Aline Danioth und Marco Odermatt sind bereit für den grossen Schritt

Letzte Saison gewannen die Andermatterin Aline Danioth und der Buochser Marco Odermatt zusammen sieben Juniorenweltmeister-Titel. Nun wollen sich beide im Weltcup durchsetzen. Bei weitem nicht die einzige Gemeinsamkeit der jungen Innerschweizer.

Cyril Aregger
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Freuen sich auf die kommende Skisaison: Aline Danioth und Marco Odermatt. (Bild: Manuela Jans-Koch (Malters, 5. Oktober 2018))

Freuen sich auf die kommende Skisaison: Aline Danioth und Marco Odermatt. (Bild: Manuela Jans-Koch (Malters, 5. Oktober 2018))

Davos ist für Marco Odermatt ein gutes Pflaster. Bei jedem seiner fünf Starts an den Jugendweltmeisterschaften im Februar leuchtete am Ende die Nummer eins auf. Zum Saisonabschluss kamen noch zwei Schweizer-Meister-Titel in der Abfahrt und im Super-G hinzu – ebenfalls in Davos. Doch nicht nur der Buochser, der am Montag seinen 21. Geburtstag feiern wird, hat gute Erfahrungen ans Bündnerland. Aline Danioth hatte ebenfalls Grund zum Feiern: Gold in der Kombination und im Teamwettbewerb machten auch die 20-jährige Andermatterin zur Doppel-Weltmeisterin.

Dass die ganz grossen Schlagzeilen im Februar Marco Odermatt und seinen Siegen in der Abfahrt, im Super-G, der Kombination, im Riesenslalom und im Teamwettbewerb gehörten. Geschenkt. «Er ist mir ganz sicher nicht vor der Sonne gestanden», sagt Danioth bestimmt. «Im Gegenteil. Ich habe mich riesig über seine Erfolge gefreut. Schliesslich kennen wir uns auch schon ziemlich lange.» Tatsächlich haben Danioth und der gut fünf Monate ältere Odermatt ihre bisherigen Karrieren beinahe im Parallelslalom absolviert, waren beispielsweise fünf Jahre lang gemeinsam im Kader des zentralschweizerischen Skiverbandes ZSSV.

Doch die Parallelen hören da noch längst nicht auf:

  • Juniorenweltmeisterschaften: Danioth und Odermatt konnten sich beide schon vor Davos Juniorenweltmeister nennen. Beide gewannen bereits 2016 in Sotschi Titel: Danioth in der Kombination, Odermatt im Riesenslalom.
  • Verletzungen: Aline Danioth erlitt Ende 2016 einen Kreuzbandriss, ihre Saison war vorbei. Marco Odermatt erlitt im Anfang 2017 einen Meniskusschaden – Saisonende. Nach ihren überstandenen Verletzungen waren beide in der Saison 2017/18 stärker als zuvor.
  • Weltcup: Beide haben bisher 16 Weltcup-Starts zu verzeichnen. Odermatt holte seine ersten Punkte 2016 beim Riesenslalom in St. Moritz (Platz 22), seinem ersten Weltcuprennen. Danioth gewann Ende 2017 beim Slalom in Lienz mit Platz 19 ihre ersten Punkte. Odermatt erreichte bisher sieben Mal die Punkteränge, Danioth vier Mal. In der letzten Saison fuhren beide je drei Mal in die Punkte: Odermatt beim Saisonfinal in Are in der Abfahrt, im Super G und im Riesenslalom, Danioth in den Slaloms von Flachau und Ofterschwang, wo sie auch im Riesenslalom punkten konnte.
  • Ski: Odermatt und Danioth fahren mit Stöckli-Skis. Odermatt schon seit rund 10 Jahren, Danioth ist auf diese Saison hin zum Hersteller aus Malters gewechselt – nicht ohne sich zuvor Odermatts Meinung eingeholt zu haben. Er habe ihr den Wechsel «völlig neutral» empfohlen, erzählte Odermatt am gestrigen Saisonstart-Event von Stöckli in Malters – unter dem Gelächter der anwesenden Mitarbeiter. Ob Odermatt wirklich den Ausschlag für den Wechsel geben musste, bleibt offen. Schliesslich hat Danioth schon als Kind davon geträumt, mit den Schweizer Skis Rennen zu fahren, wie sie am Freitag glaubwürdig versicherte.

Die Parallelen in ihren Karrieren sind natürlich auch den beiden Innerschweizern aufgefallen. «Aline ist fast so etwas wie mein weibliches Double», scherzt Marco Odermatt.

Die Tipps von Bernhard Russi

Auch die Ziele der beiden für die kommende Saison ähneln sich: Beide wollen sich nach den grossen Erfolgen bei den Junioren nun endgültig im Weltcup etablieren. Aline Danioth hat sich dank dem Gewinn des Slalom-Europacups einen fixen Startplatz in dieser Disziplin und einen Startplatz in den Top 30. «Diese Ausgangslage will ich nutzen und meinen Platz festigen», sagt sie entschlossen. Und auch im Riesenslalom soll bald der Sprung in die Top 30 gelingen. Der Super-G schliesslich soll in Zukunft Danioths drittes Weltcup-Standbein werden. Doch bis zu den ersten Einsätzen wird es noch ein wenig dauern. «Es ist schwierig, alle drei Disziplinen genügend intensiv zu trainieren. Deshalb konzentriere ich mich vorerst auf den Slalom und den Riesenslalom.»

