Ad Astra Sarnen stellt sich bange Fragen rund um den Verbleib in der höchsten Spielklasse

Wirtschaftliche Unsicherheiten trüben bei Ad Astra Sarnen die Freude über den Verbleib in der NLA.

Sven Aregger
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Bei Ad Astra Sarnen lief gerade das Training, als die Spieler die Meldung erreichte, dass die Schweizer Unihockey-Saison wegen des Corona-Virus abgebrochen werde. Die Obwaldner kämpften zu diesem Zeitpunkt ums Überleben in der NLA, sie bereiteten sich auf die Auf-/Abstiegsspiele gegen Basel Regio vor. Nach der Einstellung des Spielbetriebs war zunächst unklar, ob es Auf- und Absteiger geben wird. Seit Freitag steht fest: Es bleibt auf höchster Stufe alles wie gehabt, Ad Astra wird auch in der kommenden Saison in der NLA vertreten sein.

Ad-Astra-Verteidiger Jonas Höltschi hätte sich den Ligaerhalt lieber auf dem Feld erkämpft.

Ad-Astra-Verteidiger Jonas Höltschi hätte sich den Ligaerhalt lieber auf dem Feld erkämpft.

Bild: André Düsel (Sarnen, 7. Dezember 2019)

So richtig freuen darüber kann sich im Verein aber niemand. Der Verteidiger Jonas Höltschi sagt: «Die Sache hat einen faden Beigeschmack. Als Sportler will man sich den Ligaerhalt auf dem Feld erkämpfen. Vor allem für die Basler ist es schlimm, sie hatten eine tolle Saison gespielt und sich die Aufstiegsspiele verdient.»

Präsident Küchler: «Wir haben Sorgen»

Die Freude in Sarnen ist in diesen Tagen aber nicht nur in sportlicher Hinsicht getrübt. Das abrupte Ende der Saison ist mit finanziellen Ungewissheiten verbunden. Der Klub musste ertragreiche Anlässe absagen, zum Beispiel das jährliche Turnier der besten zweiten Mannschaften der Schweiz, das jeweils 20000 Franken einbringt. Und im Verein, der mit einem Jahresbudget von rund 500000 Franken operiert, stellt man sich die bange Frage, ob Sponsoren wegen der wirtschaftlich diffizilen Lage in der Schweiz abspringen könnten. Der Präsident André Küchler räumt ein: «Wir haben Sorgen.»

Der Vorstand trifft sich regelmässig zu Sitzungen, aber die Planung der kommenden Saison ist kompliziert. Ad Astra will jungen Spielern, denen in anderen NLA-Mannschaften kaum Einsatzzeit gewährt würde, eine Perspektive bieten. Doch gegenwärtig können die Obwaldner keine potenziellen Neuzuzüge zu Probetrainings einladen. Das ist eine besondere Herausforderung für einen Klub, dessen Einzugsgebiet beschränkt ist und der nicht über einen riesigen Talent-Pool verfügt. «Wir sind das Ambri des Unihockeys, der Dorfklub in der NLA», sagt der Spieler Höltschi. «Wir können nicht auf zahlreiche Partnervereine zurückgreifen, wie das beispielsweise bei Zug United der Fall ist.»

Auch deshalb hat Ad Astra Sarnen das Ausländerkontingent ausgeschöpft – vergangene Saison standen vier Importspieler im Kader. In der kommenden Spielzeit dürfen in der NLA nur noch drei Ausländer eingesetzt werden. Klar ist, dass der Finne Jaska Kunelius die Obwaldner verlassen wird. Wie es mit den restlichen Ausländern weitergeht, ist vorderhand offen. «Diese Spieler brauchen eine Jobgarantie, sie müssen neben dem Unihockey noch arbeiten können. Aber aufgrund der wirtschaftlichen Situation ist das im Moment schwierig», sagt der Präsident Küchler, der als Besitzer eines Designmöbelhauses auch beruflich von der Corona-Krise betroffen ist.

Es sind Herausforderungen, die Ad Astra Sarnen in den kommenden Monaten beschäftigen werden. Trotz oder gerade wegen der angespannten Lage demonstriert der Klub Zusammenhalt. Er hat ein Hilfsprojekt lanciert für Menschen, die angesichts der Corona-Krise speziell auf Unterstützung angewiesen sind. So stellen sich Vereinsmitglieder und weitere Helfer unter anderem für Einkäufe und Kinderbetreuung zur Verfügung (www.adastra.ch). Der Verteidiger Jonas Höltschi sagt: «Momentan gibt es Wichtigeres als den Sport.»