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Ambri hat wieder eine Perspektive

Ambri -Piotta ist eine der positiven Überraschungen in der bisherigen Saison. Der Dorfklub scheint auf dem richtigen Weg zu sein. Sportchef Paolo Duca drückt aber auf die Euphorie-Bremse.
Sven Aregger
Eine Attraktion der Liga: Ambri-Topskorer Dominik Kubalik (Mitte). (Bild: Alessandro Crinari/Keystone (Ambri, 12. Oktober 2018))

Eine Attraktion der Liga: Ambri-Topskorer Dominik Kubalik (Mitte). (Bild: Alessandro Crinari/Keystone (Ambri, 12. Oktober 2018))

Wer wissen will, wie es um die Moral von Ambri-Piotta steht, der sollte mal ein Training besuchen. Jeder Torerfolg wird bejubelt, als hätte das Team gerade die Meisterschaft gewonnen. Der Spassfaktor ist hoch, dennoch wird konzentriert und intensiv trainiert. Vor dem Heimspiel gegen den EV Zug (Samstag, 19.45 Uhr) vermitteln die Tessiner das Bild einer geschlossenen Mannschaft.

Ambri gehört mit den SCL Tigers zu den positiven Überraschungen in der bisherigen Saison, zwei Dorfklubs mischen die Liga auf. Sie beweisen, dass es auch ohne grosse finanzielle Mittel und teure Stars möglich ist, erfolgreich zu sein. Dafür braucht es die richtige Strategie und die passenden Leute an den Schalthebeln. In Ambri sind das Trainer Luca Cereda und Sportchef Paolo Duca, die beide im Klub gross geworden sind. Seit sie in der vergangenen Saison das Ruder übernommen haben, ist in der Leventina Aufbruchstimmung spürbar.

Duca und Cereda haben Ambri die Identität zurückgegeben. Vorbei sind die Zeiten, als abgehalfterte Altstars mit grosszügigen Rentenverträgen ausgestattet wurden. Vielmehr setzt Ambri nun auf den Nachwuchs aus dem Farmteam Biasca Ticino Rockets. Der Verteidiger Christian Pinana (21) oder die Stürmer Noele Trisconi (22) und Patrick Incir (24) sind die neuen Hoffnungsträger. Sportchef Duca lobt insbesondere die Entwicklung des 25-jährigen Abwehrspielers Isacco Dotti, der vor drei Jahren noch in der dritten Spielklasse tätig war und über die Rockets den Sprung in die National League geschafft hat. «Isacco hat die grössten Fortschritte gemacht. Er spielt sehr solide, körperbetont und leidenschaftlich.»

Kubalik wird kaum zu halten sein

Duca zeigt aber auch Geschick bei den Transfers. Er verpflichtet junge, relativ preiswerte Spieler, deren Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Beim Österreicher Dominic Zwerger und dem Tschechen Dominik Kubalik hatte der Sportchef das richtige Näschen, beide Stürmer erweisen sich als Gewinn. Vor allem Kubalik ist eine Attraktion in der Liga. In den ersten zwölf Runden verbuchte er sieben Tore und sechs Assists. An der WM in Dänemark war er in dem mit Stars gespickten tschechischen Team der beste Torschütze. Der Weg des 23-jährigen Ausnahmetalents, der mit einem explosionsartigen Antritt, einer gehörigen Portion Kaltschnäuzigkeit und einem harten Schuss gesegnet ist, wird wohl über kurz oder lang in die NHL führen. Der Draft der Los Angeles Kings hat ab 2019 eine Ausstiegsklausel im Vertrag. Es ist das Los der Leventiner, dass sie ihre besten Spieler längerfristig kaum halten können. Duca weiss das, er sagt: «Ich bin schon zufrieden, dass sich Dominik Kubalik entschieden hat, diese Saison noch bei uns zu bestreiten. Natürlich tut es weh, gute Spieler zu verlieren. Aber gleichzeitig macht es uns auch stolz, wenn einer in eine grosse Liga oder zu einem grossen Klub wechseln kann. Das spricht für unsere Arbeit.»

Und da gibt es ja auch den umgekehrten Weg. Der ehemalige Captain Michael Fora ist in den letzten Tagen aus Nordamerika zu Ambri zurückgekehrt, nachdem ihn die NHL-Franchise Carolina Hurricans in die drittklassige ECHL abschieben wollte. Er ist eine Identifikationsfigur in der Leventina, «ein Krieger und eine starke Persönlichkeit», wie es Duca formuliert. Foras ursprünglicher Vertrag bei Ambri läuft bis 2021 weiter.

Wie lange reichen die Energiereserven?

Die Rückkehr des offensivstarken Verteidigers und der gute Saisonstart lassen die Fans von der ersten Playoff-Teilnahme seit 2014 träumen. Schon in der vergangenen Saison hat Ambri viel Zuspruch für seine Spielweise und Strategie erhalten, jetzt stimmen auch die Resultate. Doch Duca drückt auf die Euphorie-Bremse. «Klar, die Mannschaft ist reifer geworden, darauf können wir bauen. Aber es ist erst ein Viertel der Qualifikation gespielt, die Teams sind in der Tabelle eng beieinander», sagt er. «Wir konzentrieren uns auf die Art und Weise, wie wir spielen wollen, die Resultate sind eine Folge davon. Unser Fokus liegt auf der täglichen Arbeit.»

Der HC Ambri-Piotta spielt mutiges, schnelles Angriffshockey mit hohem läuferischem Aufwand. Die Frage ist, wie lange die Energiereserven reichen, zumal für diese Saison nicht nur das Budget, sondern auch das Kader reduziert wurde. Wird wie so oft der Einbruch kommen? Duca macht sich darüber keine Gedanken. «Wir haben acht Prospects im Farmteam. Wenn wir in Not sind, werden wir ihnen das Vertrauen geben», betont er. «Wir investieren in junge Spieler. Das ist besser als ein 30-Mann-Kader, in dem einige Spieler in jedem Match auf der Tribüne sitzen müssen.» Es ist ein Beispiel dafür, wie das neue Ambri funktioniert. Ein Ambri, das weiss, wo seine Chancen liegen – und das damit wieder eine Perspektive hat.

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