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Eine argentinische Seifenoper vor dem Mailänder Derby

Die AC Milan befindet sich im Höhenflug, bei Inter dreht sich alles um die Degradierung des argentinischen Captains Mauro Icardi. Heute Abend (20.30 Uhr) kommt es zum Mailänder Derby.
Lukas Plaschy, Rom
Inter-Mailand-Stürmer Mauro Icardi mit seiner Ehefrau und Managerin Wanda Nara. (Bild: Luca Bruno/Keystone (Mailand, 21. Februar 2019))

Inter-Mailand-Stürmer Mauro Icardi mit seiner Ehefrau und Managerin Wanda Nara. (Bild: Luca Bruno/Keystone (Mailand, 21. Februar 2019))

Beim Inter Mailand passt aktuell wenig zusammen. Dabei träumte man zu Saisonbeginn noch davon, Dauermeister Juventus Turin das Leben schwer machen und den ersten Titel seit 2010 in die Domstadt zu holen. Am Donnerstag schied man mit einer blamablen 0:1-Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt vorzeitig aus der Europa-League aus. In der Serie-A ist man auf den vierten Platz abgerutscht. Legt das Team von Trainer Luciano Spalletti in den nächsten Partien nicht einen Zahn zu, droht der Zug in Richtung Königsklasse ohne die Nerazzurri abzufahren. Spallettis Trainerstuhl wackelt nach zehn Saisonniederlagen gewaltig. Sein Abschied zum Ende der Saison gilt bereits als sicher. Bei einer Pleite im Derby droht dem 60-jährigen Toskaner gar die vorzeitige Entlassung. Als Nachfolger beim 18-fachen italienischen Meister möchte der neue Sportdirektor Giuseppe Marotta entweder Antonio Conte oder Massimiliano Allegri holen. Inters neuer Manager kennt beide aus gemeinsamen Zeiten bei Juventus Turin.

Die sportliche Krise der Mailänder hat viel mit Stürmer Mauro Icardi zu tun. Ziemlich genau vor einem Monat entzog die Vereinsführung seinem besten Torjäger die Captainbinde – per Twitter-Meldung. Offiziell figuriert der zweifache Serie-A-Torschützenkönig auf der Verletztenliste, er habe Kniebeschwerden. So soll zumindest der Schein gewahrt werden.

Denn der stolze Gaucho hat mit der Degradierung, diesem Akt der Erniedrigung, das Gesicht verloren. Schmollend spult er nun im Trainingszentrum in Appiano Gentile seine täglichen Physio-Einheiten ab. 110 Millionen beträgt die festgeschriebene Ablösesumme für Icardi. Mit jedem Tag ohne Spielpraxis sinkt der Marktwert des 26-Jährigen aus Rosario. Die Interessenten Real Madrid und Juventus Turin werden im Sommer wohl nicht mehr als 60 Millionen Euro für ihn locker machen müssen.

Die Rolle von Icardis Ehefrau

Dass die Fronten so verhärtet sind, hat auch mit der zentralen Rolle von Icardis Ehefrau, Wanda Nara, zu tun. Sie ist nicht nur Spielerfrau, sondern auch Icardis Managerin. In dieser Funktion fordert sie seit Monaten vom chinesischen Vereinspräsidenten Steven Zhang einen neuen, mit über sieben Millionen Euro dotierten Mehrjahresvertrag für ihren Ehemann. Dabei ist Icardi bereits jetzt der bestbezahlte Spieler im Kader. Sehr zum Ärger einiger Mitspieler, vor allem der Kroaten Perisisc und Brozovic. Sie lachen sich nun ins Fäustchen, dass der slowenische Torhüter Samir Handanovic zum neuen Spielführer bestimmt worden ist. Die Causa Icardi nimmt immer groteskere Züge an. Längst gleicht sie einer Seifenoper. Als Dauergast in der landesweit ausgestrahlten sonntäglichen Fussballsendung «Tiki Taka» auf dem Berlusconi-Sender Canale 5 lässt Nara ebenfalls keine Gelegenheit aus, Trainer Spalletti, sein Spielsystem oder die Klubführung vor Millionen von Zuschauern zu kritisieren.

Mit Ronaldo auf Augenhöhe

Über die AC Milan sind aktuell keine atmosphärischen Störungen überliefert. Die Mannschaft von Ex-Sion-Trainer Gennaro Gattuso hat in den letzten Wochen den Stadtrivalen in der Tabelle überholt. Der siebenfache Champions-League-Sieger ist auf gutem Weg, sich erstmals seit 2013 wieder für die Königsklassen zu qualifizieren. Beim Diavolo sorgt ebenfalls ein Stürmer für Schlagzeilen –im positiven Sinne. Der Pole Krzysztof Piatek, ausgesprochen «Piontek», schiesst Milan momentan quasi im Alleingang von Sieg zu Sieg. Weil er nach seinen Toren jeweils im Stile eines Westernhelden mit seinen Händen zwei rauchende Colts imitiert, nennen ihn die Tifosi «Pistolero». Der bis vor wenigen Monaten unbekannte 23-jährige Rechtsfuss hatte im Januar für 35 Millionen Euro Ablöse vom FC Genoa nach Mailand gewechselt. Mit 19 Toren aus 26 Serie-A-Partien macht Piatek Juve-Superstar Ronaldo (ebenfalls 19 Treffer) die Torjägerkrone streitig. Aber auch die solide Defensive um Riccardo Rodriguez trägt das ihre zum Höhenflug der Rossoneri bei. Der Nati-Verteidiger wird auch heute im ausverkauften Giuseppe-Meazza-Stadion zur Startformation gehören.

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