Aufschlag in die Beach-Woche

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Auf dem Weg zum spektakulären Punktgewinn: US-Boy Derek Olson (rechts) versenkt den Ball gleich im gegnerischen Feld - und sichert sich mit Partner Hudson Bates einen Startplatz in der Qualifikation vom Mittwoch. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)

Auf dem Weg zum spektakulären Punktgewinn: US-Boy Derek Olson (rechts) versenkt den Ball gleich im gegnerischen Feld - und sichert sich mit Partner Hudson Bates einen Startplatz in der Qualifikation vom Mittwoch. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)

Es macht dieser Tage ausnehmend Spass und Freude, dem Quai entlang in Richtung Lido zu flanieren. Einerseits funkeln die Berge im gleissenden Altschnee andererseits flunkern uns hohe apere Stellen wie der Glattigrat beim stolzen Brisen vor, dass der Sommer ultimativ vor der Türe steht. Doch von diesem leidigen Kapitel später. Und dann, und dann diese Prachtathleten und -athletinnen! Stelzenlange Beine (von denen unsereins nur träumen kann), Bauchmuskeln wie Stahl (v.d.u.n.t.k.), braun gebrannt in perfekter Arosana-Manier (v.d.u.n.t.k.). Pardon, das war der erste, aber auch der letzte Abschweifer auf den Nebenshowplatz. Es ist kein Geheimnis, und das wollen wir respektieren: Beachvolleyballer(innen) haben es nichts als satt, auf «beau» und «beauty» reduziert zu werden.

1400 Tonnen Sand zu entsorgen

Also, 16 Uhr, Ortstermin auf der Lido-Wiese bei Marcel Bourquin, dem Initianten und Promotor des 1. FIVB Beachvolleyball World Open in Luzern. Der umtriebige Versicherungsbroker, seit Monaten full-time in Sachen Beachvolleyball unterwegs, strahlt: «Bis jetzt läuft alles nach Plan A.» Artig bedankt sich der Chef bei Luzern Tourismus, bei der Stadt Luzern und beim Kanton Luzern: «Um diese Instanzen von diesem Event zu überzeugen, habe ich fünf Minuten benötigt. Es gab höhere Hürden zu überwinden.» Insider wissen: Gstaad hatte nicht gerade grosses Interesse daran, dass in Luzern Konkurrenz erwächst. Um Siggi Brutschin, den Berliner, der seit 20 Jahren organisatorisch volleyballt, hat Bourquins Crew ein Turnier auf die Beine gestellt, das höchsten Ansprüchen gerecht wird: «Wir haben lange gekämpft, drei Jahre lang. Jetzt wollen wir ernten», sagt Bourquin.

Das OK wurde im Vorfeld schlicht und einfach überrannt. Über 100 Bea­cher-Tandems suchten Unterschlupf im Feld von je 32 Männer- und Frauenequipen. «Wir mussten natürlich eine Selektion vornehmen», erklärt Bourquin, «jetzt ist das Feld nichts anderes als hochkarätig.» Und das war gestern, mit ein bisschen sanfter Geduld, schon in den Qualifikationspartien zu erkennen. «Luzern bietet Beachvolleyball der höchsten Güteklasse», muntert Bourquin all jene Fans auf, die sich noch nicht für den Fussmarsch Ehrensache, oder!? – ins Lido entschieden haben.

Heute gehts im Hauptturnier so richtig los auf dem Hauptfeld, wie im Tennis Center Court genannt. 2500 Fans haben dort auf den Rängen Platz. Priska und Bernd, aus dem süddeutschen Raum zwecks kräftig klatschender Unterstützung für ihre Lieblinge angereist, schwärmen schon jetzt: «Dieser Ort ist fantastisch. Wenn du auf den See und in die Berge schaust da kann die Arena von Verona grad zusammenpacken.»

Es sind beeindruckende Zahlen, die sich hier auf der Lido-Wiese addieren. Hier, wo manch einer zuerst scheu, dann interessiert die Beacher-Künste bestaunt und sich wundert, dass keiner einen Eintritt fordert. Edwin Rudolf, als ehemaliger Direktor der Schweizerischen Sporthilfe eine Legende und beim Lido-Beachvolleyballfest der Kommunika­tionsbeauftragte, verrät beispielsweise, dass 1400 Tonnen Sand herangekarrt wurden und kommenden Montag wieder in die Entsorgung gehen: «Wer kleine Kids und einen Sandkasten zu Hause hat und neue Ware braucht, der darf sich ruhig bei mir melden.» 70 Medienleute aus der ganzen Welt haben sich angemeldet, 21 Nationen sind vertreten: «Dass ich so etwas als alter Mann noch erleben darf ... – nun, das hält jung.»

Da wäre indes auch noch ein junger Mann zu erwähnen, Noris Iten aus Sachseln (13). Der kickt talentiert beim FC Luzern und wurde von ihm sportsolidarisch zum Ballbuben-Dienst am Turnier aufgeboten. «Sehr spannend», sagt der Sechstklässler, «ich komme nächstes Jahr sicher wieder.» Er ist einer von 600 ehrenamtlichen Helfern, wobei an der Ehrenamtlichkeit ein kleiner Abstrich gemacht werden darf: «Wir haben super gut Schnitzel und Pommes zum Zmittag gegessen», sagt Noris Iten. Grosser Frondienst, kleine Freude.

Um die politischen Würdenträger auch noch ins Spiel zu bringen: Ehrenpräsi Ueli Maurer, unser aller Sportminister, hofft sogar, dass Volleyball zur «weltweit grössten und bezauberndsten Familiensportunterhaltung» gedeihen wird. Woran auch Luzerns Stapi, Stefan Roth, keine Zweifel lässt: «Mit Beachvolleyball assoziieren wir Sonne und Strand, aber auch Sprungkraft und Schweiss. Luzern strahlt eine ähnliche Lässigkeit und Qualität aus.» Ja, stimmt, der Schweiss läuft mir die Stirn runter, wenn ich daran denke, dass ich spazierend auf dem Heimweg noch zwei Car-Grossparkplätze zu queren habe. Aber das nur nebenbei.

Keine Neben-, sondern eine Hauptsache ist leider – der unberechenbare dritte Mann, ein mächtiger Genosse: Petrus droht fürs Wochenende, wenn die Beach-Elite zu den entscheidenden Duellen antritt, Kälte, Regen, Gewitter an. «Interessiert mich nicht», sagt Marcel Bourquin, «ich weiss, dass ein meteorologisches Wunder alles Ungemach wegblasen wird.» Dieses Versprechen gelte. «Das Turnier wird grandios», kündigt Bourquin an, «komme, was wolle.» Nur nicht Frau Holle.

Roland Bucher