Alois Boog, der Prototyp des Sennenschwingers

Im Alter von bald 81 Jahren ist kürzlich der in Horw wohnhafte Alois Boog gestorben. Er gehörte in den sechziger Jahren zu den «Bösesten», nämlich zu den besten Schwingern des Landes.

Simon Gerber
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Alois Boog (links) im Duell mit Kaspar Mächler

Alois Boog (links) im Duell mit Kaspar Mächler

Bild: Christian Mutzner

Das Highlight in der glanzvoll verlaufenen sportlichen Laufbahn erlebte Alois Boog, der gebürtige Oberkircher, am Eidgenössischen Schwingfest 1964 in Aarau. Mit dem Sieg im siebten Duell gegen den höher eingestuften Nordostschweizer Karl Oberholzer erreichte der Luzerner überraschend den Schlussgang. Diesen verlor er nach tapferer Gegenwehr gegen den favorisierten und körperlich überlegenen Karl Meli nach drei Minuten auf einen Kurz. Der Winterthurer holte mit diesem Erfolg vor 30'000 Zuschauerinnen und Zuschauern nach 1961 zum zweiten Mal die Königskrone.

«Allein schon den Schlussgang erreicht zu haben, war für mich ein herrliches und unvergessliches Erlebnis»,

blickte Alois Boog später auf diesen Grossanlass zurück. Und schon ein Jahr später glückte ihm als Gast am Nordostschweizer Schwingfest im Auftaktduell gegen den zweifachen Schwingerkönig Karl Meli eine eindrückliche Revanche.

Zwei Siege am Luzerner Kantonalfest

Zu den weiteren Karrierehöhepunkten von Alois Boog zählte der Triumph am Innerschweizer Schwingfest 1966 in Arth. Zweimal 1965 und 1969 liess sich der als Draufgänger bekannte Sägemehlathlet am Luzerner Kantonalfest als Sieger feiern. In lebhafter Erinnerung blieb auch der Kilchberger-Schwinget 1967, den der Innerschweizer nach einer überaus harten Einteilung mit dem ausgezeichneten vierten Schlussrang beendete. Herausragend war insbesondere das Unentschieden im letzten Kampf gegen Rudolf Hunsperger, der ein Jahr zuvor in Frauenfeld als Rekrut erstmals Schwingerkönig geworden war. Insgesamt holte Boog 43 Kränze, davon drei von eidgenössischer Prägung, nämlich 1961 in Zug, 1964 in Aarau und 1969 in Biel. Die wohl grösste Enttäuschung erlebte der Naturbursche am Eidgenössischen Schwingfest 1966 in Frauenfeld. Mit der nicht einkalkulierten Niederlage im achten Gang warf ihn der Berner Hanspeter Schärz völlig überraschend aus den Kranzrängen.

Der gelernte Metzger war Mitglied des Schwingklubs Surental und verkörperte den Prototyp des Sennenschwingers. Durch seine offensiven, dynamischen und kraftvollen Angriffe aus Stand galt der Verstorbene als ausgesprochener Schönschwinger und Publikumsliebling. Wenn Alois Boog mit der Kombination Kurz/Schlungg oder zu einem blitzschnellen Kniestich ansetzte, stand der Gegner meistens auf verlorenem Posten. 1971 trat der fünffache Familienvater nach dem zweiten Rang am Luzerner Kantonalfest im Alter von 32 Jahren vom Schwingsport zurück. Danach stellte er sich mehrere Jahre als versierter und gefragter Kursleiter im ganzen Land zur Verfügung. Bis zuletzt verfolgte Alois Boog das Geschehen im Sägemehlring als gern gesehener Zuschauer.

Auch Sohn Alois ist ein «Eidgenosse»

Als am Sport sehr interessierter Zeitgenosse lernte Alois Boog im Alter von fünfzig Jahren noch das Skifahren. Grosse Freude bereiteten ihm seine fünf Kinder. Die drei Söhne Alois, Thomas und Guido verschrieben sich ebenfalls dem Schwingsport. Alois junior trat in die Fussstapfen seines erfolgreichen Vaters. 1989 liess er sich in Stans mit dem eidgenössischen Kranz krönen und gewann 1987 das Luzerner Kantonalfest. Mit Alois Boog verliert der Schwingsport eine stets bescheiden gebliebene und sympathische Persönlichkeit.