Ausgleich in der Schlusssekunde

58 Minuten fast alles richtig gemacht – und dann in zwei Minuten fast alles verloren. War das ein Spiel des HC Kriens-Luzern in der St. Galler Kreuzbleiche-Halle! Nach einer emotionalen Achterbahnfahrt über 60 Minuten blieb am Schluss ein 29:29.

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Die Krienser konnten sich nicht bis zu letzten Sekunde durchsetzten und müssen mit einem Unentschieden zufrieden sein. Themenbild. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Die Krienser konnten sich nicht bis zu letzten Sekunde durchsetzten und müssen mit einem Unentschieden zufrieden sein. Themenbild. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Im Ergebnis korrekt – aus Sicht des HCK aber ärgerlich. Denn noch 2:10 vor Schluss hatten die Zentralschweizer mit 29:25 Toren geführt. Die Bilanz aber fällt trotzdem positiv aus, lieferte doch der HCK einen insgesamt starken Auftritt ab!

Die Partie in St. Gallen war ja für den HCK alles andere als einfach. Die Ostschweizer haben sich nach sehr geschickten Verstärkungen zur eigentlichen Überraschungsmannschaft der Liga entwickelt und sind nach Jahren der Sorgen zur festen Grösse unter den Finalrunden-Kandidaten geworden. In diesem Umfeld nahm der HCK Anlauf, um die Heimniederlage gegen diesen Gegner zu kompensieren.

Und die Zentralschweizer taten dies nicht etwa gut – sie taten es sehr gut. Mit Herz, mit Verstand, aber in wichtigen Situationen auch abgezockt hielt der HCK dagegen, was St. Otmar an Angriffsvarianten auf den Platz legte. Dass es Otmar in der ersten Halbzeit nie schaffte, das entscheidende dritte Tor vorzulegen, lag sicher auch daran, dass sich der HCK mit Händen und Füssen dagegen wehrte und dabei viel Charakter zeigte. Mit Herzblut wehrten sich die Innerschweizer dagegen, den Gastgeber in einen Spielrausch kommen zu lassen. Und dieser Kampf bildete letztlich die Grundlage dafür, dass in Halbzeit 2 die Gegenoffensive gestartet werden konnte.

Je länger das Spiel dauerte, desto klarer wurde: Einfaches Spiel würde das heimstarke St. Otmar nicht haben. Dazu deckte der HCK zu engagiert, dazu war auch das Angriffsspiel der Zentralschweizer trotz einzelner Fehler zu stark an diesem Abend.

Und weil Otmar nicht genug vorlegen konnte, nahm der HCK – konsequent der eigenen taktischen Marschroute folgend – nach dem Seitenwechsel das Heft des Handelns in die eigenen Hände. Gleich mit dem ersten Angriff nach Wiederbeginn gelang der Ausgleich, dann legte der HCK nach. Die Ostschweizer blieben zwar dran – der kecke Gast aus der Innerschweizer aber wusste immer die passende Antwort. So zogen die Innerschweizer bis 2:12 vor Schluss auf 29:25 davon. Noch beim letzten Team Time Out der St. Galler sahen die Innerschweizer wie die sicheren Sieger aus.

Dann folgte – zartbesaitete bitte weghören – das totale Blackout im Osten. Was der HCK davor so richtig gemachte hatte, misslang jetzt. Technische Fehler, Verstolperer, Fehlabschlüsse, Strafen ... Otmar leckte in der Rolle des vermeintlich bereits Gescheiterten plötzlich wieder Blut, holte auf, und erzwang mit dem totalen Risiko das Momentum für sich. David Parolo glich 5 Sekunden vor Schluss aus zum 29:29. Damit endete eine dramatische Handball-Partie, die nach Drehbuch eigentlich zwei Sieger benötigt hätte.

Die Aufarbeitung des Spiels dürfte für den HCK aus zwei Teilen bestehen: 58 starke Minuten fürs Selbsvertrauen, in denen der HCK zeigte, dass diese Mannschaft auf einem wirklich guten Weg ist. Als Team, als Gruppe. Und dann zwei lehrreiche Minuten mit Szenen, aus denen wohl jeder Spieler im Rückblick lernt. Wenn beides passiert, wird das 29:29 zu einem sehr wertvollen Ergebnis. Mit Blick auf die Rangliste, aber auch mit Blick auf die Entwicklung des Teams.

Benedikt Anderes/ HC Kriens-Luzern

TSV St. Otmar St. Gallen - HC Kriens-Luzern 29:29 (13:12)

Kreuzbleiche, 850 Zuschauer. SR Sager/Styger.

Spielverlauf: 0:2, 1:3, 3:3, 4:3, 5:4, 6:5, 6:6, 8:8, 10:8, 11:9, 12:10, 13:11, 13:12; 13:13, 14:14, 16:16, 16:18, 17:18, 21:21 (46.), 21:23, 22:24, 23:26, 24:27, 25:29 (57.47), 29:29.

St. Otmar: Isenrich/Kindler; Pendic Filip (2), Christ, Fröhlich, Bärtschi, Wild, Liniger (7/2), Usik (4), Szymanski 3), Parolo (9), Banic (3), Filip (1).

HC Kriens-Luzern: Schelbert/Aleksejev; Fellmann (1), Mühlebach, Willisch (3), Petrig, Båverud (5), Steiger (9/1), Raemy (5), Baviera, Hess, Stankovic (6), Baumgartner.

Strafen: 4x2 Minuten gegen Otmar (inkl. rot gegen Björn Fröhlich); 5x2 Minuten gegen HC Kriens-Luzern. Penalties: 39. Steiger verschiesst Siebenmeter gegen Kindler (16:18)