AEROBIC: Elegant, schrill, akrobatisch

Aerobic Joy Studer kehrt auf das Turnparkett zurück. Die ehemalige Kunstturnerin und das Ensemble-Mitglied beim Cirque du Soleil hat die Sportart gewechselt. Und hegt Ambitionen.

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Joy Studer (links) zusammen mit Jasmin Bucheli beim Training. (Bild Pius Amrein)

Joy Studer (links) zusammen mit Jasmin Bucheli beim Training. (Bild Pius Amrein)

Verlernt hat sie gar nichts. Ihre Körperspannung ist perfekt, gepaart mit Eleganz, die Flic-Flacs mit Rückwärtssalto sitzen nach wie vor, vom Spagat nicht zu reden. Und auch ihr unverkennbares Lachen hat sie behalten. Die 26-jährige Luzernerin Joy Studer nimmt zusammen mit dem BTV Luzern an den Aerobic-Schweizer-Meisterschaften vom kommenden Wochenende in Willisau teil, in der Paar-Konkurrenz zusammen mit Jasmin Bucheli und in der Kategorie Aktive in den Reihen des BTV Luzern. Und feilt nun in der Luzerner Utenberg-Halle an den letzten Details.

Karriere Nummer 1: Kunstturnen

Doch alles der Reihe nach. Joy Studer gehörte einst der Nationalmannschaft der Kunstturnerinnen an, war äusserst talentiert und erfolgreich. Mit der Finalteilnahme im Mehrkampf (Rang 20) an den Junioren-Europameisterschaften 2002 in Patras (Grie), und unter anderem den fünf Medaillen an den Junioren-Schweizer-Meisterschaften 2003 liess sie aufhorchen. Im gleichen Jahr erhielt sie die Selektion für die WM des Elitekaders – zusammen mit ihrer Vereinskollegin Ariella Kaeslin. Im Gegensatz zu der späteren Sprung-Europameisterin wurde Joy Studer immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen – und trat 2006 vom Spitzensport zurück. «Mit dem Kunstturnen habe ich abgeschlossen», sagt Joy Studer. Einzig der Kontakt zu ihrer ehemaligen Mitstreiterin Ariella Kaeslin ist aus dieser Zeit geblieben.

Karriere Nummer 2: Cirque du Soleil

Doch ein Bewegungstalent wie Joy Studer suchte eine neue Herausforderung und nahm das Angebot des Cirque du Soleil an, in diesem Imperium der Fantasiewelt, belegte während dreier Monate in Montreal Kurse in Improvisation, Gesang und Make-up. Ein halbes Jahr blieb sie mit der Show «La Nouba» stationär in Orlando, dann bekam sie die Hauptrolle der Fiona in «Saltimbanco», was übersetzt so viel wie «spring auf die Bank» bedeutet. Eine Produktion, die alle Aspekte des Lebens in der Grossstadt erzählte, farbenfroh mit extravaganten Kostümen, spektakulärem Lichtdesign, Aufsehen erregender Akrobatik und mit einem aussergewöhnlichen Soundtrack. Während fast fünf Jahren tourte sie durch alle fünf Kontinente. Das war sie, die Welt der Joy Studer. Obwohl ihr Job stressig war, viel Training, acht Auftritte in vier Tagen, wenig Erholung – und das zehn Wochen am Stück. «Manchmal hatte ich Heimweh», sagt sie, «besonders an Weihnachten und an den Geburtstagen meiner Familie.» 2011 kehrte sie in die Schweiz zurück, machte das Wirtepatent und das Bürofachdiplom und ist heute stellvertretende Geschäftsführerin im Betrieb ihrer Mutter Ruth.

Karriere Nummer 3: Aerobic

Und eben jetzt auch Aerobic-Turnerin. Ivanka Oberli, einst auch Kunstturnerin, schwärmte ihr im letzten Jahr von dieser Sportart vor und entfachte in Joy Studer das Feuer für diese dynamische Sportart. «Ich musste mich etwas umstellen, vor allem was die Fussarbeit mit den Fersen betrifft, das war ich mich als ehemalige Kunstturnerin nicht gewohnt.» Dafür kann sie mit viel Beweglichkeit und Akrobatik aufwarten, «und hilfreich ist sicher auch mein Körpergefühl». Und bekommt auch Lob von Jasmin Bucheli, mit der sie am Wochenende in Willisau die Paar-Konkurrenz absolviert und somit für eine Premiere sorgt, denn noch nie schickte der BTV Luzern in dieser Disziplin jemanden an den Start. «Joy verfügt über viel Disziplin und stellt hohe Ansprüche», sagt Jasmin Bucheli. Das Duo hegt Ambitionen, obwohl es erst seit drei Monaten zusammen trainiert, dafür mit grosser Intensität. Beide legten im Oktober ein Trainings-Weekend in Nizza ein und bekamen vor lauter Üben kaum etwas von der Stadt zu Gesicht. «Um den fünften Platz zu erreichen, fahren wir bestimmt nicht nach Willisau», sagt Jasmin Bucheli. «Wir sind ehrgeizig und wollen eine perfekte Show abliefern. Eine Medaille wäre natürlich das Tüpfelchen auf dem i, aber wir sind uns bewusst, wir haben starke Konkurrenz.»

