Kommentar
Arrogant und ignorant: Weshalb der NHL-Verzicht auf Olympia 2018 eine Dummheit ist

Der Entscheid der National Hockey League, die Meisterschaft nicht für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang 2018 zu unterbrechen, ist ein Musterbeispiel dafür, wie der Gedanke ans eigene Portemonnaie den Blick fürs Ganze trübt.

Marcel Kuchta
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Hockey-Star Patrick Kane wird, wie alle NHL-Spieler, nicht an Olympia 2018 teilnehmen dürfen.

Hockey-Star Patrick Kane wird, wie alle NHL-Spieler, nicht an Olympia 2018 teilnehmen dürfen.

Keystone

Die NHL, die beste Eishockeyliga der Welt, hat Expansionsgelüste. Und zwar in Richtung Osten. Vor wenigen Tagen wurde bekanntgegeben, dass im kommenden September zwei NHL-Teams (Los Angeles Kings und Vancouver Canucks) in China Vorbereitungsspiele absolvieren werden. Dazu werden im Reich der Mitte – auch mit Subventionsgeldern aus der NHL – eine Vielzahl von Eishallen gebaut – auch im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking.

Der riesige asiatische Markt ist für jede Profiliga der Welt verlockend. Sogar für die Wintersportart Eishockey, die auf dem bevölkerungsreichsten Kontinent bis dato nicht mehr als ein Nischendasein gefristet hat.

Umso rätselhafter ist der Entscheid der NHL, dass man a) die Meisterschaft im kommenden Winter erstmals seit Lillehammer 1994 nicht mehr unterbricht und b) somit auch die besten Spieler der Welt nicht nach Südkorea reisen dürfen. Die Olympischen Winterspiele wären eine ideale Gelegenheit gewesen, den eigenen Sport, mitten in dem Markt, den man so gerne erobern möchte, zu präsentieren. Es ist eine Mischung aus Arroganz und Ignoranz, die zu diesem Beschluss geführt haben:

Dabei gibt es drei Aspekte zu beachten: 1.) Haben die NHL-Teams Angst, dass sie die eigene Fanbasis mit dem (fast dreiwöchigen) Meisterschaftsunterbruch und den Olympia-Spielen, die aufgrund der Zeitverschiebung zu unattraktiven TV-Zeiten stattfinden (früher Morgen/Vormittag), vergraulen.

2.) Grassiert die Angst, dass sich einer ihrer Starspieler am Turnier verletzt und somit der Schaden für die eigene Mannschaft gleich doppelt gross ist – sportlich, wie wirtschaftlich. In Sotschi erlitt der kanadische Captain der New York Islanders, John Tavares, eine schwere Knieverletzung und fiel für den Rest der Saison aus. Die Führungsetage der Islanders schäumte vor Wut.

3.) Geht es hauptsächlich um das liebe Geld: In ihrer Geldgier haben die NHL-Teams immer mehr Konzessionen vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) verlangt. Es ging dabei nicht nur um die Übernahme der Versicherungs- und Reisekosten, sondern letztlich auch um Beteiligungen an Sponsoren- und TV-Deals. Die NHL stellte Bedingungen, die das IOC auch aus Fairnessgründen gegenüber den anderen Wintersportarten schlicht und einfach nicht erfüllen konnte und wollte.

Immerhin gibt es aus Schweizer Sicht einen positiven Aspekt: Die Chancen der Schweizer Nationalmannschaft, am Olympiaturnier eventuell sogar um die Medaillen mitspielen zu können, sind sprunghaft gestiegen. Obwohl Spieler wie Roman Josi oder Nino Niederreiter – stand jetzt – nicht zu ersetzen sind, so fallen deren Absenzen im Vergleich zu anderen Nationalteams wie Kanada, USA, Schweden oder Finnland, die auf unzählige NHL-Stars verzichten müssen, weit weniger ins Gewicht.

Es könnte sich noch ein kleiner Notausgang öffnen: Der Besitzer der Washington Capitals, Ted Leonsis, hat unlängst angekündigt, dass er seinen Stars wie Alexander Owetschkin (Russland), Nicklas Bäckström (Schweden) oder Braden Holtby (Kanada) freie Hand lassen würde, falls sie an den Olympischen Spielen teilnehmen möchten. Sollte dieses Beispiel Schule machen, dann könnte diese leidige Geschichte doch noch mit einem Happy-end enden. Zweifel sind aber angebracht.

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