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Der abtretende Luzern-Goalie David Zibung sagte vor seinem 500. Spiel: «Einen Pokal mit dem FCL, das wäre ein Traum»

Anfangs Februar 2019 stand David Zibung vor seinem 500. Spiel im FCL-Dress. Als Vorschau entstand dieser Text, den wir nun zu seinem verkündeten Rücktritt nochmals publizieren.

Raphael Gutzwiller
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29. August 2003, Luzern gegen Bulle, 4200 Zuschauer auf der Allmend verfolgen das Challenge-League-Spiel. Der Luzerner Stammgoalie Andreas Hilfiker beklagt in der Halbzeitpause Schmerzen. «Es geht nicht mehr», sagt er zu Trainer Urs Schönenberger. Der erst 19-jährige Ersatzgoalie David Zibung wird nach der Pause fast ohne Einwärmen eingewechselt. Auch dank seinen Paraden siegt der FCL gegen Bulle mit 3:1. Im Spielbericht unserer Zeitung heisst es: «Der für den verletzten Hilfiker zur Pause eingewechselte Zibung korrigierte den zweiten Gegentreffer mehr als einmal.»

Die Karriere von David Zibung in Bilder:

David Zibung beim Leibchentausch mit Goalie Davide Taini, damals beim FC Zürich.
54 Bilder
David Zibung, damals noch bei der U21 des FCL, gibt Anweisungen an seine Voderleute beim Spiel gegen den FC Tuggen.
David Zibung (Mitte) hält im Elfmeterschiessen und verhilft dem FC Luzern gegen den Concordia Basel in der 2. Runde des Schweizer Cups 2005 zum Sieg.
David Zibung (rechts) und Torschütze Jean-Michel Tchouga nach dem Sieg gegen den YF Juventus im Zürcher Utogrund am 3. Mai 2006.
David Zibung macht Stimmung: beim Aufstiegsspiel gegen Lugano am 7. Mai 2006 wird ordentlich gefeiert.
Was für eine Parade! David Zibung beweist sein Können beim 3:1 gegen die BSC Young Boys.
Hart erkämpft: David Zibung (in weiss) und der FC Luzern gewinnen gegen den FC Sion mit 2:0.
Zibung hält beim Spiel gegen Sion einen Penalty. Seine Mitspieler feiern ihn dafür.
Berns Kamil Zayatte (in gelb) setzt zum Torschuss an – doch David Zibung ist zuerst am Ball. Die Begegnung endet 1:1.
David Zibung (rechts), Roland Schwegler (mitte) und Alain Wiss (links) bedanken sich bei den Fans nach Spielende. Der FC Luzern besiegte am Samstag, 29. März 2008 den FC Basel 1:0 auf der Allmend Luzern.
David Zibung pariert einen Vaduzer Torschuss. Trotzdem muss sich der FC Luzern bei diesem Spiel gegen den Aufsteiger am 20. Juli 2008 mit 1:2 geschlagen geben.
Luzerns Gerardo Seoane, Jean-Michel Tchouga und David Zibung (von links) freuen sich nach dem Spiel gegen den FC Aarau über den Sieg.
Freude herrscht: Jean-Michel Tschouga (mit Fahne), David Zibung und der FC Luzern freuen sich über den Sieg gegen den FC Basel und bedanken sich beim Publikum.
David Zibung fliegt am Ball vorbei, und Eren Derdiyok (rechts) ist bereit für den Kopfball. Trotzdem gewinnt der FCL diese Partie gegen den FC Basel mit 5:1!
Luzerns David Zibung (links) und Boubacar Diarra (rechts) tanzen zum Sieg gegen die AC Bellinzona.
Die Luzerner feiern ihren Sieg gegen den FC Aarau. Im Bild: Boubacar Diarra, Nelson Ferreira, Joetex Frimpong, David Zibung und Adekunle Luqmon (von links).
Ein Zuschauer provoziert nach Spielende Aaraus Torhüter Ivan Benito. Luzerns David Zibung wirft den Zuschauer vom Feld.
Luzerns David Zibung gegen die AC Bellinzona.
Luzerns David Zibung hält einen Schuss von Sions Tariq Chihab (nicht auf dem Bild).
Luzerns Cristian Ianu, David Zibung, Hakan Yakin und Joetex Frimpong (von rechts) bejubeln den Sieg gegen den FC St. Gallen.
Funktionäre schlichten die Meinungsdifferenz zwischen Bellinzonas Gürkan Sermeter (links) und Luzerns David Zibung (rechts).
Hält er den Ball?
