Kommentar

Schweizer Spitzenfussball hat dringendere Probleme zu diskutieren als den Modus

Am Freitag trifft sich die Swiss Football League. Diskutiert wird dabei auch über die Aufstockung der Super League. Aktuell hätten die Klubs jedoch wichtigere Herausforderungen zu lösen.

Turi Bucher
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Turi Bucher, Sportredaktor

Turi Bucher, Sportredaktor

Bild: Nadia Schärli

Seltsame Dinge spielen sich derzeit im Schweizer Profifussball ab: Anstatt den Gang in die unsichere und holprige Zukunft gemeinsam anzupacken, stehen im Feld der 20 Vereine aus der Super League und aus der Challenge League die eigenen Interessen im Vordergrund. Anstatt «20 Freunde müsst ihr sein» fabriziert jeder sein eigenes Dribbling. Es geht am Freitag an der Versammlung der Swiss Football League nicht nur um die Fortsetzung oder den Abbruch der Saison. Es geht vor allem auch und wieder einmal um den Modus beziehungsweise um die Aufstockung der Super League.

Praktisch jeder Verein hat sich in den letzten Tagen zu Wort gemeldet und dargelegt, was für ihn das Richtige wäre und was nicht. Gewiss, was die aktuelle Saison betrifft, gibt es für beide Seiten Argumente – sowohl für den Abbruch Meisterschaft wie auch für eine Weiterführung, vorerst mit Geisterspielen.

Dass jetzt aber ein Verein wie der FC Lausanne-Sport – in den letzten Jahren nun wirklich kein Top-Player im Schweizer Fussball – plötzlich lauthals die Aufstockung der Super League auf 12 Clubs fordert, wirkt doch sehr befremdlich. Lausannes Vizepräsident beispielsweise weiss in einem Interview zu allen wichtigen Fragen, sei es zu TV-Geldern, Spielplan oder zur Challenge League, die scheinbar passende Antwort. Es ist ein vorlautes Auftreten eines vorderhand zweitklassigen Clubs, der einen milliardenschweren Sponsor in seinem Rücken weiss und sich im Falle eines Saisonabbruchs um die Früchte seiner sportlichen Arbeit betrogen sieht.

Eine 12er-Liga in der obersten Schweizer Spielklasse (in den kommenden Jahren) kann durchaus eine diskutable Variante sein, aber:

  1. nicht einfach, weil Nobody Lausanne es unbedingt will, und
  2. nicht auf Kosten der zweithöchsten Liga mit nur noch acht Vereinen, die dann in einer späteren Phase mit der dritthöchsten Liga (Promotion League) fusioniert und in zwei Gruppen übers Land verteilt werden sollen.

Den Vertretern der 20 Fussballclubs möchte man vor ihrem morgigen Treffen an einem geheimen Ort im Raum Bern zurufen: Der Schweizer Spitzenfussball hat im Moment dringendere Probleme als den Modus. Im Modus-Match soll heute die Vernunft gegen den abstrusen Eigensinn einen deutlichen Sieg davontragen.