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Affenlaute in Bulgarien und Militärgrüsse der Türken: Der Fussball wird erneut missbraucht

Rassistische Entgleisungen in Bulgarien und der provokante Torjubel der Türken überschatten die EM-Qualifikation.
Nicolas Reimer und Jörg Soldwisch (SID)
Türkische Wiederholungstäter beim Montagsspiel gegen Frankreich. Bild: Thibault Camus/Keystone (Paris, 14. Oktober 2019)

Türkische Wiederholungstäter beim Montagsspiel gegen Frankreich. Bild: Thibault Camus/Keystone (Paris, 14. Oktober 2019)

Am Abend der Schande rückte der Sport in den Hintergrund. Affenlaute und Hitlergrüsse von bulgarischen Chaoten, militärische Botschaften der türkischen «Wiederholungstäter»: Nicht zum ersten Mal geriet die EM-Qualifikation am Montag zur Plattform widerlicher Hetze und unnötiger Provokation. Der Europäischen Fussball-Union (Uefa) steht deshalb jede Menge Arbeit bevor.

Am Dienstagabend teilte die Uefa mit, dass ein Disziplinarverfahren gegen den bulgarischen Verband unter anderem aufgrund des rassistischen Verhaltens seiner Fans sowie des Werfens von Gegenständen eingeleitet wurde. Alles andere als heftige Sanktionen wären überraschend. Schliesslich stufte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin, der zur «Zusammenarbeit im Namen von Anstand und Ehre» aufrief, die Strafen der Uefa als «die härtesten im Sport» ein.

Verbandspräsident Bulgariens tritt zurück

Von einer «inakzeptablen Situation» sprach daher auch Englands Trainer Gareth Southgate, nachdem seine Schützlinge in Sofia Affenlaute, höhnische Gesänge und gar den Hitlergruss von den Rängen erdulden mussten. «Wir haben aber die richtigen Antworten gegeben» – durch den 6:0-Kantersieg und die Beschwerden bei den Offiziellen, die zweimal zu einer Unterbrechung und einem drohenden Abbruch der einseitigen Partie führten.

Vor dem Abbruch stand das Duell zwischen Weltmeister Frankreich und der Türkei zwar nicht, der Torjubel der Gäste nach dem Treffer zum 1:1-Endstand sorgte allerdings erneut für heftige Diskussionen und Unverständnis. Vielleicht senkte Torschütze Kaan Ayhan vom Bundesligisten Fortuna Düsseldorf vorsichtshalber auch deshalb den Kopf, als seine Mitspieler vor den feiernden Fans den rechten Arm zum militärischen Gruss hoben. Das hatten sie schon in der Vorwoche beim Sieg gegen Albanien (1:0) getan, Ayhan damals allerdings auch.

Die Geste wird als Bezug auf die Offensive türkischer Streitkräfte in Nordsyrien gewertet, sie verstösst deshalb gegen die Uefa-Richtlinien, wonach politische Äusserungen in den Stadien verboten sind. Dem Verband TFF drohen nun Konsequenzen.

Die Uefa leitete deshalb aufgrund eines möglichen provokativen politischen Verhaltens eine Untersuchung gegen die türkischen Profis ein. Nun sind Sanktionen von einer Ermahnung über eine Geldstrafe bis hin zu einer Platzsperre oder gar Punktabzüge möglich. Eine harte Strafe gilt aber als unwahrscheinlich, weil die Uefa den Spielern wohl erst einmal nachweisen müsste, dass sie mit der Geste tatsächlich die umstrittene Türkei-Offensive in Nordsyrien befürworten.

Zweifellos rassistisch waren hingegen die Vorfälle in Bulgarien, die vermutlich zum den Richtlinien entsprechenden Geisterspiel führen werden. Ausserdem kosteten sie Verbandspräsident Boris Michailow den Job, der unter dem grossen öffentlichen Druck noch am Dienstag zurücktrat. Die Forderung nach dem «sofortigen Rücktritt» kam am Dienstag vom Premierminister Bojko Borissow höchstpersönlich.

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