Die Saison beginnt für sie wie auch für Odermatt Ende Oktober mit den Riesenslaloms in Sölden. Grossen Druck verspürt sie nicht. Auch die Weltmeisterschaften im Februar in Are seien noch weit weg. «Ich will einfach das Beste geben. Wenn mir das gelingt, kann ich zufrieden sein», sagt Danioth, die ab und an auch von Bernhard Russi, dem berühmtesten Andermatter Skifahrer, Tipps erhält. «Von seiner Erfahrung kann ich nur profitieren. So sprach er mir während meiner Verletzung Mut zu. Fast jeder Skifahrer habe so etwas durchmachen müssen. Wichtig sei, dass man eine solche Pause auch als Chance begreife.»

Odermatts Unterstützung aus Österreich

Marco Odermatt hingegen riskiert bereits einen kurzen Blick Richtung Weltmeisterschaft in Are – also an jenem Ort, an dem er im letzten März beim Saisonabschluss mit den Rängen 12 in der Abfahrt, 11 im Super-G und 15 im Riesenslalom für Aufsehen gesorgt hat: «Eigentlich ist es ganz einfach: Du musst zwei Mal in die ersten fünfzehn fahren, dann bist du dabei», meint er schmunzelnd. Aber erst einmal muss auch er sich im Weltcup festsetzen. «Um das zu erreichen, habe ich schliesslich im letzten Jahr die FIS-Punkte gesammelt.» Dank Platz 2 im Riesenslalom-Europacup hat Odermatt in dieser Disziplin einen Startplatz auf sicher. Dort will er auch als Erstes in die Top 30 der Welt vorstossen «und schauen, was in der Abfahrt und im Super-G möglich ist.»

Auch Odermatt sagt, er verspüre kaum Druck von aussen. Wenn, dann mache er sich diesen selber. Obwohl er als erster Schweizer Alpinskifahrer von Red Bull unterstützt wird? Die Österreicher gelten als grosszügiger Partner, der seine Athleten auch im hochmodernen Sport-Leistungszentrum in Salzburg betreut. Gleichzeitig ist der Energy-Drin-Hersteller aber auch als sehr fordernd bekannt. «Ich sehe es als Chance. Red Bull kann mir sehr viel bieten. Und den Vertrag habe mir schon mit meinen Leistungen im letzten Jahr verdient», sagt Odermatt selbstbewusst.

«Als Spitzensportler hast du einen Plan A»

Und was ist, wenn es mit dem Sprung in den Weltcup entgegen aller Hoffnungen und Erwartungen doch nicht klappt? Natürlich habe man das irgendwo im Hinterkopf, gesteht Odermatt. Aber: «Als Spitzensportler hast du einen Plan A. Und der muss funktionieren.»

24 Athleten für Stöckli am Start

«Stöckli ohne Rennsport ist nicht vorstellbar. Stöckli hat den Rennsport in den Genen», sagte CEO Marc Gläser an der freitäglichen Saison-Medienkonferenz. Insgesamt 24 Athleten gehen in der kommenden Saison für die Luzerner Skibauer an den Weltcup-Start. Sie sorgen dafür, dass die Firma Stöckli mit seinen rund 250 Mitarbeitern und dem Hauptsitz in Malters in der (Ski-)Welt bekannt gemacht wird.

13 Athletinnen und Athleten starten in den alpinen Disziplinen. Die internationalen Aushängeschilder sind die deutsche Viktoria Rebensburg (29, amtierende Riesenslalomweltcup-Siegerin und Olympiasiegerin 2010) und die Slowenin Ilka Stuhec (27), amtierende Abfahrts-Weltmeisterin und Siegerin des Abfahrtsweltcups 2016/17.

Bereits im Weltcup etabliert hat sich auch die Bündnerin Jasmine Flury (25), die im letzten Dezember im Super-G von St. Moritz ihren ersten Weltcupsieg feiern konnte. Der Sieg brachte Flury aber nicht nur Glück, wie sie am Freitag sagte: «Kurz darauf hatte ich etwas Mühe. Ich wollte den Sieg unbedingt bestätigen und habe mir deshalb zu viele Gedanken gemacht. Dinge hinterfragt, die ich noch in Frage gestellt habe.» Diese für sie neue Situation habe sie aber nun verarbeitet. «Jetzt ist mein Erfahrungs-Rucksack gut gefüllt, davon werde ich in Zukunft zehren können.» Für die kommende Saison hat sich die Speed-Spezialistin klare Ziele gesetzt: Sie will in der Abfahrt in die Top 15 vorstossen. Eine Position, die sie im Super-G bereits inne hat.

Im Skicross zählen die Waadtländerin Fanny Smith (26), Bronzemedaillengewinnerin in Pyeongchang und die Kanadierin Marielle Thompson (26, Olympiasiegerin 2014 in Sotschi) zu den Stars des Stöckli-Teams. (ca)

Das Stöckli-Ski-Team. Alpin: Viktoria Rebensburg (GER), Ilka Stuhec (SLO), Jasmine Flury (SUI), Stacey Cook (USA), Andrea Ellenberger (SUI), Patricia Dorsch (GER), Tina Maze (SLO, Rücktritt 2016), Marco Odermatt (SUI), Martin Cater (SLO), Nils Mani, Marco Kohler, Urs Kryenbühl, Stefan Rogentin (alle SUI). – Skicross: Fanny Smith (SUI), Sanna Lüdi (SUI), Marielle Thompson (CAN), Talina Gantenbein (SUI), Priscilla Annen (SUI), Chris Del Boxco (CAN), Daniel Bohnacker (GER), Armin Niederer, Jonas Lenherr, Alex Fiva (alle SUI),