Allegri will mit der Alten Dame eine Mission erfüllen

Im Sommer war er als Trainer bei Real Madrid im Gespräch. Nun macht sich Massimiliano Allegri auf, mit Juventus Turin den ersehnten und seit 1996 fehlenden Titel in der Champions League zu holen. Am Dienstag (18.55 Uhr) empfängt Juve die Young Boys.

Lukas Plaschy, Rom
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Für Trainer Massimiliano Allegri ist Fussball eine simple Sache.Bild: EPA/Elisabetta Baracchi

Für Trainer Massimiliano Allegri ist Fussball eine simple Sache.Bild: EPA/Elisabetta Baracchi

Es ist nicht Massimiliano Allegris Art, einen Gegner zu unterschätzen. Nichts versetzt den Coach von Juventus mehr in Rage, als wenn sein Team eine Begegnung zu nonchalant angeht. Dann reisst sich der 51-Jährige aus Livorno schon mal wütend die edle Anzugsjacke vom Leib und schimpft an der Seitenlinie in seinem breiten toskanischen Dialekt wie ein Rohrspatz. Leidtragende sind neben den Spielern meist auch Allegris Stimmbänder. Das Champions-League-Gruppenspiel am Dienstag gegen die Young Boys soll für den italienischen Rekordmeister trotzdem nicht mehr als eine Pflichtaufgabe auf dem Weg in die Ko-Phase sein. Zwar fehlt dem italienischen Rekordmeister der gesperrte Cristiano Ronaldo. Doch mit dem Punktemaximum aus sieben Spielen dominieren die Bianconeri bereits im Frühherbst die Serie A wieder nach Belieben. Der Monolog geht nun bereits in die achte Saison, seit 2012 gewann die Alte Dame sieben aufeinanderfolgende Meisterschaften. Die letzten vier mit jeweils dem Double aus Scudetto und Coppa Italia gehen auf das Konto von Allegri.

Kurz nach Saisonende gab es Gerüchte, dass sich die Wege zwischen Juventus und seinem Meistercoach trennen könnten. Der Trainer mit Vergangenheit bei Sassuolo, Cagliari und der AC Milan hatte ein Angebot von Real Madrid vorliegen. Jenes Real also, das 2017 den Turiner Traum vom Gewinn der Champions League im Finale hatte platzen lassen. Ohne einen europäischen Titel bliebe Allegris Mission mit Juventus allerdings unerfüllt. Seine Entscheidung erleichtert hat sicher der Umstand, dass mit Ronaldo ein weiterer Superstar das starke Kader verstärkt. So macht sich Allegri an den Auftrag, die Champions-League-Trophäe erstmals seit 1996 wieder ins Piemont zu holen und damit auch das Missverhältnis zwischen Scudetti (34) und Champions-League-Titeln (2) aufzubessern.

Das Lob von Marcello Lippi

Für Marcello Lippi gehört Allegri zu den Besten seines Fachs. Lippis Urteil hat Gewicht, als Nationaltrainer führte der heute 70-Jährige die Squadra Azzurra 2006 zu ihrem vierten und bisher letzten Weltmeistertitel. «Allegri hat es verstanden, die Arbeit seines Vorgängers Conte sukzessive weiterzuentwickeln, um dann seine eigenen Ideen umzusetzen», meint Lippi. Allegri könne ein Spiel von der Trainerbank lesen und dann die passenden taktischen Massnahmen ergreifen. Tatsächlich ist die Juve für die gegnerischen Teams schwer einzuschätzen. In der laufenden Saison wechselte Allergri bereits viermal das Spielsystem. Mal agiert er mit einer Viererabwehrkette, dann mit einer Dreierabwehr. Mal spielt Ronaldo Mittelstürmer, dann wieder der Kroate Mandzukic. Fussball sei eigentlich eine simple Sache, meint Allegri. «Fussball ist nicht nur Theorie und Bücher. Entscheidend ist vor allem Praxis.»

Allegris Stärke liegt vor allem in der Fähigkeit, eine Mannschaft aus Individualisten zu führen. Wird die Harmonie durch Extravaganzen gestört, schreitet er ein. So wurde Arturo Vidal aus disziplinarischen Gründen 2015 an Bayern München verkauft. Allegri definiert sich als Coach, der sich ganz den Vorgaben seines Vereins unterordnet. «Die Aufgabe des Trainers ist es, Resultate zu liefern, welche dazu führen, den Wert der einzelnen Spieler steigern.» Mit dem Gewinn der Champions League wäre diese Aufgabe erfüllt – und Allegri wohl definitiv im Olymp der besten Trainer aufgenommen.