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Als Borba Luzern Schweizer Meister im Handball wurde: «Wir fühlten uns wie kleine Stars»

Hermann Matter (51) war Kreisläufer von Borba Luzern, das 1993 den einzigen Meistertitel im Handball gewann.

Stephan Santschi
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Historische Bedeutung hat er, der Meistertitel von Borba Luzern im Jahr 1993. Einerseits, weil es bis heute die einzige Zentralschweizer Trophäe im Männer-Handball geblieben ist. Andererseits, weil die Ausmarchung einzigartig war. Erstmals in der Geschichte des Schweizer Handballs bedurfte es nämlich einer Entscheidungsrunde, um den Champion zu küren, da nach der Finalrunde Pfadi Winterthur, Borba Luzern und Kadetten Schaffhausen punktgleich an der Spitze standen. Und so mussten die drei Teams noch je einmal gegeneinander antreten.

Zeitungsausschnitt mit Borbas Meistermannschaft von 1993, unten in der Mitte mit der Nummer 2: Hermann Matter.

Zeitungsausschnitt mit Borbas Meistermannschaft von 1993, unten in der Mitte mit der Nummer 2: Hermann Matter.

Bild: Nadia Schärli

Borba rang Schaffhausen vor 1000 Zuschauern in der Maihofhalle ein 17:17-Remis ab – dank einem Tor von Carlos Lima zwei Sekunden vor Schluss. Im letzten Duell mit Winterthur, das die Kadetten 26:24 bezwungen hatte, brauchte es in der Zürcher Saalsporthalle aber einen Sieg, um den Titelverteidiger zu entthronen.

Besuch von Matjaz Tominec in der Metzgerei

Die Partie war an Dramatik kaum zu überbieten. Pfadis neuer südkoreanischer Superstar Jae-Won Kang verschoss kurz vor dem Ende einen Penalty, Borba siegte vor 2400 Fans mit 17:16 und war erstmals Meister. «Unglaublich, wir fühlten uns wie kleine Stars. Es gab viele Ehrungen und Gratulationen, einmal auch zusammen mit den Spielern des FC Luzern», erzählt der damalige Kreisläufer Hermann Matter. Der FCL war 1993 wieder in die NLA aufgestiegen. Die Bauherren des Erfolgs waren Trainer Halid Demirovic, Torschützenkönig Goran Perkovac, Spielmacher Nick Christen, Flügel Carlos Lima und Nationalkeeper Peter Hürlimann (241 Länderspiele). Nicht minder wichtig war indes das leidenschaftliche Schaffen von Akteuren wie Matter, Patrick Aellen und Martin Hotz. «Noch heute bin ich stolz, wenn ich auf diesen Erfolg angesprochen werde», erzählt Matter.

«Was uns besonders ausgezeichnet hat, war der Teamgeist. Nach jedem Training gingen wir alle im Schweizerheim zusammen eins trinken. Das gab uns den Kitt.»

Matter war damals der einzige gelernte Kreisläufer im Kader der Borbaner. Heute ist er 51-jährig und führt in vierter Generation die Metzgerei Matter in Kriens. Dieser Ort war auch Schauplatz des ersten Kontakts mit Borba. Matter spielte ursprünglich beim HC Kriens und so kam es, dass Demirovic-Vorgänger Matjaz Tominec ab und zu in der Metzgerei vorbeischaute. «Er sagte mir, ich müsse zu Borba wechseln. Zuerst traute ich mir das nicht zu, irgendwann ging ich dann doch.»

Seine Söhne spielen Handball

Hermann Matter führt mit seiner Schwester Lisa seit 22 Jahren und in vierter Generation die Metzgerei Matter in Kriens. Vor und nach seiner Zeit bei Borba Luzern spielte er für Kriens in der 1. Liga, heute wird sein Stammklub in der NLA von Nick Christen gemanagt und von Goran Perkovac trainiert. Matter, 51-jährig, hat im Handball keine Funktion mehr, ist aber ein regelmässiger Gast an den Krienser Heimspielen.Werden seine früheren Teamkollegen mit Kriens-Luzern die glorreichen Borba-Tage aufleben lassen? «Mir gefällt es, wie die Mannschaft spielt. Ich traue es ihr zu, ja.» Mit seiner Frau Sandra hat Matter zwei Söhne. Sowohl der 19-jährige Louis als auch der 16-jährige Gian spielen Handball, zuletzt bei den U19-Junioren der SG Reuss. «Auf sie bin ich sehr stolz.» (ss)
Hermann Matter führt mit seiner Schwester Lisa seit 22 Jahren und in vierter Generation die Metzgerei Matter in Kriens. Vor und nach seiner Zeit bei Borba Luzern spielte er für Kriens in der 1. Liga, heute wird sein Stammklub in der NLA von Nick Christen gemanagt und von Goran Perkovac trainiert.

Matter, 51-jährig, hat im Handball keine Funktion mehr, ist aber ein regelmässiger Gast an den Krienser Heimspielen.Werden seine früheren Teamkollegen mit Kriens-Luzern die glorreichen Borba-Tage aufleben lassen? «Mir gefällt es, wie die Mannschaft spielt. Ich traue es ihr zu, ja.» Mit seiner Frau Sandra hat Matter zwei Söhne. Sowohl der 19-jährige Louis als auch der 16-jährige Gian spielen Handball, zuletzt bei den U19-Junioren der SG Reuss. «Auf sie bin ich sehr stolz.» (ss)

Hermann Matter war kein Hüne, wie man sie in der Gilde der Kreisläufer oftmals vorfindet, mit 1,80 Metern Körpergrösse war er eher klein und wendig.

«Wenn Nick Christen sich an die Nase griff...»

Im Zusammenspiel mit Perkovac und Christen blühte der damals 24-Jährige aber regelrecht auf und spielte eine starke Meistersaison. «Wenn Nick sich jeweils an die Nase griff, um den Schweiss abzuwischen, wusste ich: Im nächsten Angriff stösst er nach vorne und spielt den Ball zwischen den Beinen des Gegners hindurch zu mir.» Im Anschluss traf Matter ins Tor oder wurde penaltyreif gefoult. «Bei Goran musstest du sowieso stets auf der Hut sein. Der Pass konnte immer zu dir kommen, auch wenn er in die entgegengesetzte Richtung schaute.»

Eine wichtige Rolle hatte auch Trainer Demirovic inne. «Er brachte Lockerheit ins Team, wir waren nicht verbissen. Im Training holten wir uns die Kondition beim Basketball und Fussball, dann folgte das Taktische», erzählt Matter und führt aus:

«Wir spielten praktisch mit sieben Stammspielern durch. Da konnten die Trainings nicht forciert werden.»

Auch in den kommenden zwei Spielzeiten hielt sich Borba an der Spitze, wurde zweimal Zweiter hinter den dominierenden Winterthurern. Ein Highlight war zudem der Cupsieger-Cup 1995, als man erst im Halbfinal an den Dänen von Gudme scheiterte.

Hinweis: In unserer neuen Serie «Mein Moment» blicken Zentralschweizer Sportlerinnen und Sportler auf prägende Ereignisse ihrer Karriere zurück. Bereits erschienen: Anita Brägger (4. April).