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Am Tiefpunkt werden die Weichen für die Zukunft gestellt

Die Schweiz steht ohne einen Piloten mit Weltcup-Erfahrung da und damit an einem Neuanfang. Nachwuchschef Bernhard Langen sieht darin aber auch eine Chance.
Jetzt die Nr. 1: Der Schwyzer Pilot Michael Vogt (vorne). (Bild: Giancarlo Cattaneo/Freshfocus (31. Dezember 2017))

Jetzt die Nr. 1: Der Schwyzer Pilot Michael Vogt (vorne). (Bild: Giancarlo Cattaneo/Freshfocus (31. Dezember 2017))

«Am Anfang war es schon fast ein Schock», gibt Michael Vogt zu. Michael wer? Der erst 20-jährige Schwyzer kommt am Samstag im lettischen Sigulda zu seinem Debüt im Weltcup. Er ist damit die Nummer 1 der Schweiz.

Beim Saison-Kickoff Anfang Oktober in Hinwil gehörten die bekanntesten Gesichter nicht Athleten, sondern längst zurückgetretenen Grössen wie Christoph Langen oder Ivo Rüegg. Vorbei sind die Zeiten, da ein Jean Wicki, ein Erich Schärer, ein Gusti Weder oder ein Beat Hefti zu den prominentesten Sportlern der Schweiz gehörten und von unzähligen Titelseiten blickten.

Das Schweizer Kader zählt mittlerweile keinen einzigen Piloten mehr mit Weltcup-Erfahrung. Man bezahlt einen hohen Preis für die Entwicklung in den letzten Jahren. Die Hoffnung auf Besserung trägt einen prominenten Namen: Christoph Langen. Der zweifache Olympiasieger und achtfache Weltmeister ist seit zwei Jahren für den Schweizer Nachwuchs verantwortlich und nimmt kein Blatt vor den Mund. «Die aktuelle Situation ist die Folge der Misswirtschaft der letzten zehn Jahre», sagt der 56-jährige Oberbayer. «Man hat sich auf die Topteams konzentriert, damit diese die Medaillen holen. Den Nachwuchs wollte man nicht fördern.» Vor allem Hefti, in geringerem Ausmass auch Peter und Bracher überdeckten eine Weile die Misere bei den Jungen. Auch sie konnten aber in Pyeongchang die erst dritten medaillenlosen Spiele seit dem Zweiten Weltkrieg (nach 1964 und 2010) nicht verhindern.

Zwei Olympiasieger: Ekkehard Fasser (li., 1988) und Erich Schärer (1980) (Bild: KEYSTONE/EPA DPA/TOBIAS HASE)
Der letzte Schweizer Bob-Weltmeister und Olympiasieger: Beat Hefti trat letzte Saison zurück (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)
Früher waren die Schweizer Bobfahrer Medaillengaranten: Jean Wicki, Edy Hubacher, Hans Leutenegger und Werner Camichel (v. r.) gewannen 1972 im Vierer Gold (Bild: KEYSTONE/STR)
Erst die dritten medaillenlosen Olympischen Spiele seit dem Zweiten Weltkrieg für die Schweizer Bobfahrer: In Pyeongchang im Februar fuhren Clemens Bracher, Rico Peter und Co. neben das Podest (Bild: KEYSTONE/EPA/VASSIL DONEV)
1992 und 1994 gleich zweimal Olympiasieger: Gusti Weder wird in Albertville von seiner Freundin geküsst (Bild: KEYSTONE/KARL MATHIS)
Er soll helfen, die Schweiz wieder zu einer Bob-Grossmacht zu machen: die deutsche Fahrer- und Trainerlegende Christoph Langen (vorne) (Bild: KEYSTONE/AP/ECKEHARD SCHULZ)
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«Schweiz ohne Bobsport ist undenkbar»

Schwyzer Vogt muss ins kalte Wasser springen

Nun sind Langen und die aktuelle Verbandsspitze mit Hochdruck daran, die Voraussetzungen für eine erfolgreichere Zukunft zu schaffen. Langen ist überzeugt, dass die jungen Schweizer Piloten athletisch in der Lage sind, mit der Weltspitze mitzuhalten. «Fahrerisch können wir über viele Trainings sehr viel erreichen», ist der ehrgeizige Deutsche überzeugt.

Dass Michael Vogt nun nach nur acht Europacuprennen (zwei Top-10-Plätze) in den Weltcup wechseln muss, sieht Langen mit einer gewissen Sorge. «Es ist etwas schade, dass er so schnell ins kalte Wasser geworfen wird.»

Grundsätzlich sei der Neuanfang aber auch eine Chance für den Bobsport in der Schweiz. Vogt, der in den letzten Jahren intensiv mit Langen gearbeitet hatte, sieht es mittlerweile positiv. «Nach allen Absprachen kann ich sagen: Es ist eine coole Möglichkeit und eine grosse Herausforderung.» Der ehemalige Turner und Steinstösser wird zunächst kleinere Brötchen backen müssen. Die Qualifikation für den zweiten Durchgang der besten 20 ist zunächst mal das Ziel. Bei Olympia 2022 in Peking möchte Langen dann mit je drei Teams bei Männern und Frauen am Start sein. Ob Vogt bereits 2022 um Medaillen kämpfen kann, ist alles andere als sicher. Ohne Edelmetall droht jedoch der Sturz in die Bedeutungslosigkeit. «Die Schweiz ohne Bobsport ist undenkbar», sagt Langen. (sda)

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