Luzern ist im Europacup ausgeschieden: «Das ist eine andere Volley-Welt»

Volley Luzern verliert auch das Europacup-Rückspiel bei Montpellier 0:3. Das Abenteuer ist zu Ende.

Roland Bucher
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Das erste Spiel gegen Montpellier am 11. Dezember in Luzern.

Das erste Spiel gegen Montpellier am 11. Dezember in Luzern.

Bild: Dominik Wunderli

Luzern war chancenlos, das muss man so sagen, aber Liam Sketchers Truppe verkaufte seine Haut so teuer wie möglich: «Wir haben uns gut gewehrt», anerkannte Sketchers Assistentcoach Marius Birrer, «aber wenn wir am Netz angriffen, standen meist drei Zweimeterriesen vor uns. Durchkommen: fast unmöglich.» Kurzum, gestand Birrer: «Montpellier war uns in ­allen Belangen überlegen. Aber das Erlebnis, in dieser Kathedrale-hohen Sportarena einlaufen zu dürfen – das ging unter die Haut.»

Wissen muss man auch: Montpellier ist die Nummer 3 in der französischen Liga, einer der besten in Europa, und wenns noch einen Quervergleich braucht: Kevin Sarr beispielsweise, letzte Saison noch ein General in der Luzerner Equipe, hat’s in Frankreich grad einmal in die Ligue B geschafft. «Das ist eine andere Volley-Welt», sagt Marius Birrer ohne Neid.

Am Sonntag herrscht wieder Alltag

Das internationale Schaufenster ist also wieder zu, der Alltag kehrt ein. Unmittelbar nach dem Spiel in Montpellier machte es sich der Luzerner Volley-­Verbund im VBL-Reisebus ­bequem, nahm die lange Rückreise unter die Räder und traf heute Morgen früh um 9 wieder in Luzern ein. Zurücklehnen liegt nicht drin: Am Donnerstag, Freitag und Samstag sind ­Trainingslektionen angesagt, schliesslich will man bestens vorbereitet ins letzte Jahresspiel am Sonntag (Bahnhofhalle Luzern, 17.00) gegen den Ranglistennachbarn Näfels.

Es sei kein Schicksalsspiel, betont Libero Jörg Gautschi, aber eine Partie, «in welcher wir uns positionieren wollen». Ausgedeutscht: Gewinnen die Luzerner zum Jahresabschluss, rückt der angestrebte Rang vier wieder in Blickweite – eine Niederlage könnte in dieser Beziehung die Pläne arg ins Wanken bringen. Aber es wäre, unterstreicht Gautschi, die Gallionsfigur im Team mit inoffiziellen Sportchef-Funktionen, kein Schiffbruch: «Man kann in den Playoffs auch aus Rang fünf oder sechs in die Halbfinals vorstossen», beschwichtigt er.

Gautschi nimmt damit auch jeden Spekulationen den Wind aus den Segeln, dass man ja im schlimmsten Fall wie letzte Saison auch noch einen Nottransfer tätigen könnte:

«Das haben wir nicht nötig, wir sind stark ­genug für eine gute Meisterschaft.»

Gautschis Zuversicht ruht nicht zuletzt auch auf den schönen Fortschritten, welche die junge Garde der Mannschaft an den Tag legt: «Es bereitet uns älteren Semestern viel Spass und Freude, im Training und Spiel zuschauen zu dürfen, wie die Jungs sich an das hohe NLA-Niveau herankämpfen und nahe dran sind für den Ablöseprozess.» Jörg Gautschis designierter Nachfolger auf der Libero-Position beispielsweise heisst Tim Von Wyl. 17 Jahre jung, talentiert, bissig, ehrgeizig: «Er bringt alles mit, um in der NLA Karriere zu machen.»

Nur eines weiss Jörg Gautschi, erst mit 30 Jahren aktiv in den Spitzenvolley vorgestossen: «Er darf sich nie auch nur einen Zentimeter zurücklehnen, wenn er es ganz nach vorne schaffen will.» Darf Volley Luzern am Sonntag gegen Näfels auch nicht…