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Ambri-Piotta hat Sorgen wegen der Coronakrise – und soll stärker zurückkehren als in den Vorjahren

Der HC Ambri-Piotta kennt sich aus mit finanziellen Krisen. Wegen Corona wird CEO Nicola Mona nicht nervös.

Ruedi Wechsler
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Der vierfache Familienvater Luca Cereda lebt daheim in Sementina, zurückgezogen mit seiner Familie. Draussen habe es ihm zu viele Leute.

Bild: Ruedi Wechsler (16. April 2020)

Im Saisonrückblick spricht Cereda von unglaublichen Momenten in der Champions Hockey League und am Spengler-Cup: «In diesen Wettbewerben spielten wir zum Teil über unserem Limit. Dadurch fehlte in der Meisterschaft in einigen Spielen die geistige Frische.»

In der Meisterschaft habe die Mannschaft zu oft den Fokus verloren und sich zu stark beeinflussen lassen. Dazu kam ein noch nie erlebtes Verletzungspech. Waren es vorletzte Saison drei Spieler über eine längere Periode, so zählte man im vergangenen Winter neun rekonvaleszente Spieler. Zufrieden war Cereda mit dem Box- und Powerplay. Seine Mannschaft erzielte einzig bei 5 gegen 5 zu wenig Tore.

«Angst ist ein zu grosses Wort»: Coach Luca Cereda während des Spengler-Cups.

«Angst ist ein zu grosses Wort»: Coach Luca Cereda während des Spengler-Cups.

Bild: Melanie Duchene/Keystone (Davos, 30. Dezember 2019)

Cereda hofft auf den 4. Mai

Eines der Highlights war das erste Spiel am Spengler-Cup gegen Salavat Yulaev (4:1). «Das war fantastisch und ich erlebte den ganzen Tag unglaubliche Emotionen. Die Mannschaft zeigte auch in Davos viel Leidenschaft und spielte sich in die Herzen vieler Schweizer Eishockeyfans», sagt Cereda, der ehemalige Draft der Toronto Maple Leafs.

Im mentalen Bereich habe das Team diese Saison Fortschritte erzielt und sich nie aufgegeben. Von Noele Trisconi, Tommaso Goi und Giacomo Dal Pian war der Trainer positiv überrascht. Matt D’Agostini gelang auch punktemässig die beste Saison.

Doch bestehen Existenzängste in der Valascia? «Angst ist ein zu grosses Wort. Aber Sorgen sind um den Verein und mich persönlich schon vorhanden. Was wird die Krise bei der Gesellschaft hinterlassen und werden wir danach leben wie vorher? Werden wir die gleichen Einnahmen beim Ticketing und Sponsoring haben?» Fragen über Fragen, die Cereda momentan beschäftigen. Vorerst hofft er vor allem, dass am 4. Mai mit dem Sommertraining begonnen werden kann. «Das Ungewisse kostet mich viel Emotionen und Energie.»

«Noch stärker als in den Vorjahren»

Zunächst gehe es um die Schadensminimierung, erläutert CEO Nicola Mona. Die Krise habe riesige finanzielle Konsequenzen für die Vereine und die ganze Wirtschaft. Der Bund biete sehr gute Instrumente mit Kurzarbeit und zinslosen Darlehen. Sie sichern dem Klub die notwendige Liquidität. «Jetzt sind Coolness gefragt. Wir dürfen uns ja nicht stressen lassen», führt Mona weiter aus. Die Zusammenarbeit mit dem Hockeyverband und der Zusammenhalt der Vereine seien noch nie so gut gewesen. Mit ihnen wurden Themen wie der Saisonstart, ein verspäteter Beginn, eine geschlossene Liga oder über den Salary Cap diskutiert.

Nicola Mona in seinem Büro

Nicola Mona in seinem Büro

Bild: Ruedi Wechsler (16. April 2020)

Gute Signale seien von Seiten der Fans und Sponsoren spürbar. Die Spieler zeigen sich solidarisch und sammelten in Kürze 27'000 Franken für Spitäler im Tessin. Ambri könne diese Krise wohl eher stemmen als Grossklubs.

«Es tönt etwas paradox: Wir sind uns gewohnt, am Ende des Monats um jeden Franken kämpfen zu müssen. Es ist spannend und herausfordernd, einen Sportverein, der per se schon finanzielle Schwierigkeiten hat, zu führen», sagt der ausgebildete Pilot, hier in einem PC-3.

Bild: ZVG

Er wechselte vor zweieinhalb Jahren von der Privatwirtschaft zu Ambri und bedauert dies keinen Moment. «Wenn wir im Herbst in die neue Saison starten, dann stehen wir vermutlich noch stärker da als in den Vorjahren.» Man mache eine forcierte Diät und durchleuchte alles, sagt Mona.

In guten und in schlechten Zeiten

Marco Müller verlässt die Wohnung in Bellinzona nur fürs Einkaufen und Joggen.

Bild: Ruedi Wechsler

Ein Lebenstraum ging für ihn in der letzten Saison in Erfüllung: «Die Teilnahme am Spengler-Cup mit Ambri und seinen unglaublichen Fans war für mich ein Genuss.»

Bei einem Worst-Case-Szenario gebe es Lösungen mit der Mannschaft. «Wir sind eine grosse Familie und da steht jeder für den andern ein.» Der Center identifiziert sich voll und ganz mit dem und das hat er mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung vor einem Jahr bewiesen. «Wir sagen ja, dass wir in guten und in schlechten Zeiten zueinanderstehen. Jetzt können wir das beweisen. Das verändert meine Einstellung und Leidenschaft gegenüber dem Sport und dem Verein in keiner Weise.» Der Oltner fühlt sich wohl im Tessin und hat vollstes Vertrauen in die Vereinsführung.

So weit ist der Bau des neuen Stadions:

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