Handball
Ammar Idrizi aus Sursee schaffte es innert zwei Jahren von der NLB ins Nationalteam

Die Schweizer Handballer wollen sich am Sonntag in Nordmazedonien für die EM qualifizieren. Der Surseer Ammar Idrizi hofft auf sein Länderspieldebüt.

Stephan Santschi
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Er will Profi werden, im Ausland und in der Champions League spielen: Ammar Idrizi, aktuell beim HC Kriens-Luzern unter Vertrag.

Er will Profi werden, im Ausland und in der Champions League spielen: Ammar Idrizi, aktuell beim HC Kriens-Luzern unter Vertrag.

Urs Flüeler/Keystone

«Do or die.» Tun oder sterben. So umschrieb der Luzerner Spielmacher Andy Schmid am Mittwoch die Ausgangslage der Schweizer Nationalmannschaft, kurz nach der bitteren 29:30-Niederlage gegen Dänemark. Am Sonntag bietet sich den Schweizer Handballern in Skopje die letzte Chance, um nach der EM 2020 und der WM 2021 auch an der EM 2022 dabei zu sein. Mit einem Sieg gegen Nordmazedonien (18 Uhr, SRF info) dürften sie zu den besten vier Gruppendritten gehören, welche sich auch noch für die Endrunde in Ungarn und der Slowakei qualifizieren. «Es ist ein Finalspiel, es geht um alles, wir wollen unbedingt gewinnen», sagt ein anderer Luzerner, der rechte Flügel Ammar Idrizi.

Er, der 19-jährige Surseer, ist aktuell der einzige Akteur des HC Kriens-Luzern im Aufgebot des Nationalteams. Am vorletzten Sonntag erhielt Idrizi den Anruf von Nationaltrainer Michael Suter. Nicht ganz überraschend zwar, weil er wusste, dass mit Cédrie Tynowski die Nummer eins am rechten Flügel verletzungsbedingt ausfiel. Seine Freude über die Premiere trübte dies aber nicht. «Darüber bin ich sehr glücklich. Das gibt mir noch mehr Aufschwung, motiviert mich zusätzlich. Ich bin nämlich sehr ehrgeizig.»

Wertvolle Erfahrung, aber (noch) keine Spielzeit

Das Zimmer im Camp des Nationalteams teilt er sich mit dem Horwer Claudio Vögtli vom BSV Bern, der ebenfalls nachnominiert worden ist. Im Gegensatz zu Vögtli, der als überzähliger Akteur auf der Tribüne sass, nahm Idrizi gegen Olympiasieger und Weltmeister Dänemark erstmals bei einem A-Länderspiel auf der Bank Platz. Zu Einsatzminuten gelangte er nicht, trotzdem sammelte er wertvolle Erfahrungen. «Es war sehr emotional, es wurde viel geredet, gejubelt, Andy Schmid gab Tipps.» Am Ende habe man sich für den starken Auftritt leider nicht belohnt, entsprechend gross sei der Frust gewesen. «Jetzt liegt der Fokus aber schon auf dem nächsten Spiel.» Er selbst hofft gegen Nordmazedonien auf die ersten Spielminuten für die Schweiz.

Wie auch immer: Für Ammar Idrizi, der aufgrund seiner Wurzeln über vier Staatsbürgerschaften verfügt (Schweiz, Bosnien, Slowenien, Kosovo), passen die Tage beim Nationalteam zum markanten Aufwärtstrend in seiner Karriere. Nach der Juniorenzeit in der SG Pilatus und einer NLB-Saison in Emmen steht er bei Kriens-Luzern in der zweiten QHL-Saison. Als sein teaminterner Konkurrent Levin Wanner zu Jahresbeginn mit einer Blessur ausfiel, nutzte Idrizi die zusätzliche Spielzeit zu starken Leistungen. Zwar machten sich durch die grössere Belastung auch seine Patellasehnenprobleme wieder bemerkbar (Jumper’s Knee), seine Form verbesserte sich aber kontinuierlich. «Das gab mir Selbstvertrauen, meine Chancenauswertung lag stets bei über 70 Prozent», erzählt der sprungkräftige und technisch starke Linkshänder stolz. Mit 70 Treffern ist der 1,81-Meter grosse Flügelspieler derzeit der sechstbeste Skorer der Zentralschweizer.

Idrizi will künftig «mehr Bälle klauen»

Beim atemberaubenden 37:26-Sieg gegen Schaffhausen von Mitte April sei ihm mit sechs Treffern aus sieben Versuchen gar das perfekte Spiel geglückt. Den Vertrag in Kriens hat er vor kurzem bis 2023 verlängert, neben dem Handball arbeitet der ausgebildete Kaufmann als Sachbearbeiter in der Buchhaltung bei Hornbach und studiert Betriebswirtschaft. «Ich möchte Profi werden, im Ausland und in der Champions League spielen», erzählt Idrizi, der Sportler wie den Basketballer Michael Jordan oder Patrick Groetzki, den Flügel der Rhein-Neckar Löwen, bewundert. Woran er arbeiten muss, weiss er genau, diesbezüglich erhält er auch in den Trainings mit den Schweizern wichtige Inputs. «Ich sollte in der Abwehr frecher auftreten, Stürmerfouls provozieren, dem Gegner Bälle klauen und mehr Tore über den Gegenstoss erzielen.» Vielleicht schon am Sonntag, beim Showdown in der EM-Qualifikation in Skopje.

Danach geht es für Ammar Idrizi Schlag auf Schlag weiter. Am nächsten Mittwoch startet Kriens-Luzern in den Playoff-Viertelfinal gegen Wacker Thun, am darauffolgenden Samstag steht der Cupfinal gegen Schaffhausen auf dem Programm. «Do or die», dieser Slogan gilt für Idrizi also auch im sportlichen Alltag mit dem Klub.