Anruf der Trainerin sorgt für einen Wow-Effekt bei der Luzerner Volleyballerin Lisa Müller

Die Surseerin Lisa Müller (19) erhält einen von zwei Praktikumsplätzen beim NLA-Volleyballteam von Neuchâtel.

Theres Bühlmann
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Lisa Müller, hier noch im Dress von Volley Luzern.

Lisa Müller, hier noch im Dress von Volley Luzern.

Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 27. Oktober 2019)

Sie wurde Anfang dieses Jahres ganz schön auf die Folter gespannt, die 19-jährige Volleyballerin Lisa Müller aus Sursee, letzte Saison als Aussenangreiferin beim NLB-Verein Volley Luzern tätig. Spielertrainerin Leona Neumannova signalisierte ihr, dass ein Club an ihr Interesse zeige. Verraten durfte sie aber noch nichts. Im Februar klingelte dann bei Lisa Müller das Telefon, am anderen Ende meldete sich Lauren Bertolacci, Trainerin beim NLA-Club Neuchâtel UC. Sie bot ihr einen der zwei Plätze an, welche der Verein für die Saison 2020/2021 an junge und talentierte Akteurinnen als Praktikum vergibt. Diese können mit der NLA-Mannschaft trainieren und in der NLB-Meisterschaft Erfahrungen als Spielerinnen sammeln und werden so in ihrer sportlichen Entwicklung unterstützt.

«Wow, super», sagte Lisa Müller damals, und nahm mit grosser Freude an.

Lauren Bertolacci war einst Lisa Müllers Trainerin in der Talent School Luzern. «Lisa hat mich damals immer durch ihre Entschlossenheit in den Trainings und im Wettkampf beeindruckt. Sie ist eine sehr gute Spielerin, und weist bereits viel NLB-Erfahrung auf», lässt sich Lauren Bertolacci auf der Vereinshomepage vernehmen. Die Australierin coachte auch das NLA-Männerteam von Volley Luzern, ehe sie im Mai 2018 Neuchâtel übernahm. Sie führte in der Folge die Westschweizerinnen zweimal zum Sieg im Supercup, 2019 gewann Neuchâtel auch noch die Meisterschaft und den Cup-Final. «Ich fühle mich durch dieses Mitmachen bei Neuchâtel sehr privilegiert», sagt die 179 Zentimeter grosse Lisa Müller. «Ich hoffe von den arrivierten Spielerinnen viel zu profitieren, als Person und als Akteurin, an Routine und Konstanz zu gewinnen, um dereinst in einem NLA-Club Fuss zu fassen.» Gecoacht wird Neuenburgs NLB-Team von Laura Girolami, die eng mit Lauren Bertolacci zusammenarbeitet.

In der Not Bälle an das Garagentor geschmettert

Lisa Müller begann vor fünf Jahren mit Volleyball, erst beim VBC Sursee, die letzten zwei Saisons bestritt sie bei Luzerns NLB-Equipe, zeigte starke Leistungen, verfügt über viel Spielübersicht und lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen.

Während des Lockdowns hielt sich Lisa Müller zu Hause mit Online-Livetrainings und den Trainingsplänen der Talent School fit, «oder ich schmetterte Bälle an das Garagentor». Ab und zu betätigte sich ihr Bruder Tom (16) als Trainingspartner, der kein Volleyballer ist, «aber er hat mir zuliebe mitgemacht». Nun darf unter Einhaltung der Schutzkonzepte wieder trainiert werden. Das macht sie in der Talent School in Luzern oder in der Beach-Anlage im Luzerner Lido. Zu den Trainings nach Neuchâtel pendelt sie vorläufig.

Jobsuche und Einzug in eine Wohngemeinschaft

Lisa Müller schloss in diesem Jahr die Fachmittelschule mit Schwerpunkt Pädagogik ab und legt nun ein Zwischenjahr ein, begibt sich auf die Suche nach einem Job in Neuenburg, der mit ihrem Engagement als Volleyballspielerin kompatibel ist. Ihr einjähriger Vertrag in der Westschweiz beginnt Mitte August, dann wird sie in eine WG ziehen.

Für die Westschweizerinnen beginnt die Saison am 26. September in Gümligen mit dem Supercup, bei dem der Cupfinal nachgetragen wird, der coronabedingt Ende März gestrichen wurde. Das Team von Lauren Bertolacci trifft dort auf Sm’Aesch Pfeffingen.

«Es wäre natürlich ein Traum, mit Neuchâtel NLA-Partien zu bestreiten», sagt Lisa Müller. Sie ist sich aber bewusst, dass ihr Fokus auf der NLB-Equipe liegen wird. Aber Erfahrungen sammeln im erweiterten NLA-Kader und in der zweithöchsten Liga bei einer der besten Volleyball-Adressen in der Schweiz zu spielen, so die Möglichkeit zu haben, das Potenzial weiter zu entfalten, ist auf dem Weg nach oben viel wert. Und sie will nach oben.