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Alarm beim Weltmeister Deutschland

Deutschland offenbart im Auftaktspiel gegen Mexiko erschreckende Mängel. In dieser Verfassung ist selbst der Einzug in die K.-o.-Runde in Gefahr. Trainer Joachim Löw übt sich in Deeskalation.
Marco Mader und Oliver Mucha (SID)
Fühlt sich oft alleingelassen: Verteidiger Mats Hummels. (Bild: Eduardo Verdugo/AP (Moskau, 17. Juni 2018)

Fühlt sich oft alleingelassen: Verteidiger Mats Hummels. (Bild: Eduardo Verdugo/AP (Moskau, 17. Juni 2018)

Joachim Löw sprach in der Abgeschiedenheit der Birkenwäldchen von Watutinki Klartext. Nach der entlarvenden WM-Startpleite und einer unruhigen Nacht knöpfte der deutsche Nationaltrainer sich seine Spieler hinter verschlossenen Türen vor. «Wir müssen Korrekturen anbringen, eine Reaktion zeigen und uns an unsere Stärken erinnern. Jetzt müssen wir gewinnen», hatte Löw seinen Weltmeistern schon direkt nach dem erschreckenden Auftritt beim 0:1 gegen Mexiko ins Gewissen geredet.

«Mit so einem Auftritt kann man kein WM-Spiel gewinnen», schimpfte Abwehrchef Jérôme Boateng. Wenn die Titelverteidiger am Samstag in ihrer Confed-Cup-Oase Sotschi gegen Schweden «wieder so auftreten, mache ich mir Sorgen», assistierte Verteidiger Mats Hummels.

Harsche Kritik von Ex-Captain Ballack

Das Selbstbild, auch vier Jahre nach dem Rio-Triumph eine der besten Mannschaften der Welt zu sein, hat in Moskau tiefe Risse bekommen. Wankende Säulen, riesige defensive Löcher, atmosphärische Störungen – nichts deutet auf eine Rückkehr in den Final am 15. Juli hin. «Keine gute Balance, kein Teamspirit, Hunger oder Hingabe», monierte Ex-Captain Michael Ballack als einer von vielen Kritikern bei Twitter. «Löw ist gefordert!» Das sieht auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff so. Wenn sich Muster wie in der überaus anfälligen Defensivarbeit wiederholten, «muss man tiefergehen», sagte er – ein klarer Auftrag für Löw. Und der Bundestrainer? Übte sich in Deeskalation. «Wir werden deswegen nicht auseinanderfallen», sagte er bestimmt und versprach: «Wir werden wieder aufstehen!» Verkennt er die Realität?

Dass seine Mannschaft wie die Weltmeister Italien (2010) und Spanien (2014) schändlich in der Vorrunde scheitern könnte, ist für ihn undenkbar. «Uns wird das nicht passieren, wir werden es schaffen», sagte er. Doch wie das Spiel seines Teams, in dem sich die Stars irgendwann nur noch gegenseitig anmotzten, hatte auch Löws Auftritt Anzeichen von Götterdämmerung. Zwar wies er die Aussagen vieler Spieler zurück, sie seien von Mexikos simpler Kontertaktik überrascht worden. Einen Plan B aber hatte er nicht. Muss Löw ihn nicht spätestens jetzt entwickeln? «Den Plan über den Haufen schmeissen – das machen wir schon gar nicht», sagte er mit Nachdruck.

Alternativen für Khedira drängen sich auf

Doch einstige Stärken wie Tempo nach vorne, vor allem aber das defensive Umschaltspiel sind längst die grössten Baustellen. «Unsere Absicherung ist nicht gut, das muss man ganz klar sagen», sagte Hummel. «Jérôme und ich stehen da oft alleine da.» Dabei war darüber schon im Vorfeld intensiv gesprochen worden, schimpfte Boateng: «Jetzt ist WM, und wir haben es immer noch nicht kapiert!»

Und jetzt? «Wir müssen den Ball schnell laufen lassen und tiefe Wege gehen», sagte Löw, dem sich Flügelstürmer Marco Reus als Alternative aufdrängt. Anstelle des desolaten Sami Khedira könnten Ilkay Gündogan oder Leon Goretzka spielen. «Es ist noch alles möglich», sagte Weltmeister-Captain Philipp Lahm beim Besuch vor Ort, der «kleine Rückschlag» könne die Mannschaft enger zusammenrücken lassen. Allerdings: Schweden hat gestern mit dem 1:0-Arbeitssieg gegen Südkorea den Druck auf den Weltmeister erhöht. Die Skandinavier könnten am Samstag im Direktduell (20 Uhr/SRF zwei) bereits in die K.-o.-Runde einziehen – auf Kosten der angeschlagenen Deutschen.

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