Schweizer Meisterschaften: Der Luzerner Ruderer Roman Röösli absolviert auf dem Rotsee das Aufwärmprogramm für Polen

Roman Röösli wird an den Schweizer Meisterschaften im Einer von seinem Teamkollegen geschlagen, siegt aber im Doppelzweier.

Stefanie Meier
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Im Einer verpasste Roman Röösli (vorne) auf dem Rotsee knapp den Sieg, dafür klappte es im Doppelzweier mit Patrick Brunner.

Im Einer verpasste Roman Röösli (vorne) auf dem Rotsee knapp den Sieg, dafür klappte es im Doppelzweier mit Patrick Brunner.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 20. September 2020)

Normalerweise sitzen Roman Röösli und der Waadtländer Barnabé Delarze wortwörtlich im selben Boot. Das Duo gehört zur internationalen Spitze. An den Schweizer Meisterschaften am Rotsee traten sie sich gestern im Einer aber als Konkurrenten gegenüber. Röösli als vierfacher Schweizer Meister in Serie und Titelverteidiger war klarer Favorit. Der Luzerner selbst sah sich jedoch eher in der Rolle des Gejagten. «Bisher gelang es mir, den überaus kräftigen Delarze mit meinen technischen Fähigkeiten in Schach zu halten. Heute aber ist Delarze so fit wie noch nie, athletisch wie auch technisch.»

Delarze, bekannt als bester Indoor-Ruderer der Schweiz, überzeugte mit einem schnellen Start und hielt Röösli stets mit einer Bootslänge auf Distanz. Obwohl der Neuenkircher auf den letzten 250 Metern zum Schlussspurt ansetzte, behielt Delarze knapp die Oberhand. «Natürlich hätte ich mir ein anderes Ende gewünscht. Dennoch war es von uns beiden ein sehr gutes und zum Glück enges Rennen. Das stimmt mich positiv für die Europameisterschaften, wo wir wieder gemeinsam im Boot sitzen werden», sagte Röösli nach dem Rennen.

Grosses Lob für Patrick Brunner

Die Antwort auf die knappe Niederlage im Einer lieferte Röösli im Doppelzweier mit Patrick Brunner. Das Duo vom SC Sempach hielt sich im Vorlauf zurück, um im Final dann der Konkurrenz keine Chance zu lassen. Röösli und Brunner stiegen am Donnerstag erstmals gemeinsam ins Boot. «Wir wussten: Entweder es passt oder es passt nicht», erklärte Brunner. Und Röösli lobte seinen 20-jährigen Teamkollegen: «Wir haben vom ersten Schlag an hervorragend harmoniert. Patrick hat meine Schläge äusserst präzise kopiert.»

Im Hinblick auf die EM, die Anfang Oktober in Polen stattfindet, waren die Schweizer Meisterschaften äusserst wichtig. «Im Training kann man kein Rennen simulieren. Die SM war sozusagen das Aufwärmprogramm für die Europameisterschaften», so Röösli. Wo er und Delarze im internationalen Vergleich stehen, wissen sie nicht. Doch eines steht fest: «Barnabé und ich, wir befinden uns in sehr guter Verfassung. Wir wollen die Abläufe soweit festigen, um dann im entscheidenden Moment nur noch abrufen zu können.» Das ambitionierte Duo hat schon mehrfach bewiesen, dass mit ihnen zu rechnen ist. An der Heim-EM vor einem Jahr verpassten sie den grossen Coup nur hauchdünn. Entsprechend zuversichtlich blicken Röösli und Delarze der EM entgegen.

Impressionen von der Ruder Schweizer Meisterschaft auf dem Rotsee. Im Bild: Die Kategorie Achter Elite Männer.
8 Bilder
Start Achter Elite Männer.
Start Achter Elite Frauen.
Joel Schürch vom SC Sursee und Jan Schäuble vom SC Stansstad. (vorne)
Seeclub Sempach1 mit Roman Röösli und Patrick Brunner (Boot ganz vorne)
Seeclub Sempach1 mit Roman Röösli und Patrick Brunner.
Joel Schürch vom SC Sursee und Jan Schäuble vom SC Stansstad.
Seeclub Zuerich 2, Seeclub Biel & RC Bern, Grasshoppers Club Zuerich, Seeclub Zuerich 1, Seeclub Luzern und Ruderclub Thalwil, von unten.

Impressionen von der Ruder Schweizer Meisterschaft auf dem Rotsee. Im Bild: Die Kategorie Achter Elite Männer.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 20. September 2020)

Wobei die EM in Hinblick auf Olympia 2021 in Tokio nur ein Zwischenziel darstellt. Nicht mal Corona lässt Röösli, der morgen Dienstag seinen 27. Geburtstag feier, aus der Ruhe bringen. «Klar war die Olympia-Absage 2020 zuerst ein Schock. Aber für mich war sofort klar: Je schneller du motiviert weiter trainierst, desto besser wirst du», erklärte er. Viele Erfolge hat er seiner Motivation und seinem Durchhaltewillen zu verdanken. Daneben ist Röösli ein begnadeter Techniker und profitiert von einem guten Bootsgefühl. Seinen Hauptfokus legt er deshalb auf das Krafttraining, wo er gegenüber der Konkurrenz nach wie vor ein Defizit verspürt. Und da kommt Kraftpaket Delarze ins Spiel. «Barnabé ist so zu sagen meine Schwäche», witzelte Röösli. «Unter anderem deshalb ergänzen wir uns so gut». Die Formkurve der beiden Spitzenruderer scheint zu stimmen. Die EM in Polen kann kommen.

