Afrika-Cup
Spitzenklubs im ewigen Streit um die Spieler-Abstellungen – Afrikanische Fussballer fordern mehr Respekt

Am Sonntag beginnt der Afrika-Cup. Viele europäische Spitzenklubs ärgern sich über die Abwesenheit ihrer Stars.

Raphael Gutzwiller
Drucken
Jürgen Klopp (links) will nicht auf Ägypten-Star Mohamed Salah verzichten.

Jürgen Klopp (links) will nicht auf Ägypten-Star Mohamed Salah verzichten.

EPA (11. 12. 2018)

Die Aussage kam in den falschen Hals. «Es steht im Januar noch ein kleines Turnier an», sagte Jürgen Klopp. Eigentlich meinte der Liverpool-Trainer die Aussage ironisch, doch die Aussage wurde vielerorts als Beleidigung ausgelegt.

Der europäische Blick auf den 33. Afrika-Cup, der ab Sonntag bis am 6. Februar in Kamerun ausgetragen wird, ist ein kritischer. Klopp hatte schon im Vorjahr von einer Katastrophe gesprochen, Leverkusens Rudi Völler bezeichnete das Turnier als «ärgerlich». Unter dem Deckmantel von Omikron-Diskussionen kritisieren die europäischen Spitzenklubs den Wettbewerb. Damit wird eine alte Diskussion wieder aufgewärmt. Schon seit Jahren ärgern sich die europäischen Spitzenklubs darüber, dass ihre afrikanischen Stars im Januar jeweils für die Nationalteams auflaufen. Zunächst hatte die Europäischen Klubvereinigung ECA angekündigt, ihren Spielern die Freigabe für das Turnier zu verweigern.

Ian Wright: «Die Berichterstattung ist rassistisch, völlig gefärbt»

Auf der anderen Seite klagen Vertreter des afrikanischen Fussballs über fehlender Respekt. Senegal-Coach Aliou Cissé sagte, dass Jürgen Klopp mit seiner Aussage den Wettbewerb «erniedrigen» würde. Auch der ehemalige Manchester-Profi Patrice Evra kritisierte «fehlenden Respekt». Und der ehemalige nigerianische Nationaltrainer Gernot Rohr meinte: «Vom sportlichen Wert und von der Popularität in Afrika her ist das Turnier für mich ein Höhepunkt im internationalen Fussball.»

Gar von Rassismus in der europäischen Berichterstattung sprach Arsenal-Legende Ian Wright. «Gab es jemals ein Turnier, das respektloser behandelt wurde als der Afrika-Cup?», fragte er in einem Video in den sozialen Medien. «Es gibt keine grössere Ehre als Sportler, als sein Land vertreten zu dürfen. Die Berichterstattung ist rassistisch, völlig gefärbt.» Weiter zieht er einen Vergleich zur EM im letzten Sommer: «Wir spielen unsere Europameisterschaften in zehn Ländern mitten in der Pandemie. Und es ist überhaupt kein Thema. Aber Kamerun als einziger Gastgeber soll jetzt ein Problem sein?» Ähnlich kritisch äusserten sich in der Folge auch der ehemalige Barcelona-Stürmer Samuel Eto’o oder der heutige Ajax-Torjäger und der Elfenbeinküste.

Manchester-City-Star Riyad Mahrez (Mitte) stemmt mit Algerien 2019 den Pokal des Afrika-Cups in die Höhe.

Manchester-City-Star Riyad Mahrez (Mitte) stemmt mit Algerien 2019 den Pokal des Afrika-Cups in die Höhe.

Hassan Ammar / AP

Besonders die englische Premier League beklagt den Verlust seiner Stars. Über 30 Spieler aus der Premier League werden für das Turnier in Kamerun abgestellt. Darunter fehlen auch einige Stars. Manchester City muss auf Riyad Mahrez (Algerien) verzichten, Liverpool unter anderem auf Sadio Mané (Senegal), Mohamed Salah (Ägypten) und Naby Keïta (Guinea). Da Titelverteidiger Algerien, Ägypten und Senegal zu den grossen Favoriten zählen, könnten die Spieler ihren Klubs noch bis in den Februar hinein fehlen.

Einige Spieler aus der Schweiz – und Saidy Janko

Die Diskussionen in der Schweiz sind derweil weniger laut. Zwar müssen auch Super-League-Klubs in der Vorbereitung und beim Rückrundenstart ohne ihre afrikanischen Spieler auskommen, in Sachen Marktwerte kann sich das Kontentalturnier auch positiv auswirken.

YB schickt Nicolas Moumi Ngamaleu (Kamerun) und Mohamed Ali Camara (Guinea) an das Turnier, St. Gallen Torhüter Lawrence Ati Zigi (Ghana), Basel Nasser Djiga (Burkina Faso), Lugano Mohamed Amoura (Algerien) und der FC Zürich Stürmerstar Assan Ceesay, der für Gambia auf Torjagd gehen wird.

Pa Madou ist am Afrika Cup dabei - obwohl er beim FC Dietikon in der 2. Liga interregional spielt.

Pa Madou ist am Afrika Cup dabei - obwohl er beim FC Dietikon in der 2. Liga interregional spielt.

Alexander Wagner

Bei Gambia steht auch Pa Madou Jagne im Aufgebot – was einem kleinen Märchen gleich kommt. Im Sommer 2020 ist der Vertrag des Aussenverteidigers beim FC Zürich ausgelaufen, danach war er vertragslos. Inzwischen spielt er in der 2. Liga interregional für den FC Dietikon – und schaffte es zurück ins Nationalteam.

Ebenfalls für Gambia am Afrika-Cup läuft der in Zürich geborene Saidy Janko auf. Der ehemalige YB-Spieler hat im Oktober sein erstes Aufgebot für das Land seines Vaters angenommen. Davor hat der Aussenverteidiger vergeblich auf ein Aufgebot der Schweiz gewartet. Gegenüber BBC sagte Janko, der zuvor nur einmal in Gambia war: «Mein Vater hat immer gesagt, es ist deine Entscheidung, ob du für die Schweiz oder Gambia spielst. Jetzt ist der richtige Moment, für Gambia zu spielen.»