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Kommentar

Der EVZ ist auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel

Redaktor Sven Aregger analysiert die Final-Niederlage des EV Zug.
Sven Aregger
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Die Geschichte wiederholt sich für den EV Zug. Wie vor zwei Jahren unterliegt er im Playoff-Final dem SC Bern. Doch die Enttäuschung über den verpassten Meistertitel ist in diesem Jahr ungleich grösser. Während der Finalvorstoss 2017 noch mehr oder weniger eine Überraschung war, durften sich die Zuger in diesem Frühling berechtigte Hoffnungen machen, die Durststrecke von 21 Jahren ohne Meistertitel zu beenden. Sie spielten trotz Verletzungen von Leistungsträgern eine souveräne Qualifikation und begeisterten die Fans auch in den Playoffs mit spektakulärem Tempohockey.

Und dennoch hat es am Ende wieder nicht gereicht, 1:4 lautet das deutliche Verdikt in der Finalserie. Im Nachhinein war die vierte Partie wohl ein Schlüssel zum Berner Titel. Die Zuger dominierten, sie hatten aber mit ihrer nachlässigen Chancenverwertung und umstrittenen Entscheiden der Schiedsrichter zu kämpfen. Der aberkannte Treffer zum 1:1 wegen Torhüterbehinderung hätte genauso gut zählen können. Es ist möglich, dass in diesem Fall das Spiel und damit die Serie in eine andere Richtung verlaufen wären. Aber den Zugern fehlte so auch das nötige Wettkampfglück.

Trotzdem ist der SCB kein unverdienter Meister. Die Berner haben sich im Laufe der Playoffs kontinuierlich gesteigert und es unter Trainerfuchs Kari Jalonen immer wieder geschafft, sich auf ihre Gegner einzustellen. Sie waren cleverer und abgeklärter als der EVZ und verfügen über die besondere Gabe, in wichtigen Momenten einen Zacken zulegen zu können. Im Final konnte sich der SCB auf seine Leader verlassen: Leonardo Genoni, Simon Moser, Gaëtan Haas und Co. waren bereit, als es darauf ankam. Die Erfahrung spielt halt doch eine Rolle. Ein Grossteil der Berner Mannschaft war schon bei den Titeln 2016 und 2017 dabei. Beim EVZ hingegen gab es nur zwei Spieler mit Meisterehren.

Die Ernüchterung in Zug ist im Moment gross, zumal die Ansprüche im Klub und dessen Umfeld gestiegen sind. Die Zuger schicken sich an, den grossen Organisationen aus Bern, Zürich und Lugano ein ernst- und dauerhafter Konkurrent zu werden. Daraus soll lieber früher als später der zweite Meistertitel resultieren. Der EVZ ist gerade strukturell so gut aufgestellt, dass er die Machtverhältnisse im Schweizer Eishockey in den nächsten Jahren nachhaltig beeinflussen dürfte.

Mit den kostspieligen Verpflichtungen des SCB-Torhüters Genoni und des Lugano-Goalgetters Grégory Hofmann sendet der EV Zug das Signal an die Konkurrenz, dass mit ihm ab der nächsten Saison noch vermehrt zu rechnen sein wird. Zug ist finanziell und auch konzeptionell eine reizvolle Adresse für namhafte Profis geworden. Einen Beitrag dazu leistet das Spitzensportzentrum OYM, das der vermögende Präsident Hans-Peter Strebel in Cham realisieren lässt und im Frühjahr 2020 eröffnet werden soll. Es wird dem EV Zug zumindest vorderhand erhebliche Vorteile in Sachen Infrastruktur und wissenschaftlicher Trainingslehre bringen.

Trainer Dan Tangnes scheint in dieser Entwicklung der ideale Mann zu sein. Der 40-jährige Norweger, der zuvor noch nie eine Playoff-Serie gewonnen hat, trägt nicht nur die Klubphilosophie mit der Nachwuchsförderung, er ist auch ein Verfechter moderner Trainingsmethoden. Und er hat sich zum Ziel gesetzt, in der Mannschaft eine Siegermentalität zu etablieren. Der Gewinn des Cup-Wettbewerbs ist ein Zeichen dafür, dass er den richtigen Weg eingeschlagen hat. Noch aber ist der Mentalitätswandel nicht abgeschlossen, das hat der Playoff-Final bewiesen. Und mit den Neuverpflichtungen wird der Druck auf Tangnes und seine Spieler zunehmen. Die Klubführung hat in der jüngeren Vergangenheit mehrfach klargestellt, wie hoch die Ambitionen sind. «Der EVZ wird eine Macht sein», sagte Präsident Strebel im letzten Herbst. An solchen Worten muss sich Zug in Zukunft messen lassen.

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