Jan Schäuble sucht in jedem Ruderschlag die Perfektion

Jan Schäuble rudert an der U23-WM zu seiner erste Medaille. Nun rüstet sich der 19-Jährige für die Elite-WM.

Stephan Santschi
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Jan Schäuble an den Europameisterschaften auf dem Rotsee. Bild: Alexandra Wey/K;eystone (31. Mai 2019)

Jan Schäuble an den Europameisterschaften auf dem Rotsee. Bild: Alexandra Wey/K;eystone (31. Mai 2019)

«Ein Schlussspurt geht immer. Doch als wir im Ziel ankamen, hätten wir für keinen weiteren Schlag mehr Kraft gehabt. Mehr lag nicht mehr drin.»

Jan Schäuble blickt mit einem Lächeln auf das bisher grösste Rennen in seiner noch jungen Ruderkarriere zurück. Am vorletzten Wochenende in Sarasota im US-Bundesland Florida skullte der 19-jährige Nidwaldner im leichten Doppelzweier mit dem Zuger Matthias Fernandez zu Bronze an der U23-Weltmeisterschaft. «Erstmals habe ich eine Medaille an einer WM gewonnen», frohlockt Schäuble. Und um zu veranschaulichen, wie gross dieser Erfolg für ihn ist, versichert er: «Hätten Sie mir im letzten Winter gesagt, dass ich das schaffe, hätte ich Sie ausgelacht.»

Leistungsschub dank Spitzensport-RS

Nicht, dass Jan Schäuble an seinen Fähigkeiten gezweifelt hätte – bereits 2018 errang der Hergiswiler an der U23-EM die Silbermedaille. Die Fortschritte, die er in den letzten Monaten gemacht hat, waren indes frappant – er selber spricht von einem «Schub», der ihn ereilt habe. Hauptverantwortlich hierfür ist die Spitzensport-Rekrutenschule, die er im Winter absolvierte. 

«Ich hatte auch davor schon viel trainiert. In der RS erhielt ich aber viele Inputs zum Leben eines Athleten. Schulungen über Ernährung, Regeneration und mentale Stärke bringen dich weiter.»

Seit einem Jahr setzt der Athlet des Seeclubs Stansstad voll auf den Sport, davor kombinierte er seine Leidenschaft als Ausdauer- und Kraftsportler mit seinen Pflichten als Schüler am Kollegium Stans. Die Frage sei erlaubt: Weshalb entschied er sich nicht zum Wechsel an die Sportmittelschule im Luzerner Alpenquai? «Weil ich beides auch so unter einen Hut brachte, ich war in der Schule nicht knapp dran und hatte genügend Zeit zum Training.» Zudem hätte er mit einem Wechsel ein bis zwei Schuljahre und auch seine Kollegen verloren.

Ambitioniert, aber nicht euphorisch

Wer sich mit Jan Schäuble unterhält, erhält den Eindruck eines ehrgeizigen jungen Mannes, der seinen Alltag realistisch zu reflektieren vermag. Das zeigt sich auch in der Zielsetzung, die zwar ambitioniert, aber nicht euphorisch ist. Ende August steht folgt für ihn bereits der nächste Höhepunkt auf dem Programm – erstmals wird er in Linz-Ottens­heim an einer Elite-WM im Einsatz stehen. Nicht wie zuletzt im Doppelzweier, sondern im Leichtgewichts-Einer.

In dieser Bootsklasse kam er im Juni auf dem Luzerner Rotsee bereits zu seiner EM-Premiere, welche er mit dem starken siebten Platz beendete. «Das Feld an der WM wird gerade im grossen Pulk des Mittelfeldes, wo auch ich mich befinde, noch breiter besetzt sein», sagt Schäuble und er erklärt: «Ich stehe vor einer spannenden Herausforderung. Ich kann viele schlagen, aber auch von vielen geschlagen werden.» Als Ziel setzt er sich wiederum den B-Final (Top 12) zum Ziel.

Daneben wird er auch zu den WM-Wettkämpfen des Schweizer Leichtgewichts-Doppelzweiers hinüberschielen. Aktuell wird dieser von Andri Struzina (Seeclub Zug) und Fiorin Rüedi (Grasshopper Club Zürich) besetzt. «Wenn sie die Top 7 erreichen, qualifiziert sich das Schweizer Boot für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Und da wäre ich zumindest als Ersatzmann gerne dabei», erzählt Schäuble. Derzeit gilt er als Schweizer Nummer drei im Leichtgewichts-Doppelzweier, der als einzige Bootsklasse der Leichtgewichte olympisch ist.

Und wer weiss: Vielleicht kommt Schäuble in einem Jahr sogar zu einer weiteren Premiere und steht aktiv an Olympia im Einsatz. Auf dem Ergometer über 2000 Meter fehlen ihm mit der Bestzeit von 6:16 Minuten zur nationalen Konkurrenz nur noch etwa acht, neun Sekunden. «Wenn ich sehe, dass ich mich in den letzten beiden Jahren um 18 Sekunden verbessert habe, liegt bis in einem Jahr eine weitere Verbesserung um neun Sekunden durchaus drin.» Potenzial jedenfalls habe er noch reichlich, vor allem physischer Natur. 72,5 Kilo darf ein Leichtgewichtsruderer maximal wiegen, «wenn ich nicht aufs Gewicht schaue, erreiche ich 70. Hier habe ich also Luft nach oben, kann noch mehr Power entwickeln.»

Über Tokio 2020 hinaus will Schäuble nicht planen

Weiter als bis 2020 will Jan Schäuble noch nicht schauen, auch wann er sein Chemiestudium an der ETH Zürich beginnen wird, steht noch nicht fest. «Es kommt sowieso anders, als man denkt», sagt er. Sicher aber ist: In seinen drei täglichen Trainings möchte er weiterhin Schritt für Schritt dem grossen Ziel jedes Ruderers näher kommen: 

«In jedem Schlag die Perfektion zu suchen und sie auch zu finden.»