Kolumne

Ach du schöne Nati-Pause

Für die meisten ist die Nati-Pause eine Ärgernis. Dabei gibt es eigentlich genügend Gründe, die Zusammenzüge der Nationalmannschaft und deren Spiele toll zu finden.

Céline Feller
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Die Schweizer Nati vor dem Spiel gegen die Ukraine.

Die Schweizer Nati vor dem Spiel gegen die Ukraine.

Freshfocus (Lwiw, 3.9.2020)

Muss das sein? Das ist doch unnötig. Das will keiner sehen. Schafft es einfach ab.

So denken viele Fussball-Fans über Nati-Pausen. Weil – wenn nicht gerade wegen Corona Zuschauer verboten sind – nicht zum Spiel gegen den grossen Rivalen ins Stadion gepilgert werden, nicht in der Kurve gestanden werden kann. Weil man nicht mehr den Lieblingsakteuren zuschauen kann. Weil Klub-Fussball das einzig Wahre ist. Alles andere ist eine Farce. Ausser es ist WM oder EM. Das ist super cool und massentauglich. Football’s coming home und so.

Céline Feller, Sportredaktorin.

Céline Feller, Sportredaktorin.

Sandra Ardizzone

Ich aber mochte Nati-Pausen schon immer. Zugegeben, dass ich früher dann jeweils eines meiner raren freien Wochenenden geniessen konnte, hat sicher geholfen. Aber auch heute noch, da ich auch über die Nati schreiben darf. Es gibt schliesslich genügend Gründe, Nati-Pausen toll zu finden.

Beispielsweise sieht man wieder die altbekannten Gesichter in die Schweizer Stadien einlaufen. Die Breel Embolos, Granit Xhakas, Renato Steffens, Manuel Akanjis und wie sie alle heissen. Spieler, deren Klasse man einst Wochenende für Wochenende in Basel, Bern oder Luzern zu Gesicht bekam, deren fussballerische Entwicklung sie weit weg brachte und schwerer zu verfolgen. Bei der Nati sind sie alle wieder da. Man sieht ihre Fortschritte und fühlt sich ein bisschen zurückversetzt in die guten alten Zeiten. Ein bisschen Nostalgie.

Aber es nicht nur das, was Freude bei mir auslöst. Die Nati-Pausen sind auch die Zeit, in welcher man dem sonst so wenig gelebten Nationalstolz frönen kann. Ja, ich ziehe mir mal ein Schweiz Trikot an, oder eines meiner zweiten Heimat Spanien. Oder auch eines der nicht mehr so heimlichen Liebe England. Für etwas hat eine Trikot-Sammlerin wie ich diese Stoffstücke eben doch. Um sie auch mal auszuführen. Dann fühlt es sich ein bisschen an, als wäre EM. Oder WM. Und wer mag diese Grossanlässe schon nicht? Eben.

Ausserdem werden in diesen Phasen Gastro-Betriebe kreativ. So kann man in Basel am Sonntag Raclette essen und das Schlager-Spiel gegen Deutschland schauen. Raclette und Fussball. Es gibt wenig, das einer perfekten Symbiose näher käme. Und das alles der Nati-Pause sei dank.

Céline Feller, 28, bezeichnet Fussball als die schönste Hauptsache der Welt, berichtet täglich darüber und verehrt ohne jede Scham Manchester United. Sie schreibt im Wechsel mit Steffi Buchli, Sarah Akanji und Florence Schelling jeden Samstag über die dringendsten Sportthemen.

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