National League

Die Bescheidenheit der Tigers: Ambri-Junior Patrick Petrini ist der letzte Trost in Langnau

Die Langnauer spielen am Mittwochabend gegen Zug – mit der nominell schwächsten Mannschaft seit dem Wiederaufstieg 2015. Alles andere als eine Niederlage wäre eine Sensation.

Klaus Zaugg
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Bescheidenheit ist eingekehrt. Die SCL Tigers, die heute Abend nach Zug kommen, haben mit den SCL Tigers nicht mehr viel gemeinsam, die beim letzten Gastspiel am 28. Februar die Zuger an den Rand einer Niederlage brachten. Sven Senteler gelang erst 37 Sekunden vor Schluss der Ausgleich (4:4) und Zug siegte nach Penaltys. Grégory Hofmann traf als einziger.

Patrick Petrini (Bildmitte) hat am vergangenen Samstag sein erstes Tor erzielt.

Patrick Petrini (Bildmitte) hat am vergangenen Samstag sein erstes Tor erzielt.

Bild: Marcel Bieri (Langnau, 6. Dezember 2020)

Ach, das waren noch Zeiten. Zu viele der Titanen, die im Frühjahr 2019 die Langnauer so ruhmreich in die Playoffs geführt hatten, sind nicht mehr da. Trainer Heinz Ehlers ist in seine dänische Heimat zurückgekehrt. Der Kanadier Chris DiDomenico stürmt für Gottéron. Weltmeister Harri Pesonen sucht in der KHL einen neuen Arbeitgeber. Der sanfte Riese Claudio Cadonau verteidigt für die Zuger und Damiano Ciaccio hütet das Tor in Ambrì. Geblieben sind von den Namen mit Strahlkraft lediglich Goalie Ivars Punnenovs und Rikard Franzén. Der Schwede ist vom Assistenten zum Cheftrainer befördert worden. Es ist logisch, dass die Langnauer auf dem letzten Platz darben.

Aber mutlos sind die Emmentaler deswegen nicht. So wie die Armen zu Gotthelfs Zeiten auch ohne Musik tanzen lernten (weil sie kein Geld für die Tanzkappelle hatten), so erfreuen sich die Langnauer nun an kleinen Dingen. Der letzte Platz mag schmählich sein. Aber Titelverteidiger SCB ist in Reichweite, am 30. Dezember kommt es zum Derby.

Zu den kleinen Dingen, die den mühseligen Alltag freundlicher machen: Endlich bekommen die Jungen Auslauf. Patrick Petrini (19), einst Junior in Ambri und seit 2017 in Langnau, hat soeben gegen die Lakers sein erstes NL-Tor erzielt. Er darf regelmässig im ersten Powerplay auftreten. Ein Junior im Powerplay – das hat es zuletzt vor 18 Jahren gegeben. Damals durfte der 17-jährige Peter Guggisberg neben Todd Elik zaubern. Und mit Keijo Weibel (20) kommt ein weiterer Junior hin und wieder im ersten Sturm zum Einsatz. Einerseits liegt es Rikard Franzén am Herzen, die Talente weiterzubringen, und andererseits findet Sportchef Marc Eichmann schwerlich einen anderen Trainer, der bereit ist, im Emmental ohne Aussicht auf sportlichen Ruhm Spieler auszubilden. Deshalb werden die Langnauer im Laufe des Januars den Vertrag mit ihrem Trainer verlängern.

Nur zwei Ausländer stehen heute im Einsatz

Präsident Peter Jakob und sein langjähriger Verwaltungsratsweggefährte Karl Brügger sind sich bewusst, dass ihre «Hockey-Buben» tatkräftige Hilfe auf dem Eis brauchen. Deshalb hat Peter Jakob den schwedischen Stürmer Marcus Nilsson finanziert. Der Topskorer der letztjährigen schwedischen Meisterschaft hat sein KHL-Abenteuer beendet und für den Rest der Saison unterschrieben. Er ist ein Beispiel dafür, wie schwer es selbst Weltklassespieler in unserer Liga haben. Karl Brügger hat sich bereit erklärt, einen weiteren Ausländer zu finanzieren. Sollte Harri Pesonen keinen neuen KHL-Klub finden, wird er wohl nach Langnau zurückkehren. Heute Abend haben die Langnauer mit Ben Maxwell und Marcus Nilsson nur zwei Ausländer zur Verfügung. Robbie Earl weilt aus privaten Gründen vorübergehend in seiner nordamerikanischen Heimat.

Es mag ja sein, dass die Emmentaler wissen, wie man auch ohne Musik tanzt. Aber wie mit bloss zwei ausländischen Spielern Zug auswärts besiegt werden kann, wissen sie nicht. Gegen diese Langnauer, die schwächsten seit dem Wiederaufstieg von 2015 ist die Frage nicht, ob es für Zug zum Sieg reicht. Sondern nur, wie hoch das Resultat ausfallen wird.