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ANALYSE: Eidgenössisches: Alle gegen die Berner

Sportreporter Klaus Zaugg über den Zusammenhalt der Berner Schwinger und die Chancen der Innerschweizer am Eidgenössischen.
Spitzenpaarung im ersten Gang: Der Innerschweizer Christian Schuler (rechts) trifft auf den Berner Matthias Sempach (hier am 31. Juli auf dem Brünig). (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Spitzenpaarung im ersten Gang: Der Innerschweizer Christian Schuler (rechts) trifft auf den Berner Matthias Sempach (hier am 31. Juli auf dem Brünig). (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Die Ausgangslage beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Estavayer ist offen wie noch selten – und doch sind die Berner zuversichtlich, an die «Belle Epoque» des letzten Jahrhunderts anknüpfen zu können. Als sie zwischen 1966 und 1974 durch Rudolf Hunsperger und David Roschi viermal hintereinander den Thron bestiegen und im Schlussgang zweimal unter sich waren (1969 und 1974). Für die Berner ist es eine heilige Pflicht, am Sonntag den Thron zu verteidigen, den sie seit 2010 durch Kilian Wenger und Matthias Sempach besetzen.

Der wichtigste Grund für die Zuversicht ist nicht allein das individuelle Können von Titanen wie Kilian Wenger, Christian Stucki, Remo Käser oder Matthias Sempach. Entscheidend könnte ihre Fähigkeit sein, in schweren Stunden zusammenzuhalten. Warum ist der Zusammenhalt der Berner grösser? Weil ihr Teilverband der einzige ist, der nur aus einem einzigen Kanton besteht und so eine ethnische Einheit bildet. Sie haben zwar ihren Verband in sechs Gaue aufgeteilt (Oberland, Emmental, Seeland, Mittelland, Oberaargau und Jura). Aber der Unterschied zwischen einem Oberländer, Emmentaler, Oberaargauer oder Seeländer ist – wenn es nicht gerade um Eishockey und Fussball geht – viel kleiner als jener zwischen einem Luzerner, Zuger, Urner, Ob- oder Nidwaldner. Der Innerschweizer Teilverband besteht aus den Kantonen Ob- und Nidwalden, Luzern, Uri, Schwyz und Zug. Gäbe es im Tessin Schwinger, so würden sie für die Innerschweizer antreten.

Die Eidgenoessischen Fahnen beim Fahnenempfang in Estavayer-le-Lac. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Andreas Aebi, OK-Präsident Burgdorf, spricht anlässlich des Fahnenempfangs. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Albert Bachmann, OK-Präsident Estavayer 2016, spricht anlässlich des Fahnenempfangs, am Eidgenoessischen. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Der Bürgermeister von Estavayer, Andre Losey, spricht anlässlich des Fahnenempfangs. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Andreas Aebi, OK-Präsident Burgdorf, spricht anlässlich des Fahnenempfangs. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Marie Garnier, Staatsrätin des Kantons Freiburg, Mitte, anlässlich des Fahnenempfangs. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Männer und Frauen stossen mit Bierhumpen auf das bevorstehende Eidgenoessische Schwingfest an. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Albert Bachmann, OK-Präsident Estavayer 2016, stösst mit einem Bier auf das bevorstehende Eidgenössische Schwingfest an. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Der Fahnenempfang in den Strassen von Estavayer-le-Lac. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Albert Bachmann, OK-Präsident Estavayer 2016, rechts, und Marie Garnier, Staatsrätin des Kantons Freiburg, links, beim Fahnenempfang. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Männer tragen Treicheln durch die Strasse von Estavayer-le-Lac. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Die «Grenadiers fribourgeois», schiessen eine Ehrensalve anlässlich des Fahnenempfangs. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Albert Bachmann, OK-Präsident Estavayer 2016, am Fahnenempfang. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Albert Bachmann, OK-Präsident Estavayer 2016, in Begleitung von Ehrendamen am Fahnenempfang. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Albert Bachmann, OK-Präsident Estavayer 2016, in Begleitung von Ehrendamen am Fahnenempfang. (Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott)
Diese jungen Männer geniessen das heisse Wetter mit einem kühlen Bier. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT)
Die bärtigen Freiburger verfolgen das Spektakel von einem schattigen Plätzchen aus. (Bild: URS FLUEELER)
Zuvor marschierten auch sie über das Festgelände. (Bild: URS FLUEELER)
Diese Reiter zeigen eine Kür auf dem Rasen der Arena. (Bild: URS FLUEELER)
Diese Reiter zeigen eine Kür auf dem Rasen der Arena. (Bild: URS FLUEELER)
Mit vielen bunten Luftballons feiern auch die Kleinen ganz gross. (Bild: URS FLUEELER)
Der Feldschlösschen Sechsspänner fährt mit dem Schlossfräulein von Estavayer in die Arena ein. (Bild: Feldschlösschen/André Springer)
So sehen die lebenden Sachpreise des Gabentempels aus. Der Siegermuni misst 188cm! (Bild: photo:roger gruetter)
So sehen die lebenden Sachpreise des Gabentempels aus. (Bild: photo:roger gruetter)
So sehen die lebenden Sachpreise des Gabentempels aus. (Bild: photo:roger gruetter)
Eidenössisches Schwing & Älplerfest (Bild: photo:roger gruetter)
Mädchen in Freiburger Sonntagstracht in der Arene de la Broye. (Bild: swiss-image.ch)
Eine Volkloregruppe bei ihrem Auftritt auf dem Festgelände. (Bild: URS FLUEELER)
Eine Volkloregruppe bei ihrem Auftritt auf dem Festgelände. (Bild: URS FLUEELER)
Auch diese Zuschauer wissen, wie man sich am besten abkühlen kann. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT)
Noch ein Moment der Erfrischung: Die Ehrendamen an der Eröffnungsfeier. (Bild: URS FLUEELER)
Die Ehrendamen an der Eröffnungsfeier. (Bild: URS FLUEELER)
Jungschwinger zeigen ihr Können in der Arene de la Broye. (Bild: swiss-image.ch)
F5-Tiger der Patrouille Suisse zeigen ihre Kuenste am Himmel über dem Festgelände. (Bild: PETER SCHNEIDER)
F5-Tiger der Patrouille Suisse zeigen ihre Kuenste am Himmel über dem Festgelände. (Bild: PETER SCHNEIDER)
F5-Tiger der Patrouille Suisse zeigen ihre Kuenste am Himmel über dem Festgelände. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT)
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Eröffnung des «Eidgenössischen»

