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Alex Frei und die böse Erinnerung an Irland – was die Schweiz nun besser machen muss

Die Schweiz bestreitet am Dienstagabend in Genf gegen Irland das vorerst entscheidende EM-Qualifikationsspiel. Sie muss verhindern, in eine Krise zu stürzen. Dafür bräuchte sie einen zuverlässigen Torschützen wie es Frei einst war. Gegner Irland hat in der EM-Qualifikation erst zwei Treffer kassiert.
Etienne Wuillemin
«Ja, es läuft derzeit harzig. Aber ein gutes Team geht durch schwierige Phasen und bleibt cool.» Sagt Torhüter Yann Sommer. (Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone)

«Ja, es läuft derzeit harzig. Aber ein gutes Team geht durch schwierige Phasen und bleibt cool.» Sagt Torhüter Yann Sommer. (Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone)

Der Gast steht ganz hinten in der Ecke. Manchmal lauscht er den Äusserungen von Granit Xhaka, Yann Sommer und Vladimir Petkovic. Manchmal richtet er seinen Blick kurz aufs Smartphone. Die Erinnerungen an ihn als Fussballer sind sehr präsent. Gerade in einer Phase wie dieser, wo die Schweiz gerne einen Stürmer in den Reihen hätte, der regelmässig Tore schiesst. So, wie das Alex Frei jahrelang zuverlässig tat.

«Ich werde seit fünfeinhalb Jahren in Frage gestellt.» Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic vor dem kapitalen Spiel gegen Irland. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

«Ich werde seit fünfeinhalb Jahren in Frage gestellt.» Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic vor dem kapitalen Spiel gegen Irland. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Jetzt steht Frei also im Medienraum des Stade de Genève. Er absolviert gerade einen Kurs, um die Uefa-Pro-Lizenz als Trainer zu erlangen. Dazu gehört der Besuch der Medienkonferenz des Nationalteams. Er grüsst freundlich. Möchte er über die Nati von heute sprechen? «Lieber nicht.» – «Wäre aber spannend!» – «Es ist doch immer spannend.»

Stimmt. Gerade aber vielleicht noch etwas mehr als sonst. Das hat auch mit den fehlenden Toren der Schweizer Stürmer zu tun. Und darum ist Schweiz-Irland heute Abend das vorgezogene Endspiel für die direkte EM-Qualifikation.

Vladimir Petkovic und die Frage nach der Zukunft

Für einen ist diese Partie besonders wichtig: Trainer Vladimir Petkovic. Noch nie in seiner Karriere als Schweizer Nationaltrainer seit 2014 war er derart unter Druck wie jetzt. Es geht für ihn auch darum, zu beweisen, weiterhin der richtige Trainer für die Schweiz zu sein. Ganz unabhängig davon, ob sein Vertrag im Sommer 2020 überhaupt verlängert würde.

«Es kommen immer wieder Zeiten, wo man in Frage gestellt wird. Bei mir vielleicht ein bisschen häufiger. Eigentlich werde ich seit fünfeinhalb Jahren in Frage gestellt. Aber jetzt geht es nicht um Vladimir Petkovic oder andere einzelne Personen. Es geht darum, als Mannschaft zu gewinnen und an die EM zu kommen.»

Die Schweizer betonen, die Enttäuschung von Kopenhagen, von diesem unnötigen 0:1, überwunden zu haben. Torhüter Yann Sommer sagt: «Es bringt nichts, daran rumzustudieren. Wir haben uns gesagt: Kopf hoch und dann mit viel Mut und Konzentration einlaufen gegen Irland.»

Seit die Generation um Xhaka und Shaqiri die Nati prägt, fragt man sich: Wie gut ist dieses Team wirklich? Kann einmal sogar der grosse Wurf gelingen, also ein Viertelfinal an einer Endrunde? Sommer sagt «Ja, es läuft derzeit harzig. Aber ein gutes Team geht durch schwierige Phasen und bleibt cool.» Es klingt für das Duell gegen Irland wie ein Versprechen. Doch nun müssen die Schweizer beweisen, dass sie wieder mal ein entscheidendes Spiel gewinnen können.

Stratege Granit Xhaka ist zuversichtlich, dass das klappt. «Es ist nicht das erste Mal, dass wir Druck haben. Wir wissen, wie wir damit umgehen müssen.» Xhaka wurde vorletzten Sonntag erstmals Vater, reiste darum erst am Mittwoch zum Team. «Seit ich eingerückt bin, zählt nur eines: die Konzentration auf den Fussball. Danach kann ich mich immer noch freuen, wenn ich mit drei Punkten nach Hause komme.»

Irland vergleicht Schweiz mit Manchester City

Es wäre dringend nötig, dass es genauso kommt. In erster Linie natürlich, damit die direkte EM-Qualifikation weiter möglich bleibt. Aber auch, um ein Signal zu senden gegen die Tendenz, dass derzeit aus Schweizer Sicht alles schief läuft, was schief laufen kann. Sollte auch im vierten Duell mit den härtesten Gruppen-Widersacher Dänemark/Irland kein Sieg gelingen – es würde sehr kritische Fragen provozieren.

Die Ausgangslage für Irland ist selbstredend verheissungsvoll. Ein Sieg aus den letzten beiden Partien gegen die Schweiz oder Dänemark reicht ihnen, um an die EM zu fahren. Es bedeutet aber auch: Ob sie gegen die Schweiz unentschieden spielen oder verlieren, ist einerlei – was der Schweiz wiederum entgegen kommen könnte, sollte es lange 0:0 oder 1:1 stehen, weil dann Irland plötzlich ebenfalls mehr riskieren dürfte.

Trainer Mick McCarthy lobte die Schweizer gestern mehrfach. «Sie sind klar das beste Team der Gruppe. Aber das garantiert nicht, dass sie auch gewinnen werden. Manchester City fuhr auch nach Norwich und verlor.» Und schliesslich fügte er noch an: «Natürlich hoffe ich, die Schweizer kassieren wieder ein spätes Gegentor. Aber ich glaube nicht, dass es wieder passieren wird.»

Und Alex Frei? Eine Erinnerung seiner Nati-Karriere würde man gerne ausblenden. Vor fast genau 14 Jahren war es, als Frei im WM-Qualifikationsspiel in Irland in der 90. Minute alleine aufs Tor stürmte. Er übersah den freistehenden Marco Streller, vergab die Chance. Es blieb darum beim 0:0 und die Schweiz musste darum in die legendäre Barrage gegen die Türkei.

Auf ein solches Szenario würden Petkovic und Co. liebend gerne verzichten.

Die fatale Chance von Alex Frei 2005 in Dublin. Die Schweiz spielte in Irland nur 0:0 und musste darum in die legendäre Barrage gegen die Türkei. (Bild: Keystone)

Die fatale Chance von Alex Frei 2005 in Dublin. Die Schweiz spielte in Irland nur 0:0 und musste darum in die legendäre Barrage gegen die Türkei. (Bild: Keystone)

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