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Kommentar

Die vergangene Ski-Saison: Achtung, die Sorgen verlagern sich

Die vergangene Saison war eine gute Alpin-Saison für Swiss Ski.
Martin Probst
Sportreporter Martin Probst

Sportreporter Martin Probst

War es ein guter Winter für die Skination Schweiz? Man kann es sich einfach machen und sagen: Rang eins im Medaillenspiegel der Weltmeisterschaft und Rang zwei in der Nationenwertung des Weltcups. Folglich war es eine gute Alpin-Saison für Swiss Ski. Aber ist es wirklich so einfach? Man kann auch sagen: Es war ein Winter ohne ganz grossen Sieg für die Schweiz. Die Abfahrtsklassiker gewannen andere. An der WM gab es in den Kerndisziplinen kein Gold, das Männerteam ging mit Ausnahme des Teamwettkampfs leer aus. Das Frauenteam schloss die Saison erstmals seit 2007 ohne einen einzigen Weltcupsieg ab. Folglich war es ein schlechter Winter.

Es war lange eine Stärke der Athletinnen und Athleten von Swiss Ski, in den wichtigsten Rennen am besten zu sein. 2015 und 2017 gewannen Patrick Küng und Beat Feuz die WM-Abfahrten. Seit 2009 siegte in Wengen fünfmal ein Schweizer in der Abfahrt. Und an Grossanlässen war Swiss Ski im vergangenen Jahrzehnt meist überproportional gut.

Es sind solche Grosserfolge, die lange in Erinnerung bleiben und die Kritik meist im Keim ersticken. Swiss Ski konnte so in den Saisonbilanzen nicht selten Probleme kaschieren. Konnte Geduld fordern, dass es irgendwann schon gut komme in den jahrelangen Sorgendisziplinen. Zum Beispiel auf der Technikerseite der Männer. Man muss ehrlich sagen: Der Verband hatte recht. Der Aufschwung im Slalom, der früher begann, jetzt aber auch den Riesenslalom erreicht hat, ist beachtlich. Zwei Slalomsiege gab es durch Daniel Yule und Ramon Zenhäusern. Das ist historisch gut. Und da mit Loïc Meillard ein dritter Schweizer in dieser Saison auf das Podest fuhr, ist das Team wohl so stark wie noch überhaupt nie.

Im Riesenslalom gab es vier Schweizer Podestplätze. Und Marco Odermatt verblüffte. Der fünffache Juniorenweltmeister von 2018 hat sich atemberaubend schnell im Weltcup zum zweifachen Podestfahrer entwickelt. Der achtfache Gesamtweltcupsieger Marcel Hirscher sieht im 21-Jährigen einen potenziellen Nachfolger. Und hat damit recht. Mit Odermatt hat die Schweiz ein Talent in den Reihen, das alle Anlagen zum künftigen Superstar hat.

Odermatt, Meillard, Zenhäusern, Yule – sie alle sind 26 Jahre alt oder jünger. Das sind rosige Aussichten. Und vor allem solche, von denen Swiss Ski auf der Speedseite derzeit nur träumen darf. Natürlich sind Abfahrer erst später im besten Alter. Und trotzdem war nicht nur Carlo Jankas Aussage an der WM, dass die Stimmung im Team wie tot sei, Besorgnis erregend. Hinter dem 32-jährigen Beat Feuz, der in sechs von acht Weltcup-Abfahrten auf das Podest fuhr und dem 30-jährigen Mauro Caviezel, in dieser Saison in Super-G und Abfahrt viermal auf dem Podest, folgt lange nichts.

Ausgerechnet an der WM endete für Feuz eine Serie von fünf Podestplätzen in Folge. Auch darum gab es für die Männer einen schmerzhaften Nuller in den Einzeldisziplinen. Es ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen hinter einer tollen Saison. Das Männerteam ist im Weltcup näher an Österreich gerückt und belegt erstmals seit 2012 Rang zwei. Es ist eine Entwicklung, die Freude bereitet.

Etwas anders ist die Entwicklung bei den Frauen. Zwar konnte Rang zwei in der Nationenwertung verteidigt werden. Doch der Abstand auf die Österreicherin wurde deutlich grösser. Auch weil Siege fehlen. Wendy Holdener stand im Slalom zwar erneut fünfmal auf dem Weltcup-Podest – aber es will einfach nicht klappen mit dem grossen Triumph. Das allein ist nicht neu. Weil aber mit der verletzten Michelle Gisin und der sich lange in einem Formtief befundenen und mittlerweile verletzten Lara Gut-Behrami zwei Erfolgsgarantinnen nicht den gewohnten Teil zum Teamerfolg beisteuern konnten, ist der Rückschritt zwar schnell erklärt. Zu sicher fühlen sollte man sich nicht.

Doch auch sonst bleiben Sorgen: Im Riesenslalomteam hält nur Holdener mit der Spitze mit. Und auch im Slalom stagnieren die Schweizerinnen hinter ihr. Natürlich fehlen mit Gisin und Mélanie Meillard zwei starke Technikerinnen. Doch wäre es falsch, die Entwicklungen nicht mit Sorge zu beobachten und so die Chance zu verpassen, zu reagieren.

Die Sorgen verlagern sich. Auch wenn das Feuz und Holdener noch kaschieren. Selbst ohne die ganz grossen Siege.

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