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Ausgeliehener FCL-Spielmacher Gvilia glaubt an Überraschungssieg mit Georgien gegen die Schweiz

Luzern-Regisseur Valeriane Gvilia spielt bis Sommer bei Górnik Zabrze in Polen. Im ersten EM- Qualifikationsmatch trifft er am Samstag (15 Uhr, SRF 2) mit Georgien auf die Schweiz.
Daniel Wyrsch
Der technisch starke Mittelfeldspieler Valeriane «Vako» Gvilia (rechts) mit Georgien im Länderspiel gegen Litauen. (Bild: David Mdzinarischvili/Reuters (Tiflis, 24. März 2018))

Der technisch starke Mittelfeldspieler Valeriane «Vako» Gvilia (rechts) mit Georgien im Länderspiel gegen Litauen. (Bild: David Mdzinarischvili/Reuters (Tiflis, 24. März 2018))

Valeriane «Vako» Gvilia macht am Telefon in Zabrze, Polen, ­einen aufgestellten Eindruck. Schon beim FC Luzern war der 24-jährige Georgier ein Profi, der wegen seines sonnigen Gemüts aufgefallen ist. Seit Januar ist er an Górnik Zabrze ausgeliehen, die Polen kämpfen in der Ekstraklasa um den Ligaerhalt. Gvilia spielt zentral im offensiven Mittelfeld, er betont: «Mir gefällt es hier, doch wir kämpfen für unser grosses Ziel, die Klasse zu halten.» In den bisher sechs Ligapartien stand Gvilia immer in der Startaufstellung, er schoss ein Tor, Gornik sammelte in dieser Phase zehn Punkte und verbesserte sich von Platz 14 auf 12.

Gvilia ist nicht im fussballerischen Niemandsland gelandet, dazu ist Górnik Zabrze ein Verein mit zu grosser Tradition. «In einem der letzten Heimspiele hatten wir 17000 Zuschauer, wir sind in Polen ein Club mit einer grossen Historie von 14 Meistertiteln», sagt er. Derzeit wird das Stadion umgebaut, eine Seite ist eine Baustelle. Nach Fertigstellung wird die Arena Platz für 22000 Besucher bieten.

Grosse Wertschätzung für die echten Anhänger

Wie beim FCL schätzt Gvilia die Fans bei Gornik. «Sie unterstützen das Team, geben uns viel Energie. Die Supporter in Zabrze und Luzern sind sehr gut. Für mich sind Fans sehr wichtig. Sie bleiben ihrer Mannschaft immer treu, während Spieler und Trainer nur eine Zeit lang da sind.»

In der 175000-Einwohner-Stadt Zabrze gefällt es Gvilia, da die Menschen freundlich zu ihm sind. Den Hauptunterschied zu Luzern hat Gvilia schnell festgestellt. «In Polen ist alles mindestens fünfmal günstiger als in der Schweiz.» Dem Osteuropäer ist bewusst, warum das so ist: «Wohl nirgendwo auf der Welt lebt man durchschnittlich auf so hohem Niveau wie in der Schweiz.»

In dieser Woche ist jedoch nicht die Schweiz als Lebensort das Thema für Gvilia, sondern die Schweiz als sportlicher Rivale. In seinem voraussichtlich 20. Länderspiel trifft er am Samstag in der georgischen Hauptstadt Tiflis erstmals auf das Land, in dem er das vergangene Jahr 2018 als Profi des FC Luzern verbracht hat. Es handelt sich dabei um die Auftaktpartie für die Qualifikation zur EM 2020. «Das wird eine interessante Begegnung», ist Gvilia überzeugt. Mit dem Aufstieg in die Nations League C hätten sie Selbstvertrauen getankt. Selbstverständlich weiss Gvilia, «dass die Schweiz mit dem ­unglaublichen 5:2-Sieg über Belgien in Luzern in der Nations League A Gruppensieger geworden ist.» Und trotzdem: «Wir haben keine Angst vor einem der besten Teams Europas, wollen mit einem Sieg über die Schweiz in die EM-Kampagne starten!»

Gvilia rechnete nicht mit einem Rauswurf von Weiler

Gvilia begründet seine Zuversicht insbesondere mit der Unterstützung seiner Landsleute. «Bis zu 45000 Zuschauer werden wohl das Stadion füllen. Ich bin sicher, die enthusiastischen Fans werden uns in diesem Match tragen.» Bei den Schweizern hat er am meisten Respekt vor Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka und Stephan Lichtsteiner, «sie sind die Leader». Aber auch der spielstarke Linksverteidiger Ricardo Rodriguez gefällt Gvilia. «Er ist der Bruder unseres Cicos.» Gvilia meint den FCL-Techniker Francisco Rodriguez, der wie Gvilia in Luzern von René Weiler auf die Tribüne verbannt worden war.

Klar hat Gvilia mitbekommen, dass Weiler vor einem Monat in Luzern freigestellt worden ist. «Nach drei Spielen der Rückrunde kam dieser Entscheid für mich etwas unerwartet. Aber im Fussball kann es schnell Veränderungen geben.» Von Schadenfreude keine Spur, Gvilia zeigt sich als fairer Sportsmann. Er bedauert trotz der neuen Konstellation nicht, Luzern in der Winterpause verlassen zu haben. «Ich habe mich richtig entschieden, zu Górnik zu gehen und diesem sympathischen Club mindestens bis im Sommer zu helfen.»

Froh ist er über das halbe Jahr der Zusammenarbeit mit Gerardo Seoane. «Wir hatten eine sehr gute Atmosphäre im Team, errangen als Einheit Platz 3. Gerry ist einer der besten Coaches meiner Karriere. Wie gut er ist, zeigt er jetzt bei YB.» Zu René Weiler sagt Gvilia: «Mit seiner Ankunft im Sommer hatte sich einiges geändert. Meine Art Fussball zu spielen, hat René nicht gefallen.» Bei der 0:2-Heimniederlage gegen Thun war Gvilia der Schuldige, nicht einmal ein Länderspieltor hat ihm geholfen, in die Mannschaft zurückzukehren. Um Spielpraxis zu bekommen, musste er gar in der U21 aushelfen.

Comeback beim FCL ist nur eine von drei Möglichkeiten

Engen Kontakt pflegt Gvilia beim FCL mit dem georgischen Nationalteamkollegen Otar Kakabadze und dem Serben Lazar Cirkovic. Luzerns 4:0-Triumph im Cup-Viertelfinal gegen YB hat Gvilia in Polen live verfolgen können. «Ich habe mich für die Spieler gefreut, denn sie hatten mir sehr geholfen, mich zu integrieren. Das sind super Typen.» Seine Antwort auf die Frage, ob er im Sommer zurück nach Luzern geht, lässt drei Möglichkeiten offen: Verbleib bei Górnik, Wechsel zu einem anderen Verein oder Rückkehr nach Luzern. «Man weiss im Fussball nie, was passiert», stellt er fest. Beim FCL hat er noch einen Einjahresvertrag bis Sommer 2020 plus eine Option für eine weitere Saison. «Luzern ist mit dem See und den Bergen eine der schönsten Städte der Welt», schwärmt er.

Trotzdem weiss er als realistisch denkender Profi, dass ein Comeback in der Innerschweiz vor allem davon abhängt, ob ihn der neue Trainer Thomas Häberli haben will. «Ich kenne Häberli nicht, wir werden sehen», sagt Gvilia – und hat die nächsten Aufgaben mit Georgien und Górnik Zabrze vor Augen.

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