Analyse
Sieben statt vier Ausländer – das ist ein sportlicher und finanzieller Unfug

Klaus Zaugg schreibt in seiner Analyse zur Erhöhung der Ausländerzahl im Schweizer Eishockey:

Klaus Zaugg
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Der Schwede Carl Klingberg im Dress des EV Zug kämpft gegen Ambris Tobias Fohrler um die Scheibe.

Der Schwede Carl Klingberg im Dress des EV Zug kämpft gegen Ambris Tobias Fohrler um die Scheibe.

Patrick Straub/freshfocus

Selten haben unsere Liga- und Klubgeneräle so viel Mut bewiesen. Es braucht nämlich Mut, ja Tollkühnheit, Massnahmen zu beschliessen, die flächendeckend abgelehnt werden. Vom Publikum über die Spieler bis zu den Trainern. Die Vertreter der 12 NL-Klubs haben beschlossen, ab übernächster Saison nicht mehr vier, sondern sieben Ausländer zuzulassen. Nur die ZSC Lions stimmten dagegen, Ambri enthielt sich der Stimme. Die Torheit der Regierenden. Grober sportlicher und finanzieller Unfug.

Ab 2022/23 werden also sieben Ausländer pro Spiel und Team zugelassen. Mehr noch: Heute darf ein Klub während einer Saison nur acht Ausländerlizenzen lösen. So wird das Ein- und Ausfliegen des ausländischen Personals eingedämmt. Aber ab 2022/23 dürfen beliebig viele Ausländer lizenziert werden. Wir dürfen uns ab 2022/23 auf verrückte «Flugjahre» freuen. Schon jetzt sind die meisten Sportchefs nicht fähig, vier gute ausländische Spieler zu rekrutieren. Wenn dann sieben gebraucht werden, ist abzusehen, dass laufend «Nieten» ausgetauscht werden müssen. Mit einer unabsehbaren Kostenfolge.

Natürlich sagen die Vernünftigen, man werde gar nicht sieben Ausländer einsetzen. Gerade Langnaus Präsident Peter Jakob, die Glaubwürdigkeit und Seriosität in Person, erklärt, man werde sich einschränken. Was mit hundertprozentiger Sicherheit nicht der Fall sein wird. Jeder Klub wird mit sieben Ausländern spielen. Um konkurrenzfähig zu sein. Diese Saison wäre es möglich gewesen, zurückhaltend zu sein. Das Publikum würde es verstehen, wenn nicht alle vier Ausländerpositionen besetzt werden. Die Langnauer sind gerade daran, den fünften Ausländer zu verpflichten.

Langnaus Schwede Marcus Nilsson kann die Erwartungen bisher nicht erfüllen.

Langnaus Schwede Marcus Nilsson kann die Erwartungen bisher nicht erfüllen.

Urs Lindt/Freshfocus

Die «billigen» Ausländer, von denen etwa SCB-Manager Marc Lüthi gerne fabuliert, gibt es nicht. Gäbe es sie, wären sie schon hier. Das Problem: Unsere Liga ist so gut, dass nur ein Spieler mit NHL-Talent zu dominieren vermag. Langnau hat mit Marcus Nilsson den letztjährigen Topskorer der schwedischen Liga engagiert. Er steht nach 17 Spielen bei einem einzigen Tor und acht Assists. Ab und zu gelingt es, wirklich gute Ausländer zu finden. Wenn Europäer oder Nordamerikaner aus familiären Gründen ein ruhigeres Leben suchen oder ein junger Spieler noch nicht reif ist für die NHL (wie vorletzte Saison Dominik Kubalik).

Dass die Lizenz-Schweizer (ausländische Spieler mit Schweizer Lizenz) nach dem 22. Geburtstag diesen Status verlieren, hat keinerlei Einfluss: Ein paar sind gut genug, um als Ausländer einen Vertrag zu bekommen (wie Ivars Punnenovs oder Dominic Zwerger). Der Rest verliert den Job.

Zurzeit besteht eine Nachfrage von 48 Jobs (12 Klubs à 4 Ausländer). Ab 2022/23 steigt diese Nachfrage auf 84. Die Anzahl verfügbarer ausländischer Spieler bleibt aber gleich. Frage: Gehen die Preise rauf oder runter, wenn bei gleichbleibendem Angebot die Nachfrage steigt? Eben.

Auch die Hoffnung, mit Ausländern liessen sich die Löhne der Schweizer drücken, wird sich nicht erfüllen. Brauchbare ausländische Spieler sind wegen der Lohnnebenkosten teurer als jeder helvetische Mitläufer. Und das «Financial Fairplay» (die Lohnbegrenzung) wird ein völlig zahn- und nutzloser Papiertiger sein: Die Regelung kann nämlich nur mit Einstimmigkeit eingeführt werden. Die neue Ausländerregelung wird die Lohntreiberei mächtig anheizen und fügt unserer Hockeykultur schweren Schaden zu.

Wir haben eine der besten Ligen der Welt, die Zuschauerzahlen sind weltweit nach der NHL die höchsten. Wenn es den Eseln zu wohl wird, gehen sie auf dem Eis tanzen. Der Eistanz unserer Liga- und Klubesel hat begonnen.

Autoren-PorträtsKlaus Zaugg

Autoren-PorträtsKlaus Zaugg

Lz