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Vor 40 Jahren gewinnt ein Thurgauer Skirennfahrer als erster Schweizer den Gesamtweltcup

Vor 40 Jahren setzt ein Rennfahrer aus Romanshorn einen Meilenstein in der Sportgeschichte des Landes. Überraschend gewinnt der damals 23-jährige Peter Lüscher 1979 als erster Schweizer den Gesamtweltcup.
Daniel Good
Auch in Wil wurde Peter Lüscher nach der Rückkehr aus Japan gefeiert. (Bild: KEY (28. März 1979))

Auch in Wil wurde Peter Lüscher nach der Rückkehr aus Japan gefeiert. (Bild: KEY (28. März 1979))

Olympiasieger und Weltmeister stellte die Skisport-Nation Schweiz bis zur Saison 1978/79 schon viele. Aber einen WeltcupGesamtsieger gab es noch nie im Land. Die Schweizer waren lieber Abfahrer wie Bernhard Russi und Roland Collombin. Allrounder, die in verschiedenen Disziplinen punkten können, waren dünn gesät.

Bis ein junger Thurgauer auftauchte, der eigentlich ein Slalomspezialist war, aber auf den Abfahrtspisten ebenfalls zurechtkam. So setzte sich Peter Lüscher in der Gesamtwertung vor Grössen wie dem späteren Abfahrts-Olympiasieger Leonhard Stock und dem Supertechniker Ingemar Stenmark durch.

Einer von nur vier Schweizern

Der im Herbst 1956 geborene Lüscher kürte sich zum ersten von bloss vier Schweizer Gesamtsiegern. Nach dem Romanshorner triumphierte Pirmin ­Zurbriggen 1984, 1987 1988 und 1990. Paul Accola war 1992 erfolgreich, Carlo Janka 2010.

Auf zwei Brettern hatte Lüscher schon vorher Erfolg, allerdings auf einer anderen Unter­lage. Auf dem Bodensee war er häufig mit Wasserski unterwegs und brachte es zum Junioren-Europameister. Lüscher sagt:

«Für das Gleichgewichtsgefühl auf dem Schnee war dies die ideale Basis. Ich lernte auf dem Wasser auch, mit Druck umzugehen, und eignete mir Wettkampfhärte an»

Während ein paar Saisons bestritt Lüscher parallel Wasserskiprüfungen und alpine Skirennen. «Das wurde dann aber zu viel.» Er setzte auf die Karte alpin. In der Saison 1974/75 bestritt er seine ersten Weltcuprennen und holte vier Punkte.

Die Fortschritte nach dem Debüt

Bis zum grossen Triumph des Seebuben sollte es noch einige Winter dauern. Lüscher erzielte aber Jahr für Jahr Fortschritte. «Zunächst fuhr ich regelmässig auf die Plätze zwischen 10 und 15. Dann zwischen fünf und zehn.» Am 18. Februar 1977 ergatterte Lüscher seinen ersten Podestplatz im Weltcup: Rang zwei in der Kombination von St. Anton in Tirol.

Sein ganz grosser Erfolg zwei Winter später fusste ebenfalls auf seiner Vielseitigkeit. Stenmark gewann in der Saison 1978/79 zwar alle Riesenslaloms, bestritt aber keine Abfahrten und blieb deshalb ohne Punkte in der Kombination. «Das beste Wochenende hatte ich in Garmisch-Partenkirchen», sagt Lüscher. Es war der 28. Januar 1979. Lüscher:

«Ich gewann den Slalom und damit die Kombination, denn auch in der Abfahrt am Tag zuvor war ich unter den Besten.»

Den Gesamtsieg in trockene Tücher brachte Lüscher am Weltcupfinal in Japan. In Furano auf der Insel Hokkaido wurde der historische Moment für den Schweizer Skisport besiegelt.

«Nach einer kurzen Nacht wollten die mitgereisten Schweizer Pressefotografen unbedingt am anderen Morgen Bilder machen, denn da war das Licht am besten. Ich musste die grosse Kristall­kugel immer wieder in die Luft heben. Sie wurde immer schwerer», sagt Lüscher, «ich fühlte mich fast am Ende der Kräfte.»

