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Ambri-Piotta – zu wenig Tore für ein neues Wunder

Ambris Sturmlauf in die Playoffs und Champions Hockey League war ein Wintermärchen. Die neue Saison wird anders sein.
Klaus Zaugg
Schwieriger Job für den begabten Ambri-Trainer Luca Cereda in der neuen Saison. (Bild: Samuel Golay/Keystone, Ambri, 5. September 2019)

Schwieriger Job für den begabten Ambri-Trainer Luca Cereda in der neuen Saison. (Bild: Samuel Golay/Keystone, Ambri, 5. September 2019)

Ambri steht vor aufregenden Monaten. Ab dem ersten Spieltag das Ringen um die letzten Playoffplätze, zwischendurch ein bisschen Schweizer Cup (auch das eine mühselige Sache, wie sich soeben beim 3:2 nach Penaltys in Dübendorf gezeigt hat), im Dezember zum ersten Mal die Reise an den Spengler Cup nach Davos und dazu die Herausforderung der Champions Hockey League. Und über allem die freudige Aussicht, 2021 in das neue, fast 60 Millionen Franken teure Hockey- Stadion einziehen zu können.

Spengler Cup und Champions League sind der Lohn für die grandiose letzte Saison auf Platz 5. Aber es könnte sich erweisen, dass es Danaergeschenke sind. Also Geschenke, die sich für den Empfänger als schadenstiftend erweisen wie einst das Trojanische Pferd.

Auf vier Hochzeiten tanzen

Auf den vier Hochzeiten Meisterschaft, Champions Hockey League, Cup und Spengler Cup tanzt Ambri mit einer intakten, aber vorne und hinten schwächeren Mannschaft. Liga-Topskorer Dominik Kubalik wagt das Abenteuer NHL, Samuel Guerra, letzte Saison Ambris bester Defensiv-Verteidiger, zügelte nach Davos und Benjamin Conz, der Held im Tor, ist blessiert und bis weit in den Winter hinein zum Zuschauen verurteilt. Also hat Sportchef Paolo Duca mit Dominik Hrachovina erst einmal bis zur Nationalmannschafts-Pause im November einen ausländischen Torhüter unter Vertrag genommen.

Sind die Energietanks leer, bevor die rettenden Playoff-Ufer erreicht sind? Leidenschaft, Mut, Disziplin, Tapferkeit und Teamgeist kompensieren fehlendes Talent und können die Müdigkeit überwinden. Trainer Luca Ceredas Magie macht nach wie vor jeden Spieler ein paar Zentimeter grösser, ein paar Kilo schwerer, ein paar Stundenkilometer schneller und ein paar Prozent besser. Taktisch ist Ambri unabhängig von der Besetzung eine der besten Mannschaften der Liga. Aber Luca Cereda kann leere Energietanks nicht so nachfüllen wie einst Jesus die Brot- und Fischkörbe bei der Speisung der 5000. Und er kann keine Tore erzielen.

Keiner von ihnen kann Kubalik die Schuhe binden

Energiereserven und die Anzahl der verletzten Spieler sind im langen Zermürbungskampf um die letzten Playoffplätze entscheidende Faktoren. Die Belastung muss trotz eines Farmteams in den entscheidenden Partien auf zu wenig Schultern verteilt werden und das führt zu höherer Verletzungsanfälligkeit. Gegen Lugano wird es zwar zu mehreren Siegen reichen. Aber das Drama, das heraufzieht, sind spektakuläre, intensive, hochstehende Spiele in denen Ambri jedem Gegner auf Augenhöhe entgegentritt, mit seinem strukturierten «Schwarm-Forechecking» auf dem ganzen Eisfeld keine Ruhe lässt, optisch gleich gut oder besser ist – und am Ende verliert, weil ein oder zwei Tore fehlen.

Cereda hat es bereits mit verschiedensten Varianten probiert. Mit einer «Österreicher-Zange» – Dominic Zwerger und Fabio Hofer auf den Aussenbahnen – oder mit Marco Müller als Center und Lenker zweier ausländischer Flügel. Womit wir beim Kern der Sache angelangt sind: die Schweizer Spieler sind gut genug für die Playoffs. Aber einheimisches Schaffen reicht nicht. Ambri hat mit Bryan Flynn, Jiri Novotny, Robert ­Sabolic und Matt D’Agostini ­bereits vier ausländische Stürmer unter Vertrag. Aber keiner von ihnen kann Dominik Kubalik (letzte Saison 55 Spiele und 63 Punkte) die Schuhe binden.

Müssen sich die Fans die Ambri-Tore vorstellen?

Ein Drama unter dem Titel «Leiden in Zeiten der Torarmut» zieht herauf. Aber was wäre Ambri ohne Drama? Der grosse Schriftsteller Adolf Muschg hat einmal gesagt, der Dramatiker müsse Seiten liefern, die Löcher haben wie ein Emmentaler Käse. Das Publikum denke diese Löcher schon zu. Was gut zu Ambri passt: Es muss grosse Spiele mit verpassten Chancen liefern. Das leidende Publikum denkt sich den Puck schon ins Tor…

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