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Als würde beim HC Davos der Frontmann fehlen

Der HC Davos hat 2011 zum bisher letzten Mal den Spengler Cup gewonnen. Dieses Jahr dürften die Davoser erstmals in diesem Jahrhundert chancenlos sein – und doch mehr denn je im Mittelpunkt stehen.
Klaus Zaugg
Kann er in den Schuhen von Arno Del Curto gehen? Der neue HCD-Trainer Harijs Witolinsch (links). (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Fribourg, 22. Dezember 2018))

Kann er in den Schuhen von Arno Del Curto gehen? Der neue HCD-Trainer Harijs Witolinsch (links). (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Fribourg, 22. Dezember 2018))

Natürlich hat uns zu interessieren, wer den 92. Spengler Cup gewinnt. Wir haben dem Finale am 31. Dezember entgegenzufiebern. Aber eigentlich interessieren uns andere, geradezu ketzerische Fragen, die in diesem Jahrhundert bei diesem Hockeyspektakel noch gar nie gestellt worden sind. Nämlich: Ist der HCD überhaupt noch gut genug, um beim Spengler Cup eine wichtige Rolle zu spielen? Wie wird sich der HCD im Abstiegskampf bewähren? Kann Harijs Witolinsch in Arno Del Curtos Schuhen stehen?

Der HCD liegt auf dem zweitletzten Tabellenplatz. Schon bei «Halbzeit» der Qualifikation ohne jede Aussicht, die Playoffs noch zu erreichen. Der HCD tritt also sozusagen als «Lotterteam» der heimischen Meisterschaft gegen die Titanen aus Tschechien, Russland, Finnland, Deutschland und die kanadische Nationalmannschaft («Team Canada») an. Wenigstens eilen drei Spieler herbei, um dem HCD zu helfen: der amerikanische Verteidiger Bobby Sanguinetti, der schwedische Schillerfalter Linus Clasen (Lugano) und der Zuger Dario Simion.

Da Spengler-Cup-Eishockey auch Menschen vor den Bildschirm lockt, die sich sonst nicht für Eishockey interessieren, kann es sein, dass sich jemand frage: Moment mal, habe ich den richtigen Kanal eingeschaltet? Arno Del Curto (62) wird nämlich nicht ins Bild kommen und eine TV-Übertragung eines HCD-Spiels ohne den Engadiner im Schwenkbereich der Kameras ist wie ein Konzert der Rolling Stones ohne Frontmann Mick Jagger. Ein scheinbar ewiges Spengler-Cup-Gesetz – «ich sehe Arno Del Curto, also ist es der HCD» – gilt nicht mehr.

Del Curto wird nicht in Davos sein

Natürlich wird er trotzdem präsent sein. Wenn irgendwo Experten schnattern, wird auch Arno Del Curto ein Thema sein. Deshalb hier noch gleich eine Präzisierung. Er ist in seiner 22. Saison nicht entlassen oder gefeuert oder des Amtes enthoben worden. Er hat am Dienstag, dem 27. November am Vormittag gegen 9 Uhr sein Amt niedergelegt. Obwohl er am Sonntag zuvor seine Mannschaft zu einem 5:1 im Zürcher Hallenstadion gegen den Meister geführt hatte. HCD-Präsident Gaudenz Domenig, ein international hoch geachteter Wirtschaftsanwalt mit Sinn für juristische Präzision sagt zu diesem Ereignis: «Arno Del Curto hat seinen Vertrag von sich aus auf den nächstmöglichen Termin per 30. April 2019 gekündigt. Wir akzeptieren diese Kündigung.» Er zeigt dafür Verständnis, dass sein Trainer den Arbeitsplatz sofort verlassen hat und nicht bis zum Ende der Kündigungsfrist seines Amtes waltet. «Wir bezahlen ihm selbstverständlich den Lohn trotzdem bis zum Ende der Saison.» Im April 2019 wird der ehemalige Kulttrainer also seinen letzten HCD-Zahltag und dann ist seine HCD-Zeit per Saldo aller Ansprüche abgelaufen. Gaudenz Domenig geht übrigens davon aus, dass Arno del Curto diese Saison keinen anderen Klub übernimmt. Auch keinen unter Palmen. Und Arno Del Curto sagt auf Anfrage, er werde beim Spengler Cup auch nicht als Zuschauer dabei, ja nicht einmal in Davos oben sein. «Ich spanne jetzt erst einmal aus. So um Mitte Januar bin ich zurück und dann können wir in aller Ruhe Kaffee trinken und über alles reden …»