Schweizer Meisterschaften. Männer. Offene Kategorie. Einer (Skiff): 1. Barnabé Delarze (Lausanne-Sports) 6:47,28. 2. Roman Röösli (SC Sempach) 6:47,64. 3. Scott Bärlocher (RC Baden) 7:00,74. – Doppelzweier: 1. Roman Röösli/Patrick Brunner (SC Sempach 1) 6:20,71. 2. Romain Loup/Barnabé Delarze (Lausanne-Sports) 6:24,65. 3. Kai Schätzle/Maurin Lange (SC Luzern) 6:24,95. – Zweier ohne Steuermann: 1. Markus Kessler/Joel Schürch (RC Schaffhausen/SC Sursee) 6:37,38. 2. Jonah Plock/Dominic Condrau (RC Rapperswil-Jona) 6:40, 76. 3. Patrick Brunner/Alexander Schneider (SC Biel/SC Sempach) 6:41,76. – Doppelvierer: 1. SC Luzern (Kai Schätzle, Maurin Lange, Julian Müller, Fabio Bekcic) 6:04,82. 2. SC Zug 6:09,52. 3. RC Thalwil 6:14,39. – Vierer ohne Steuermann: 1. Grasshopper Club Zürich 6:16,88. 2. Seeclub Zürich 2 6:30,03. 3. SC Luzern 6:37,68. – Achter mit Steuermann: 1. Grasshoppers Club Zürich 5:54,06. 2. Seeclub Zürich 1 5:50,02. 3. SC Luzern 6:00,84. Leichtgewicht. Einer (Skip): 1. Jan Schäuble (SC Stansstad) 7:08,56. 2. Raphaël Ahumada (RC Morges 1) 7:13,35. 3. Raphael Eichenberger (RC Bern) 7:15,43. – Doppelzweier: 1. Raphaël Ahumada/Ulysse Rolland (RC Morges) 6:41,28. 2. Matteo Pagnamenta/Allesandro Cravioglio (CC Lugano) 6:43,61. 3. Beat Johner/Raphael Eichenberger (RC Bern) 6:44,13. – Zweier ohne Steuermann: 1. Vincent Raths/Mirco Landert (Seeclub Zürich) 7:14,97. 2. Raphael Roulet/Florent Rouge (CA Ville Fribourg) 7:23,50. 3. Alexis Jeanneret/Raphaël Jeanneret (CA Vevey) 7:26,37. – Doppelvierer: 1. Seeclub Zürich 6:13,56. 2. CC Lugano 6:18,10. 3. RC Thalwil 6:23,41.
Frauen. Offene Kategorie. Einer (Skiff): 1. Jeannine Gmelin (RC Uster) 6:33,30. 2. Frédérique Rol (Lausanne-Sports) 7:36,81. 3. Eline Rol (SN Genève) 7:56,79. – Zweier ohne Steuerfrau: 1. Emma Kovacs/Céline Gallot-Lavallée (CA Ville Fribourg) 7:48,36. 2. Pauline Delacroix/Amélie Mach (CA Vésenaz) 7:53,87. 3. Alexia Fayd’herbe de Maudave/Victoria Freiberg (SC Küsnacht/RC Bern) 7:56,15. – Doppelzweier: 1. Andrea Fürholz/Pascale Walker (RC Zürich) 7:12,14. 2. Patricia Merz/Thea Nussbaumer (SC Zug) 7:14,14. 3. Olivia Negrinotti/Nimue Orlandini (SC Ceresio) 7:19,05. – Vierer ohne Steuerfrau: 1. SC Luzern (Fabienne Schweizer, Lisa Lötscher, Salome Ulrich, Olivia Nacht) 6:57,20. 2. CA Vésenaz 7:10,46. 3. CA Ville Fribourg 7:23,57. – Doppelvierer: 1. SC Luzern (Olivia Nacht, Lisa Lötscher, Salome Ulrich, Fabienne Schweizer) 6:47,65. 2. SC Stäfa/RC Uster/RC Rapperswil-Jona/SC Küsnacht 7:04,84. 3. SC Ceresio/SC Locarno 7:06,41. – Achter mir Steuerfrau: 1. CA Vésenaz 6:38,45. 2. SC Stäfa/RC Erlenbach/SC Küsnacht/RC Uster/RC Rapperswil-Jona 6:43,02. 3. RC Zürich 6:45,94. Leichtgewicht. Einer (Skip): 1. Frédérique Rol (Lausanne-Sports) 7:35,06. 2. Sofia Meakin (CA Vésenaz) 7:43,28. 3. Eline Rol (SN Genève) 7:55,39. – Doppelzweier: 1. Ladina Meier/Aline Schwyzer (RC Thalwil) 7:26,85. 2. Louise Martin/Margaux Oural (RC Morges) 7:30,00. 3. Angela Jaumin/Chiara Cantoni (CC Lugano) 7:35,30. – Doppelvierer: 1. RC Thalwil 7:07,01. 2. RC Blauweiss Basel 7:13,06. 3. CC Lugano 7:13,70.