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Marokko: Auch Lucien Favre hat die Finger im Spiel

Marokko ist erstmals seit 20 Jahren wieder an einer WM dabei. Einer der besten Spieler der afrikanischen Mannschaft ist Younes Belhanda. Der Schweizer Trainer machte ihn wieder stark.
Daniel Good

In Marokko tanzen sie derzeit auf zwei Fussball-Hochzeiten. Einerseits steht die fünfte WM-Teilnahme der Nationalmannschaft bevor. Andererseits hoffen die Marokkaner, im Jahr 2026 als zweites afrikanisches Land ein WM-Turnier ausrichten zu können.

1986 vor den Engländern

Die Fussballspieler aus Marokko zählen zu den erfolgreichsten in Afrika. 1986 in Mexiko ergatterten sie als erstes afrikanisches Land den ersten Platz in einer WM-Gruppe. Sie hielten überraschend England, Polen und Portugal auf Distanz. In den Achtelfinals bedeutete aber Deutschland Endstation für Marokko.

Portugal zählt auch an der WM in Russland zu den Vorrundengegnern Marokkos. Die Afrikaner haben zwar wiederum einige talentierte Spieler in ihren Reihen, aber eine Wiederholung des Erfolgs von 1986 ist so gut wie unmöglich.

Torgefährliche Verteidiger

Kopf und Captain der aktuellen WM-Mannschaft Marokkos ist der 31-jährige Innenverteidiger Medhi Benati, der für Juventus Turin spielt. Die Abwehr ist das Prunkstück der Marokkaner. In den entscheidenden WM-Qualifikationsspielen blieben sie in sechs Partien ohne Gegentreffer. Am 11. November des vergangenen Jahres legten die Marokkaner die Meisterprüfung ab. Auswärts gegen die starke Mannschaft von der Elfenbeinküste gewannen sie 2:0.

Neben Benati verteidigte der erst 19-jährige Achraf Hakimi, der bei Real Madrid unter Vertrag steht. Beide Treffer Marokkos gegen die Elfenbeinküste erzielten Verteidiger. ­Nabil Dirar von Fenerbahce Istanbul traf zum 1:0, Benati doppelte noch in der ersten Halbzeit nach.

Benati hatte von 2014 bis 2016 für Bayern München gespielt, ehe er zu Juventus wechselte. Nun steht ein Transfer nach Dortmund im Raum. Wie viele andere WM-Spieler Marokkos wurde Benati in Frankreich geboren. Seine Karriere als Profi begann in Marseille.

Ein 20-Jähriger für 25 Millionen

Nicht zum Einsatz beim entscheidenden 2:0 kam gegen die Elfenbeinküste der erst 20-jährige Amine Harit von Schalke. Er ist mit 25 Millionen Euro der wertvollste Spieler im Kader. An der WM ist mit ihm zu rechnen.

Einen bemerkenswerten Werdegang hat der 28-jährige Younes Belhanda. Allerdings wurde er bis jetzt nie so gut, wie dereinst vermutet wurde. Trotzdem ist er unbestrittener Stammspieler im zentralen offensiven Mittelfeld der Marokkaner.

Seine stärkste Saison hatte der in Avignon geborene Belhanda 2011/12, als der Abstiegskandidat Montpellier unter der Regie des Supertechnikers in Frankreich sensationell Meister wurde. Das war in der Ligue 1 ein Coup, wie ihn in der Saison 2015/16 Leicester in der englischen Premier League bewerkstelligte.

Nicht Inter oder Milan

Der damals 22-jährige Belhanda erhielt nach dem Meistertitel mit Montpellier Angebote aus halb Europa. Der Jungstar aus dem Süden Frankreich entschied sich 2013 für Dynamo Kiew. Das Gehalt verdreifachte sich auf 2,2 Millionen Euro. Wegen des Wechsels in den Osten erntete Belhanda Kritik in Frankreich. Die französischen Medien rechneten mit einem Transfer zu einem Renommierclub wie Inter Mailand oder AC Milan. «Kiew ist eine attraktive Mannschaft mit einer hervorragenden Infrastruktur. Zudem fand im Stadion Dynamos der EM-Final 2012 statt. Der Wechsel nach Kiew war kein Fehler», verteidigte sich Belhanda.

Für Nizza wurde er zu teuer

In der Ukraine fand er sich freilich nicht zurecht. Er wurde das Objekt mehrerer Leihgeschäfte. Auch bei Schalke landete er kurz. Aber erst als Belhanda in Nizza in die Obhut von Lucien Favre kam, verbesserten sich die Leistungen des einstigen Supertalents wieder. Belhanda spielte unter dem renommierten Schweizer Trainer so gut wie zu Beginn seiner Profikarriere in Montpellier.

