am Mittwoch Vevey mit 4:2 bezwang, steht der Cup-Viertelfinal fest: Der SC Kriens empfängt Servette am Mittwoch, 14.April, im Stadion Kleinfeld. Der Anpfiff des Spiels erfolgt um 17 Uhr.