Luzerns David Zibung (rechts) und Daniel Gygax danken den Fans.
David Zibung nach dem Spiel bei den Fans.
Gute Laune bei David Zibung (links) und Tomislav Puljic nach dem Spiel.
Zweikampf: Brice Owona gegen David Zibung.
Luzerns Nelson Ferreira, David Zibung, Adrian Winter und Jahmir Hyka (von links) bejubeln den Sieg.
Die Mannschaft mit Zibung bejubelt den Sieg gegen den FC Zürich.
Medienchef Rene Baumann (links) hält David Zibung zurück, der von einem Zuschauer verbal angegriffen wurde.
Luzerns Maskottchen, Daniel Gygax, David Zibung, Adrian Winter und Sally Sarr feiern den 2:1 Sieg gegen KRC Genk, Belgien.
Zibung zeigt was er kann beim Spiel gegen Genk.
Ab und zu erhielt auch er die rote Karte, wie hier im Spiel gegen den FC Zürich.
Luzerns David Zibung (mitte) gegen Lausannes Ohad Kadusi.
Luzerns Jérôme Thiesson (mitte) und David Zibung (rechts) bejubeln das 1:1 gegen den FC Basel.
Autsch! Luzerns David Zibung bekommt einen Schlag ins Gesicht von GCs Izet Hajrovic.
Luzerns David Zibung muss nach dem Zusammenstoss blutend das Spielfeld verlassen.
Gute Stimmung bei Jahmir Hyka, Dimitar Rangelov, David Zibung, Dario Lezcano und Yassin Mikari (von links) nach dem Spiel gegen Lausanne Sport.
Luzerns David Zibung (links) pariert einen Ball im Fussball Cup Halbfinale zwischen dem FC Basel und dem FC Luzern im St. Jakobspark Basel.
Schiedsrichter Nikolaj Hänni zeigt Luzerns David Zibung die Rote Karte.
Luzerns David Zibung hält einen Schuss von Vaduz Pascal Schuerpf (rechts) im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Vaduz in der Swissporarena Luzern.
Luzerns David Zibung (rechts) und Alain Wiss (links) gegen Zürichs Amine Chermiti (mitte) in der Super League Partie zwischen dem FC Luzern und dem FC Zürich im Stadion Letzigrund.
Luzerns David Zibung spricht mit Borussia Dortmunds Roman Buerki vor dem Freundschaftsspiel.
Luzerns David Zibung hält einen Torschuss im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Lugano.
David Zibung sieht wegen Reklamieren die gelbe Karte.
Das Gesicht, das er dabei macht ist herrlich.
David Zibung fängt den Ball im Strafraum, waehrend dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Thun und dem FC Luzern, am Samstag, 26. November 2016, in Thun.
Endlich ein Penaltyschiessen gewonnen: David Zibung wird nach dem Sieg im Cup-Sechzehntelfinal gegen Servette von seinen Mitspielern Stefan Goofy Wolf (links) und Ruben Vargas beglücktwünscht.
Glücklicher David Zibung zusammen mit seinen Mitspielern Christian Schneuwly, Mirko Salvi, Marvin Schulz und Silvan Sidler (von links).
Voller Einsatz: David Zibung prallt im Spiel gegen St. Gallen mit Stürmer Blessing Eleke zusammen.
Grosser Sieg mit Zibung im Tor: Der FCL siegt gegen Schweizer Meister YB mit 3:2.
David Zibung mit vollem Einsatz im Schweizer Cup Halbfinal gegen Thun. am 23. April 2019 in Luzern.
Zibung mit einer Parade im Spiel gegen den FC Basel am 30. März 2019 in der Swissporarena Luzern.
Goalie Zibung mit dem damaligen Trainer Thomas Häberli im Gespräch zum Trainingsstart am Montag, 17. Juni 2019 in Luzern.
Das bisher letzte Highlight für Zibung: In Aarau qualifziert sich der FCL am 4. Mai 2021 für den Cupfinal.

David Zibung beim Leibchentausch mit Goalie Davide Taini, damals beim FC Zürich.

Bild: Werner Schelbert (12. Mai 2005)

Damals konnte noch niemand ahnen, dass jener Jungspund aus Hergiswil, der eben erst eine Maurerlehre abgeschlossen hatte, den FC Luzern prägen wird wie kein anderer Spieler seiner Generation. Zibung führte Luzern 2006 in die Super League zurück, war danach als Captain mitbeteiligt, dass sich der Meister von 1989 in der höchsten Liga etablieren konnte.

