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Heisses Blut und Strassenschlachten: Fussball-Gewalt ohne Ende in Argentinien

Fangewalt gehört zum Alltag im argentinischen Fussball. Insbesondere wenn die beiden populärsten Clubs River Plate und Boca Junior aufeinander treffen. Das Final-Rückspiel in der südamerikanischen Champions League musste zweimal abgesagt werden.
Daniel Good
Sicherheitskräfte gegen Fussball-Hooligans: Der Sport bleibt in Argentinien auf der Strecke (EPA/Matias Napoli)

Sicherheitskräfte gegen Fussball-Hooligans: Der Sport bleibt in Argentinien auf der Strecke (EPA/Matias Napoli)

Fussball kann wie Krieg sein in einem Land, das immer wieder von Krisen heimgesucht wird. Derzeit steht einmal mehr Argentiniens Wirtschaft vor dem Abgrund. Der Wertzerfall der Landeswährung Peso ist beängstigend, im Ausland hat das Land mehr als 200 Milliarden Dollar Schulden, investieren will niemand mehr.

328 Todesopfer

Der Fussball war in Argentinien schon immer das Ventil für die krisengeplagte Bevölkerung. Erfolg auf dem Rasen entschädigt das Volk für die Pein des Alltags. Bleiben die Siege aber aus, gerät alles aus den Fugen.

Strassenschlachten mit roher Gewalt und Toten und Verletzten sind die Folge. Auf den Tribünen der Stadien sind die Gesetze ausser Kraft. Schon 328 Tote soll es in Argentiniens Fussball gegeben haben. Die meisten am 23. Juni 1968, als 71 Anhänger der Boca Juniors im Gedränge vor verschlossenen Toren zu Tode kamen – im Rahmen eines Spiels gegen River Plate.

Der Klassenkampf auf dem Rasen

Diese Boca Juniors, ein Club aus Buenos Aires, aus dem Hafenviertel La Boca, stehen derzeit im Final der südamerikanischen Champions League, der sogenannten Copa Libertadores. Der Gegner ist River Plate, ebenfalls ein Verein aus Buenos Aires – der grösste Rivale der Juniors. Seit 1913 fanden 373 direkte Vergleiche zwischen den beiden beliebtesten Clubs des Landes statt. Etwa 70 Prozent der Argentinier teilen die Sympathie mit River Plate oder den Boca Juniors.

River Plate war einst der Verein der Oberschicht. Schon in den 1930er-Jahren leistete sich der Club kostspielige Transfers. Die Boca Juniors dagegen waren der Verein der Arbeiter. Das führte zum Klassenkampf im Fussball. Mittlerweile setzen sich die Anhänger beider Equipen aber aus allen gesellschaftlichen Schichten zusammen.

Die meisten und gewalttätigsten Anhänger

Für die Medien ist der diesjährige Final um die Copa Libertadores «das grösste Spiel aller Zeiten». Das Hinspiel fand am Sonntag vor einer Woche statt und endete im Stadion der Boca Juniors 2:2. Die Partie war zunächst auf den Samstag angesetzt, musste aber wegen eines Unwetters um 24 Stunden verschoben werden.

Das 2:2 hat die Spannung weiter genährt, denn die Juniors sind auswärtsstark. Sie gewannen zuletzt zweimal im Stadion von River Plate und spielten einmal unentschieden. Hinzu kommt, dass zum ersten Mal zwei argentinische Clubs im Final der Copa Libertadores stehen. Jene beiden mit den meisten und gewalttätigsten Anhängern.

Keine Fluchtwege im Stadion

50'000 Zuschauer waren am Donnerstag während des öffentlichen Trainings der Boca Juniors im Stadion. Sie belagerten auch die Treppen und versperrten die Fluchtwege. Vor so viel Heissblut wurde auch dem Staatspräsidenten Mauricio Macri angst und bange.

Macri weiss, wovon er spricht. Er war von 1995 bis 2007 Präsident der Boca Juniors. Er sagte:

«Der Druck ist unvorstellbar. Wer verliert, braucht 20 Jahre, um sich davon zu erholen. Es steht viel auf dem Spiel. Zu viel!»

Macri sprach erstmals von einem nationalen Notstand.

Tränengas im Mannschaftsbus

Das Rückspiel konnte noch nicht stattfinden. Es war zunächst auf Samstag angesetzt. Aber es gab eine Attacke auf den Bus der Boca Juniors, der Mannschaft ohne Heimvorteil. Als das Fahrzeug in die letzte, enge Kurve vor der Arena einbog, flog alles Mögliche aus der Menge der dort wartenden River-Anhänger auf den Mannschaftsbus.

Die wenigen Polizisten vor Ort setzten Tränengas ein, das durch die zerschlagenen Fenster ins Fahrzeug gelangte. Mehrere Spieler der Boca Juniors klagten über Unwohlsein. Auch Schnittwunden und Bindehautverletzungen wurden diagnostiziert. Carlos Tevez, der Altstar der Boca Juniors, sagte:

«Wir fühlen uns nicht in der Lage zu spielen.»

Der Samstag endete mit der Sperrung des Stadions, Strassenschlachten zwischen Polizei und Anhängern sowie etwa 100 Festnahmen.

Das Weltmeister-Stadion von 1978

Zunächst wurde das Rückspiel auf den Sonntag verschoben. Doch auch dieser Termin musste abgesagt werden. Boca wollte nicht mehr antreten. Ob und wann das Rückspiel im Monumental-Stadion von River Plate stattfindet, steht noch in den Sternen. In der Monumental-Arena wurde Argentinien 1978 zum ersten Mal Weltmeister.

Die Generäle maskierten während der Militärdiktatur mit dem WM-Titel ihre Gräueltaten. Auch das passt zum argentinischen Fussball.

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