Geheimnis um das Dress

Nicht preisgeben wollen sie Details um ihr Dress. Nur so viel: «Es ist sehr sportlich mit einem Hauch von ‹Sexyness›», wie sich Joy Studer ausdrückt. Wie es sich auf dem obersten Podest anfühlt, das weiss die 32-jährige und in Horw wohnhafte Jasmin Bucheli. Sie gehörte jenem Dreierteam an, welches von 2007 bis 2009 dreimal den Meistertitel holte. Heute ist sie versierte Leiterin des Teams bei den Aktiven, auch mit Medaillen gekrönt: 2009 und 2011 reichte es zur bronzenen Auszeichnung. Ausruhen auf den Lorbeeren will Jasmin Bucheli nicht. «Wir möchten auch hier auf das Podest.» In dieser Equipe wird nun auch Joy Studer zum ersten Mal dabei sein und gerät ins Schwärmen. «Wir haben einen tollen Zusammenhalt, und ich fühlte mich von Beginn weg sehr willkommen, gut aufgenommen und kann jederzeit auf die Hilfe meiner Kolleginnen zählen.» Und Jasmin Bucheli fügt an: «Sie ist überhaupt nicht abgehoben und hat sich sehr schnell ins Team integriert.»

Da macht alles Freude, und diese werden die Zuschauer auch in Willisau an den Darbietungen des BTV Luzern haben. Was bedeutet doch der Vorname Joy? Freude.Elegant, schrill, akrobatisch Aerobic Joy Studer kehrt auf das Turnparkett zurück. Die ehemalige Kunstturnerin und das Ensemble-Mitglied beim Cirque du Soleil hat die Sportart gewechselt. Und hegt Ambitionen.

Theres Bühlmann

Aerobic: Eine junge Sportart ist im Aufwind

1998 begann der wettkampfmässige Siegeszug dieser Sportart, damals noch als STV-Aerobic mit rund 30 Teams. Das Interesse an dieser neuen Disziplin im Vereinswettkampf hielt auch an Turnfesten Einzug. Zum ersten Mal figurierte Aerobic 2002 beim Eidgenössischen Turnfest im Baselbiet auf dem Wettkampfprogramm, wo über 300 Vereine diese Disziplin wählten. 2003 wurde die erste Schweizer Meisterschaft in Aarau ausgetragen. Nach 2008 und 2009 zeichnet in diesem Jahr wiederum der STV Willisau für die Austragung verantwortlich. Am Start sind rund 560 Turnerinnen und Turner aus 50 Vereinen, zu sehen sind rund 70 Aufführungen in den Kategorien Jugend, Paare, Aktive (Team) und 3er- bis 5er-Teams.

Breit gefächerte Anforderungen

Die Noten werden in einer Fünferwertung vergeben: P-Note (Programm) und T-Note (Technik). Eine Vorführung dauert zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Minuten und muss unter anderem Gleichgewichtselemente, Formationswechsel, Sprünge, Akrobatik und Kraftelemente (Männerliegestütze) beinhalten. Ins Gewicht fallen auch Schrittkombinationen, Raumeffekte, Überraschungsmomente und die Umsetzung der Musik.

Das Programm
Samstag. 16.00: Paare und Team Jugend Ab 17.30–20.00: Team Jugend und 3er- bis 5er-Teams. Sonntag. Ab 8.30: Aktive, Team. – Ab 13.15: Finalwettkämpfe Paare, 3er- bis 5er-Teams, Jugend, Aktive.
Ort:Sporthalle, BBZ, Willisau.

Mehr unter: www.stvwillisau.ch

Joy Studer als Mitglied beim Cirque du Soleil. (Bild: PD)

Joy Studer als Mitglied beim Cirque du Soleil. (Bild: PD)

Joy Studer als junge Kunstturnerin. (Bild: Archiv Neue LZ)

Joy Studer als junge Kunstturnerin. (Bild: Archiv Neue LZ)