Witolinsch – das Pendant aus dem Osten

Der neue Trainer heisst Harijs Witolinsch (50). Sein Vertrag läuft bis Ende Saison. Präsident Gaudenz Domenig sagt: «Es gibt keinerlei vertragliche Optionen. Der Vertrag endet mit Saisonschluss, unabhängig davon, welche Klassierung wir erreichen.» Der Lette mahnt an einem guten Abend mit seinem Temperament und der Art und Weise wie er Eishockey lebt, durchaus an Arno Del Curto. Er ist, mit seiner ruhmreichen Trainererfahrung in Russland, sozusagen der «Arno aus dem wilden Osten.» Aber es ist ein wenig wie bei «Wetten dass …?». Kult-Moderator Thomas Gottschalk, sozusagen der Arno Del Curto des Showgeschäfts, gab 2012 nach insgesamt 25 Jahren die Moderation der Sendung an einen gewissen Markus Lanz ab. Zwei Jahre später wurde eine der erfolgreichsten Sendungen der TV-Geschichte eingestellt.

Nun hoffen wir natürlich nicht, dass es dem HCD unter Harijs Witolinsch ergeht wie «Wetten, dass…?»

Spielt 2019 erstmals Ambri am Spengler Cup?

2018 nimmt kein zweites Schweizer Team neben dem HC Davos am Spengler Cup teil. Noch vor einem Jahr hatte die Nationalmannschaft das Turnier als Vorbereitung auf die Olympischen Spiele genutzt. Seit der Aufstockung von fünf auf sechs Teams (2011) haben immer wieder Klubs aus der höchsten Liga (Gottéron, Kloten, Servette, Lugano) eine Chance erhalten, Servette hat den Spengler Cup 2013 und 2014 sogar gewonnen.
2019 soll wieder eine zweite Schweizer Mannschaft eingeladen werden. Favorit Nummer 1 ist Ambri. HCD-Präsident Gaudenz Domenig bestätigt das langjährige Interesse. «Ambri ist in der ganzen Schweiz so populär, dass eine Einladung eigentlich auf der Hand liegt. Ich habe aber Filippo Lombardi in den letzten Jahren immer wieder vertröstet und gesagt: Ja, wir können darüber reden. Aber nur, wenn ihr konkurrenzfähig seid, und mindestens in die Playoffs kommt. Nun sieht es ja so aus, dass es Ambri schaffen könnte und wir nicht…» Ambri war noch nie beim Spengler Cup dabei. Die Schweizer Teams, die neben Davos bis heute teilgenommen haben, sind der ZSC, GC, die Akademiker Zürich, die Young Sprinters Neuenburg, Visp, der SCB, Kloten, Gottéron, Lugano, Servette und die Nationalmannschaft. (kza)

92. Spengler-Cup

Gruppe Torriani: Ocelari Trinec (CZE), Metallurg Magnitogorsk (RUS), KalPa Kuopio (FIN).

Gruppe Cattini: Davos, Team Canada, Nürnberg Ice Tigers.

Spielplan. Mittwoch, 26. Dezember: Ocelari Trinec – Metallurg Magnitogorsk (Spiel 1/15.10 Uhr). Davos – Team Canada (Spiel 2/20.15). Donnerstag, 27. Dezember: KalPa Kuopio – Verlierer Spiel 1 (15.10 Uhr). Nürnberg Ice Tigers – Verlierer Spiel 2 (20.15). Freitag, 28. Dezember: Sieger Spiel 1 – KalPa Kuopio (15.10 Uhr). Sieger Spiel 2 – Nürnberg Ice Tigers (20.15). Samstag, 29. Dezember (Viertelfinals): 2. Gruppe Torriani – 3. Gruppe Cattini (Spiel 7/15.10 Uhr). 2. Gruppe Cattini – 3. Gruppe Torriani (Spiel 8/20.15). Sonntag, 30. Dezember (Halbfinals): 1. Gruppe Cattini – Sieger Spiel 7 (15.10 Uhr). 1. Gruppe Torriani – Sieger Spiel 8 (20.15). Montag, 31. Dezember: Final (12.10 Uhr). TV: Alle Spiele live auf SRF zwei.

Modus: Zwei Dreiergruppen, Gruppensieger direkt in den Halbfinals, übrige Teams in zwei Viertelfinals.

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