Dies wirkte sich auch positiv auf die marokkanische Mannschaft aus, der auf einer wichtigen Position wieder ein Spieler von gehobener Klasse zur Verfügung stand. Als Favre Belhanda «aufgepäppelt» hatte, wurde der Spieler für Nizza zu teuer. Der marokkanische Regisseur wechselte 2017 zu Galatasaray Istanbul, wo er 3,3 Millionen Euro verdient.

Mit Galatasaray wurde Belhanada in der ­vergangenen Saison Landesmeister. Der offensive Mittelfeldspieler gab in der türkischen Süper Lig zehn entscheidende Vorlagen und erzielte sechs Tore.

Der Cup-Goalie aus Numancia

In einem Testspiel am 23. März besiegte Marokko den Schweizer Gruppengegner Serbien 2:1. Anfang Woche gewannen die Marokkaner in Genf gegen die Slowakei 2:1. Das Siegtor erzielte Belhanda. Mit der Klasse Benatias und Belhandas sind freilich nicht alle Spieler Marokkos ausgestattet. Der Goalie heisst Mounir und spielt für Numancia in der zweiten spanischen Liga. Mounir ist im Club der Torhüter für den Cup, in der Meisterschaft kam er bloss auf ein Saisonspiel. Der Stürmer Khalib Boutaid steht beim türkischen Club Yeni Malatyaspor unter Vertrag.

Immer zur Stammformation Marokkos gehören zwei Akteure aus der niederländischen Liga: der gefährliche Flügel Hakim Ziyech von Ajax Amsterdam und der routinierte Karim El Ahmadi von Feyenoord Rotterdam. Sie zählen zu den Aktivposten.

Der Trainer kennt Afrika

In Marokko rechnen sie sich für das Turnier in Russland einiges aus. Trotz der scheinbar übermächtigen Gruppengegner aus Spanien und Portugal ist wie vor 32 Jahren die Achtelfinal-Qualifikation das Ziel. Die defensive Stabilität soll auch die Favoriten aus Europa ins Wanken bringen. Ein Sieg im ersten Spiel gegen den Iran ist für die Anhänger aus Marokko selbstverständlich.

Marokkos Trainer Hervé Renard ist ein Kenner des afrikanischen Fussballs. 2012 führte er Aussenseiter Sambia zum ersten Sieg im Afrika-Cup. Drei Jahre später wiederholte der Franzose den Erfolg mit der Elfenbeinküste. Er ist der erste Trainer, der den Afrika-Cup mit zwei Ländern gewann.

Der Vorteil gegenüber den USA

Fussball ist die beliebteste Sportart in Marokko. Im Dezember 2013 war das Land Austragungsort der Club-WM. Sieger wurde Bayern München. Nun steht den Marokkanern der Sinn nach mehr. 2026 soll die WM in Marokko stattfinden. Deutlich favorisiert ist aber die gemeinsame Kandidatur der USA, Kanadas und Mexikos. Am 13. Juni fällt in Moskau der Entscheid über den WM-Austragungsort in acht Jahren. Einen Vorteil haben die Marokkaner im Vergleich mit der Kandidatur aus Übersee: Im Gegensatz zu den USA und Kanada sind sie in Russland mit von der Partie.

Fakten zu Marokko

Einwohner: 36 Millionen

Weltrangliste: 42

WM-Teilnahmen: 5

Bestes WM-Ergebnis 11 (1986)

Gründung Verband: 1955

Beitritt zur Fifa: 1956

Besonderheit: Je vier Spieler, die in Frankreich oder den Niederlanden geboren worden sind, standen beim entscheidenden 2:0-Auswärtssieg gegen die Elfenbeinküste auf dem Platz. Überdies zwei gebürtige Spanier sowie Nabil Dirar, der in Belgien auf die Welt kam.

Kader

Tor: Mounir (Numancia), Bounou (Girona), Tagnaouti (Tanger).

Verteidigung: Benatia (Juventus), Saîss (Wolverhampton), Da Costa (Basaksehir), Dirar (Fenerbahce), Hakimi (Real Madrid), Mendyl (Lille).

Mittelfeld: Boussoufa (Al Jazira), El Ahmadi (Feyenoord Rotterdam), Bennasser (Caen), Amrabat (Feyenoord Rotterdam), Belhanda (Galatasaray Istanbul), Fajr (Getafe), Harit (Schalke).

Sturm: Boutaib (Malatyaspor), Bouhaddouz (St. Pauli), El Kaabi (Berkane), Amrabat (Leganes), Carcela (Standard Lüttich), Ziyech (Ajax Amsterdam), En-Nesyri (Malaga).

Trainer: Hervé Renard.

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