Die Berner sind in Zeiten des Eidgenössischen immer zuerst Berner, erst dann Emmentaler, Oberländer, Mittelländer oder Jurassier. Und sie tragen alle noch immer den Stolz des alten, mächtigen Bern im Herzen. Sie haben nie vergessen, dass Bern einmal einer der mächtigsten Stadtstaaten Europas war. Eines der bernischen Staatsoberhäupter aus dieser Zeit soll einst gesagt haben: «Mich schaudert, wenn ich daran denke, wie vornehm und mächtig wir sind.» Und nun schaudert es die Berner, wenn sie daran denken, wie stark und böse ihre Titanen sind. Im Schwingen lebt jener Stolz fort, den Bern in Baden, im ständigen Ort der Tagsatzungen der alten Eidgenossenschaft, pflegte. Die Berner bauten in Baden an der «Weiten Gasse», der wichtigsten Strasse, ein eigenes stattliches Haus, das «Bernerhaus», um den Stolz ihres Standes zu zeigen. Die übrigen Orte begnügten sich mit Unterkunft in Wirtshäusern, und die Kantone aus der Innerschweiz logierten nicht einmal gemeinsam im gleichen Gasthaus. Die Urner mit den Baslern im «Hecht», die Zuger und Luzerner im «Engel».

Wer soll den regierenden König Matthias Sempach, wer die Titanen Christian Stucki, Remo Käser oder Kilian Wenger (König von 2010) bodigen? Einer wird wohl mindestens bis in den Schlussgang durchkommen. Der Vorteil: Wenn einer keine Chance mehr auf den Thron hat, wird er sich für die anderen Berner opfern. Er wird alles daransetzen, von diesem Zeitpunkt an die Gegner zurückzubinden und sich für seine Kameraden zu opfern. Nichts mehr riskieren, nicht mehr auf Sieg schwingen und nur noch ein Remis suchen, damit der Gegner kostbare Punkte verliert. Solche Punktverluste können entscheidend sein, wenn es darum geht, im fünften, sechsten oder siebten Gang die Schlussgangqualifikation zu holen.

Der Zusammenhalt zeigt sich auch neben dem Sägemehlring. Eine Szene aus dem Jahre 1989 mag veranschaulichen, was dieser Zusammenhalt bedeutet. Vor dem Schlussgang zwischen dem vermeintlich chancenlosen Aussenseiter Adrian Käser und dem himmelhohen Favoriten Geni Hasler. Adrian Käser sass im Zelt der Berner, umringt von seinen Kameraden, darunter auch Niklaus Gasser und Fritz Flühmann, der eigentlich allen Grund gehabt hätte, zu schmollen. Er war punktgleich mit Adrian Käser vom Einteilungskampfgericht bei der Nomination für den Schlussgang übergangen worden. Aber das zählte nicht mehr.

Die Berner schotteten sich von der Umwelt ab und liessen sich in der Konzentration nicht mehr stören. Es schien, als würden sie vor diesem schweren Kampf die bernischen Geister aus alten, ruhmreichen Zeiten in einer Art «Zwilchhosen-Voodoo» beschwören. Der einsame Geni Hasler, von seinen Fans schon vor dem letzten Kampf als König gefeiert, hatte keine solche Unterstützung und verlor den besten, dramatischsten Schlussgang aller Zeiten. Adrian Käser, der Vater des heutigen «Bösen» Remo Käser, wurde mit 18 Jahren der jüngste König aller Zeiten. Beim Eidgenössischen gilt: alle gegen die Berner. Aber die Gegner der Berner halten nicht zusammen wie die Berner.

In Basel haben die Fans bei einem Spiel gegen die Young Boys einmal ein Spruchband hochgehalten. «Euch das Schwingen, für uns den Fussball.» Wohl wahr. 1986 hat YB den letzten Titel gefeiert. Seither gewann der FC Basel elfmal die Meisterschaft, zuletzt 2016. Im Jahr 1958 war Max Widmer der letzte König aus dem nordwestschweizerischen Teilverband. Seither haben die Berner achtmal den eidgenössischen Königsthron bestiegen, zuletzt 2013 in Burgdorf.

Die Innerschweizer haben einmal den Königstitel geholt (Harry Knüsel, 1986) und einmal die Fussballmeisterschaft gewonnen (FC Luzern, 1989). In Estavayer gehören die Innerschweizer Christian Schuler, Philipp Laimbacher und Andreas Ulrich zu den aussichtsreichsten Herausforderern der königlichen Bösen aus dem Bernbiet.

Heiss: Bei der Eröffnungsfeier sassen die Besucher im Schatten. (Bild Roger Grütter)

Heiss: Bei der Eröffnungsfeier sassen die Besucher im Schatten. (Bild Roger Grütter)

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