Zibung erreichte als Stammgoalie dreimal den Cupfinal, auch mit ihm tauchte der FCL immerhin in Qualifikationsspielen wieder auf der europäischen Landkarte auf. Und wenn David Zibung am Sonntag für das Spiel gegen Sion den Vorzug gegenüber seinen derzeitigen Konkurrenten Loïc Jacot und Mirko Salvi erhält, absolviert er bereits sein 500. Spiel für seinen Herzensverein.

Ein Mann mit Konstanz

Rekordspieler des FCL ist der mittlerweile 35-jährige Zibung schon lange. Etwas, was ihn sichtlich stolz macht. «Es ist sicherlich eine Auszeichnung, so viele Spiele für den FCL gespielt zu haben. Dies zeugt auch von Konstanz über einen langen Zeitraum.» Tatsächlich spielt der FCL-Goalie seit 16 Jahren in etwa so, wie man es von ihm erwartet. Selten ist er der grosse Matchwinner, aber ebenfalls nur selten der Hauptschuldige einer Niederlage. Selber sagt der Hergiswiler von sich: «Ich bin nie der Goalie gewesen, der Schüsse aus dem Lattenkreuz holt oder der von seiner Explosivität lebt. Dafür habe ich zu einem grossen Teil von meiner Persönlichkeit und der guten Organisation gelebt.»

Vielleicht ist es diese Eigenschaft als eher durchschnittlicher Torhüter in der Super League, die David Zibung zum umstrittensten Luzerner Profi der letzten Jahre machte, vielleicht ist es auch seine direkte und ehrliche Art. Er scheut sich auch nicht davor, ehrlich seine Meinung zu sagen. «Als Torhüter ist man manchmal der Depp, manchmal der Held», so Zibung. Bei niemandem trifft das so gut zu wie bei ihm. Bei vielen FCL-Fans ist Zibung entweder Legende oder Fliegenfänger, dazwischen gibt es wenig. Dazu sagt Zibung:

«Ich nehme das nicht so wahr, auch wenn es vielleicht stimmt. Ich bin mit mir im Reinen, weil ich weiss, dass ich immer alles für den FCL gegeben habe.»

Der Abstoss direkt ins Seitenaus gilt in der Innerschweizer Fussballszene gemeinhin als «der Zibung». Etwas, was den Namensgeber nicht stört. «Die Leute können sagen, was sie wollen. Sie können es nicht beurteilen, wenn sie nicht wissen, wie die Vorgaben aussehen. Wenn der Trainer sagt, der Abstoss soll nicht in die Mitte kommen, sondern zum Spieler bei der Outlinie, dann ist die Chance natürlich gross, dass der Ball auch mal ins Aus geht.»

Negativ auffällig wurde Zibung trotz aller Kritik, die auf ihn einprasselte, in seiner Karriere nur einmal. Als er von einigen Luzerner Zuschauern im März 2010 im Gersag beschimpft wurde, streckte Zibung ihnen den Mittelfinger entgegen. «Ein grosser Fehler, den ich natürlich sehr bereue», sagt er heute dazu.

Meistertrainer Friedel Rausch setzte sich für Zibung ein

Der FC Luzern ohne Zibung? Das scheint fast unvorstellbar. Im Frühling 2004 musste sich aber sogar der Meistertrainer Friedel Rausch persönlich für Zibung einsetzen. Auch dank seinem prominenten Fürsprecher wurde Zibung FCL-Stammgoalie. «Friedel habe ich viel zu verdanken», sagt Zibung über den im November 2017 verstorbenen Rausch. Zibung blieb jahrelang Stammtorhüter, auch wenn es immer wieder Konkurrenz gab. Paolo Collaviti, Lorenzo Bucchi und Swen König kämpften um den Platz im FCL-Goal, Zibung behielt immer die Nase vorne.

Bis der talentierte Jonas Omlin im März 2017 zur Nummer 1 befördert wurde. Zibung unterstützte als Ersatzgoalie den talentierten Obwaldner, der heute bei Basel spielt. Nachdem Omlin-Ersatz Mirko Salvi nicht immer überzeugte, kehrte Zibung im letzten Herbst ins FCL-Tor zurück, auch morgen gegen Sion dürfte er zwischen den Pfosten stehen.

Überschwängliche Freude: Zibung (rechts) feiert mit Trainer René Van Eck den Aufstieg in die Super League.

Überschwängliche Freude: Zibung (rechts) feiert mit Trainer René Van Eck den Aufstieg in die Super League.

