Ambri-Piotta und die Kraft der guten News

Der Verkauf der Saisonkarten ist in Ambri gut angelaufen und Sportchef Paolo Duca mag auch sonst nicht jammern.

Klaus Zaugg
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Ambris Sportchef Paolo Duca.

Ambris Sportchef Paolo Duca.

Bild: Samuel Golay/Keystone(Bellinzona, 15. Juni 2018)

Tue Gutes und rede darüber. Nach diesem Grundsatz funktioniert gute Öffentlichkeitsarbeit. Kein anderer Sportchef befolgt diese goldene Regel so wie Ambris Paolo Duca. Seit der Spielbetrieb ruht, meldet Ambri in regelmässigen Abständen Vertragsverlängerungen oder kleinere Transfers. Keine spektakulären News. Aber gute Nachrichten, die den Fans signalisieren, dass Ambri lebt. Der Sportchef sagt, er habe einige Meldungen tatsächlich für die Zeit nach der Saison aufgespart. «Wenn der Spielbetrieb läuft, ist es besser, sich auf den Sport zu konzentrieren. News oder Gerüchte über Spieler und ihre Verträge schaffen bloss Unruhe.»

Bis auf die Besetzung der Ausländerpositionen und der Verpflichtung eines weiteren Schweizer Spielers («aber das ist noch offen») seien inzwischen alle Transfers gemacht. Die Zusammenarbeit mit den Ticino Rockets geht weiter, nach wie vor hält Ambri mit 51 Prozent der Aktien eine Mehrheit. Auch Lugano und Davos sind am Farmteam beteiligt. Ob Trainer Alex Reinhard bleibt, sei noch offen.

Gut genug für die Playoffs

Und so kommt es, dass Ambri seit dem vorzeitigen Saisonende (29. Februar) seine leidenschaftlichen Fans immer mal wieder mit einer guten Nachricht bei Laune hält. Die Verträge mit Matt D’Agostini (33) und Brian Flynn (31) sind um zwei respektive ein Jahr verlängert worden. Zwei Ausländerlizenzen sind noch zu vergeben. «Eine davon werden wir sicher für einen Stürmer einlösen» sagt Duca. Mit Benjamin Conz und Damiano Ciaccio (neu von Langnau) hat er die Goaliepositionen sehr gut besetzt und Trainer Luca Cereda geniesst vor seiner vierten Saison längst Kultstatus. Zwei gute Torhüter und ein charismatischer Trainer sind eigentlich schon fast die halbe Miete. Der Sportchef hat also seine Hausaufgaben gemacht. Inzwischen zeichnet sich ab, dass die Mannschaft nominell ungefähr gleich stark besetzt ist wie letzte Saison. Das ist eigentlich noch kein Grund zum Optimismus. Ambri hat die letzte Qualifikation auf dem zweitletzten Platz beendet. Aber es ist eine Klassierung unter dem wahren Wert und der zu hohen Belastung (Champions League, Spengler Cup, Meisterschaft) geschuldet. Die Champions League, die Ambri sehr ernstgenommen hatte, fällt jetzt weg. Im Blick zurück bestätigt Paolo Duca, dass diese Belastung wohl zu gross war. Eine Zielsetzung für die neue Saison mag er noch nicht formulieren und sagt zum Spass:

«Wir wollen den Ligaerhalt sichern...»

Nächste Saison gibt es ja keinen Absteiger. Und Ambri ist gut genug, um die Playoffs zu erreichen, zwischen Rang 5 und 11 liegt alles drin.

Wie alle anderen Klubs ist das Sommertraining auch in Ambri beeinträchtigt. Gemeinsames Training ist nicht möglich. Aber zweimal die Woche sehen sich die Spieler doch. Bei einem «Video-Training», vergleichbar mit einer «Video-Konferenz» im Geschäftsleben.

Seit einer Woche werden bei Ambri Saisonkarten verkauft. Die Preise sind nicht erhöht worden. Paolo Duca sagt, die Rückmeldungen seine positiv. Obwohl noch niemand weiss, wann die Saison beginnt und wann vor Zuschauern gespielt werden darf. «Für viele Fans ist der Kauf eines Saisonabonnements gerade in schwierigen Zeiten eine Möglichkeit, zu zeigen, dass sie zu uns stehen.»

Für Ambri wird es eine historische Saison

Das Bekenntnis zu Ambri ist eben eine «amore senza confini – per sempre» (eine Liebe ohne Grenzen – für immer) – so wie es manchmal auf Transparenten im Stadion verkündet wird. Und wer jetzt eine Saisonkarte kauft, dem wird ein Platz in der neuen Arena garantiert, die im Herbst 2021 eröffnet wird. Ambri steht also vor einer historischen Saison: der letzten in der alten Valascia. Noch in 50 Jahren werden Kinder ihre Grossmutter oder ihren Grossvater fragen:

«Hast Du ein Spiel in der Valascia erlebt? Sag, wie war das?»

Sportlich gibt es nun im Sommer keine grossen Erregungen mehr. Wohl aber politisch. Duca sagt nicht, welche Meinungen sein Club in den nächsten Wochen bei den wegweisenden politischen Entscheidungen der Liga vertreten wird. «Was wir wollen, werden wir dort vertreten, wo die Entscheidungen fallen.» An öffentlichen hockeypolitischen Debatten oder gar Polemik hat der Sportchef kein Interesse. Ambris Macher sind gut vernetzt und die Gewährsleute nördlich vom Gotthard melden, dass Ambri bei den Debatten und Abstimmungen im Rahmen der Liga-Versammlungen im Juni und im August eine klare Meinung vertreten wird: keine Erhöhung der Anzahl Ausländer und die Einführung einer Salärobergrenze.

Die wichtigsten Ambri-Transfers. Zuzüge: Damiano Ciaccio (Langnau), Cédric Hächler (Lakers), Stanislav Horansky (Olten), Daniele Grassi (Bern). Die wichtigsten Abgänge: Daniel Manzato (Servtte), Igor Jelovac (Lakers), Fabio Hofer (Biel).