Ärgerliche 27:30-Heimniederlage der Krienser

Unnötig, nicht zwingend – und trotzdem «verdient»: Der HC Kriens-Luzern zieht gegen den überraschenden Tabellenleader TSV St. Otmar St. Gallen den Kürzeren. Die 27:30-Heimniederlage schmerzt, weil der HCK die Niederlage vorallem den eigenen Mängeln zuschreiben muss. Defensiv zu wenig stabil, offensiv zu fehlerhaft und ohne Speed – da darf man gegen einen ebenso überraschenden wie cleveren Leader nicht mehr als eine «logische» Niederlage erwarten.

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Der Krienser Pascal Willisch, hier in einem Spiel gegen Siscia im vergangenen Februar. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Der Krienser Pascal Willisch, hier in einem Spiel gegen Siscia im vergangenen Februar. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

1:0 nach 45 Sekunden durch Pascal Willisch. Der Linksaussen war nach langer Verletzung wieder da. Überzeugend hatte er aus spitzem Winkel getroffen. Frech und mutig im Abschluss. Das wars. Da hätte man das Spiel zwischen dem HC Kriens-Luzern und dem überraschenden NLA-Tabellenleader TSV St. Otmar St. Gallen abpfeifen müssen. Das wärs gewesen, der angestrebte doppelte Punktgewinn des HC Kriens-Luzern. Nur: Handballspiele dauern nicht 45 Sekunden, sondern 3'600. Und zwar effektive. Deshalb wurde es auch nichts aus einem HCK-Erfolg. Denn in der Folge nahm im Spitzenkampf der NLA St. Otmar St. Gallen das Heft in die Hand. Angetrieben vom wirbligen David Parolo wurden Chancen und Abschlusspositionen erarbeitet. Und letztlich auch sehr konsequent umgesetzt und ausgenützt.

Dass den Ostschweizern dann und wann das Glück um jenes Quäntchen holder war als dem Gastgeber, mag eine Feststellung sein. Eine Begründung für das Schlussresultat ist das nicht – Glück muss man sich im Handball erarbeiten. Wohl bezeichnend dafür war die Szene keine 15 Sekunden nach Willisch’s 1:0: Der HCK scheint in der Defensive geklärt zu haben und startet zum Neuaufbau. Nur: Fehlpass vor dem eigenen Torhüter, der clevere Otmar-Spielertrainer Jan Filip erzielt mit einem «easy stolen boll» den Ausgleich. Clever von Otmar, naiv vom HCK. So wird aus dem Anspruch auf Glück nichts...

Aber das zog sich durch die kommenden 60 Minuten so durch. Wann immer der HCK drauf und dran, etwas für eine durchaus realistische Wende zu tun, passierten Fehler. Fehler der Marke «unglaublich» zumeist: Fehlpass, Ballverlust, Latte, Pfosten ... Das war so nach dem erstmaligen Ausgleich durch Tobi Baumgartner nach 19 Minuten. Und das war auch später mehrmals so – auch wenn der HCK nie mehr näher als auf drei Tore heran kam

Der Knackpunkt im Spiel war diesmal eine solche Fehlerserie direkt vor der Pause. Bis zum 11:12 blieb der HC Kriens-Luzern dabei und kämpfte um die Führung. Dann aber zog der Gast auf 11:16 weg. Weil er clever ausnützte, was der Gastgeber mit etwas (zu) viel Gastgeschenken servierte. St. Otmar lancierte Gegenstoss um Gegenstoss bis zur Pause, bis die Hallenuhr ein Resultat von 13:18 zeigte.

Aus dem «Turbo» der zweiten Hälfte wie etwa vor Wochenfrist in Bern wurde diesmal aber nichts. Dazu war St. Otmar zu breit aufstellt. Gegen ein Team, das mit 10 Feldspielern als Torschützen glänzt, braucht es eine ultrakompakte Teamleistung. Das aber war beim HCK diesmal nicht der Fall. Dazu fehlte dem HCK dazu diesmal auch die Energie und die Breite. Rein mathematisch gesehen: 10 Torschützen beim Gast, deren 5+1 beim HCK.

Der HCK machte insgesamt in diesem Spiel zu viele Fehler. Teilweise erschreckend einfach marschierten die St. Galler durch die Krienser Deckung. Und was die St. Galler an Kreistoren erzielten (deren 6 an der Zahl), schmerzte – auch wenn gerade dort dann und wann das Glück des Tüchtigen deutlich mithalf.... Dass in der Offensive die Erfolgsquote gegen einen starken Isenrich zu tief blieb, war da nur eine Folge, nicht aber die Ursache ... Denn dem HCK fehlte an diesem Abend die Überzeugung, gegen den Leader ankommen zu können. Da müssten sich die HCK-Spieler vermehrt mit den Ideen des Schweizer Ballon-Rekordfliegers Bertrand Piccard auseinandersetzen: «Um Grosses zu erreichen, müssen wir zuerst die Grenzen unseres eigenen Denkens sprengen.»

Positives aus Krienser Sicht? Klar doch, gibt es. Pascal Willischs Rückkehr mit 5 Toren, Nicolas Raemys Auftritt mit seinen 7 Toren (zumeist dank seiner Schnelligkeit im 1:1). Dass auch Boris Stankovic mit seinen 7 Toren stabil auftrat, war ein weiterer Pluspunkt. Ansonsten aber trat der HCK an diesem Samstag zu fahrig, zu fehlerhaft und letztlich wohl auch zu wenig überzeugend auf. Weil der BSV Bern gegen Gossau mit 11 (!) Toren verlor und die Liga weiterhin völlig verrückt spielt (Wack er lässt einen Punkt in Stäfa), bleibt der HC Kriens-Luzern zwar weiterhin über dem Strich. Aber gemütlicher wird es deswegen nicht ...

Benedikt Anderes/ HC Kriens-Luzern

HC Kriens-Luzern - TSV St. Otmar St. Gallen 27:30 (13:18)

Krauerhalle Kriens, 650 Zuschauer. SR Meyer/Buache

Spielverlauf: 1:0, 1:4, 2:5, 4:5, 5:6, 6:8, 8:8, 9:9, 10:12, 11:12, 11:16, 12:17, 13:18; 13:19, 15:19, 16:22, 19;23, 21:24, 22:27, 24:28, 25:30, 27:30.
HC Kriens-Luzern: Schelbert/Aleksejev (ab 19.); Mühlebach, Willisch (6), Blättler, Båverud (3), Steiger (3), Raemy (7), Delhees, Baviera, Hess, Stankovic (8/2), Baumgartner (1).
St. Otmar: Isenrich/Kindle (2 Penalties); Pendic (4), Christ (2), Fröhlich (1), Bärtschi, Wild (2), Liniger (3), Usik (3), Szymanski (2), Parolo (4/1), Wetzel, Banic (5), Filip (3).
Bemerkungen: Strafen HCK 2, Otmar 2 x 2 Minuten; HC Kriens-Luzern ohne Petrig und Jeremias (verletzt), setzte Baviera, Mühlebach und Blättler nicht ein.
J.P. Chenet Best Player Award: Pascal Willisch (HCK), David Parolo (Otmar)