Bild: Sigi Tischler/Keystone (Luzern, 7. Mai 2006)^)

Seit mehr als 18 Jahren steht der Hergiswiler beim FCL als Profi unter Vertrag. Dass er so lange treu sein würde, war ihm früher aber alles andere als klar. Im ersten Porträt über Zibung 2004 in unserer Zeitung meinte der damals neue Stammgoalie des FCL, dass sein Ziel die EM 2008 sei. «Ob ich es schaffe, ist eine andere Frage. Aber ich habe den Ehrgeiz, als Goalie etwas zu erreichen.»

Den Ehrgeiz behielt Zibung, mit einer Nationalmannschaftskarriere klappte es dennoch nie. Auch nicht mit einem Transfer ins Ausland. Dabei wurde sein Wechsel im April 2008 zu Borussia Dortmund von deutschen Medien bereits als fix vermeldet. «Es hätten zwei andere Transfer klappen müssen, damit mein Wechsel zu Dortmund zum Thema geworden wäre», sagt Zibung heute dazu. Nach den gescheiterten Verhandlungen meinte Zibung in unserer Zeitung:

«Natürlich ist es nicht mein Ziel, die ganze Karriere in der Schweiz zu verbringen.»

Nun ist es doch genau so gekommen. Zibung blieb nicht nur in der Schweiz, sondern stets beim FC Luzern. Dennoch habe er nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. «Ich durfte meinem Weg gehen, und mit diesem bin ich mehr als zufrieden, auch ohne Auslandtransfer. Es macht mich stolz, so lange Teil dieses Vereins zu sein.» Angebote habe es einige gegeben, aber keines, das wirklich gepasst habe. «Für mich war es nie eine Option, als Ersatzgoalie in die Bundesliga zu wechseln. Meine Ambitionen waren immer, so gut zu werden, dass ich als Nummer 1 wechseln kann.»

15.01.2018; La Cala de Mijas; FUSSBALL SUPER LEAGUE - Trainingslager FC Luzern;Torhueter David Zibung (Luzern) (Martin Meienberger/freshfocus)

15.01.2018; La Cala de Mijas; FUSSBALL SUPER LEAGUE - Trainingslager FC Luzern;Torhueter David Zibung (Luzern) (Martin Meienberger/freshfocus)

Martin Meienberger/Freshfocus / freshfocus

Dazu kam es zwar nie, dafür erlebte Zibung eine Veränderung beim FC Luzern mit. Als er Stammgoalie wurde, spielten die Innerschweizer in der Challenge League, die Gegner hiessen Meyrin, Baulmes oder Baden. Seit dem Aufstieg 2006 hat sich der FCL nach und nach in der Super League etabliert, alles ist professioneller geworden. «Es hat sich enorm viel getan. Dort, wo heute die Hochhäuser stehen, waren früher Trainingsplätze. Die Veränderungen sind aber positiv, der FCL ist familiär geblieben.»

5:0-Heimsieg in der Barrage ist Zibungs grosses Highlight

Als grosses Highlight seiner Karriere nennt er das Barragespiel 2009. Mit einem wunderschönen 5:0-Heimsieg gegen den FC Lugano sicherte sich der FCL im letzten Spiel auf der Allmend den Ligaerhalt. In einem hochemotionalen Spiel hielt Zibung sogar einen Penalty. «Das war unglaublich», erinnert er sich.

Zibung grosses Highlight: Der 5:0-Sieg gegen den FC Lugano in der Barrage 2009.

Zibung grosses Highlight: Der 5:0-Sieg gegen den FC Lugano in der Barrage 2009.

Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 13. Juni 2009)

Dem Routinier gefällt es beim FCL so gut, dass er kürzlich seinen Vertrag um eine weitere Saison bis im Sommer 2020 verlängerte. «Fussballspielen macht mir einfach Spass. Etwas im Team erreichen zu können, das gefällt mir sehr.»

Trotz seiner ewigen Zeit im FCL-­Goal will Zibung nicht als Legende bezeichnet werden. «Ihr könnt mich dann Legende nennen, wenn wir einen Pokal holen und ich Teil des Teams bin», sagt Zibung und lacht. Der Titel bleibt sein grosses Ziel, geholt hat er nämlich noch keinen einzigen. Dreimal stand Zibung im Cupfinal, der FCL verlor stets. «Einen Pokal mit dem FCL zu gewinnen wäre ein Traum.» Nun steht aber wohl vorerst Zibungs Jubiläumsspiel an, frühestens im Sommer 2020 soll seine Karriere zu Ende gehen.

«Ich bin einfach glücklich so lange Teil des FC Luzern sein zu dürfen. Aber auch ich bin ersetzbar.»

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