Der Triumphzug durch die Ostschweiz

In der Schweiz ging es für Lüscher weiter mit dem Triumphzug. «Wir fuhren mit der Bahn nach Wil. Schon dort gab es einen grossen Empfang. Dann ging es in einem Wagen nach Romanhorn weiter, wo ein Umzug stattfand.» Ältere Semester erinnern sich immer noch an die Erfolge Lüschers. «Ich werde von ihnen noch oft darauf angesprochen. Die Jüngeren interessiert das aber nicht mehr.»

Für den Gesamtsieg erhielt Lüscher 50 000 Franken. «Heute wäre es wesentlich mehr», sagt der 62-Jährige. Marcel Hirscher ist Millionenverdiener. Aber der Thurgauer war zufrieden und ­erstand sich mit einem Teil des Preisgeldes ein Häuschen im Tessin, in Brissago am Nordufer des Lago Maggiore.

Möglicherweise trug der Pfeil Amors sein Scherflein bei zu ­Lüchers stärkster Saison. 1978 lernte er im Rahmen der Weltcuprennen in Lake Tahoe in den USA ­Fabienne Serrat kennen, die Riesenslalom-Weltmeisterin von 1974. Lüscher:

«Ich sprach zwar schlecht Französisch, aber sie fand es gut.»

Lüscher und Serrat, eine Hotelierstochter von der Alpe d’Huez, heirateten später und wohnen seit 1985 in Brent bei Montreux. Lüscher landete also wieder am See.

1985 musste Lüscher die Karriere als Skirennfahrer aus Verletzungsgründen beenden. «Das Knie war völlig kaputt. Als ich in St. Gallen operiert wurde, sagte Professor Weber zu mir: Seien Sie froh, dass Sie das Bein noch haben.» Seit elf Jahren hat Lüscher ein künstliches Knie. Er spielt noch Golf, «etwa Handicap zehn». Im Rahmen von Hobby-Golfturnieren trifft er ab und zu auch ehemalige Konkurrenten.

Zum Abschluss Zweiter am Lauberhorn

Ein letztes grosses Rennen im alpinen Ski-Weltcup lieferte Lüscher im Januar 1985 ab, als er in der Lauberhornabfahrt Zweiter und bester Schweizer vor Peter Müller wurde. Insgesamt verbuchte der Romanshorner sechs Weltcupsiege – den ersten im Dezember 1978 in Schladming, den letzten 1983 im Super-G von St. Anton.

1982 in Schladming ­gewann Lüscher in der Kombination auch eine WM-Medaille. «Ich dachte, ich hätte Gold auf sicher. Aber der Franzose Michel Vion fuhr in der Abfahrt unerwartet stark. So wurde es Silber.»

Markenwechsel als glückliche Fügung

Weltcup-Gesamtsieger wurde Lüscher auf Ski der französischen Marke Rossignol, die Karriere beendete er indes auf Völkl. Grund für den Transfers war nicht etwa eine hohe Ablösesumme. «Rossignol wollte mich nicht mehr, der Rennchef in jener Zeit war ein sonderbarer Kauz.» Für Lüscher war dies eine glückliche Fügung für die Zeit nach der Karriere als Spitzensportler. Seit seinem Rücktritt ist er als Aussendienstmitarbeiter tätig, seit 20 Jahren für Völkl.

Das Comeback des Juniors

Zu Beginn seiner Karriere fuhr Lüscher für den Skiclub Romanshorn, zu seiner erfolgreichen Zeit für den in Ebnat-Kappel beheimateten Skiclub Speer. Gut Skifahren lernte er in Arosa. Mit Fabienne Serrat hat er zwei Kinder. Der 1990 geborene Tim Lüscher fährt immer noch Rennen. Besser gesagt wieder.

«Nach dem Studium reiste er nach Australien. Eines Tages rief er mich ganz aufgeregt an und sagte, er wolle wieder Rennen fahren», erzählt der Vater. «Aber sehr wahrscheinlich war die Pause von vier Jahren zu lang.» Vergangene Woche beteiligte sich Tim Lüscher am FIS-Slalom in Wildhaus.

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